Hintergrund

Hat die Erde zwei Schwestern?

Die Nasa hat im Sternbild Leier zwei Planeten entdeckt, die ähnliche Bedingungen wie die Erde aufweisen könnten. Forscher vermuten auf 62e und 62f Wasser, was Leben erst möglich macht.

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Ihre Namen sind alles andere als sinnlich. 62e und 62f hat die Nasa die beiden Exoplaneten benannt, weil sie um den Stern Kepler-62 kreisen. «Kepler» heisst das Teleskop, das seit 2009 im Weltraum Himmelskörper untersucht, die nicht um die Sonne, sondern um einen anderen Stern kreisen. 170'000 solcher Planeten, die wir auf der Erde teilweise ebenfalls als Sterne wahrnehmen, hat Kepler schon erfasst. Ein Stern aber, Kepler-62, ist dem Teleskop besonders aufgefallen: Er ist ziemlich hell. Zwar ist der Stern nicht ganz so gross wie die Sonne und hat nur etwa zwei Drittel deren Strahlkraft. Doch hat auch er Begleiter, fünf insgesamt, wobei zwei von ihnen die Nasa-Forscher wiederum besonders interessieren, eben 62e und 63f.

Genug warm

Wie die US-Raumfahrtbehörde am Donnerstag an einer Pressekonferenz in San Francisco bekannt gab, sind beide Planeten etwa eineinhalbmal so gross wie die Erde. Sie sind vermutlich aus Gestein, und die Forscher halten es für möglich, dass ihre «Sonne», Kepler-62, die Planeten genügend wärmt, dass es auf ihnen fliessendes Wasser gibt – die Voraussetzung für Leben. Somit würden sie sich in einer lebensfreundlichen Zone befinden, und falls es ausserhalb der Erde irgendwo überhaupt Leben gäbe, wären die beiden Planeten «grossartige Kandidaten», sagte Lisa Kaltenegger vom Max-Planck-Institut für Astronomie gegenüber «Spiegel online». Seit Jahren suchen Astronomen erdähnliche, lebensfreundliche Planeten. Haben sie nun zwei von ihnen gefunden?

Sicher ist das keinesfalls. Das Kepler-62-System liegt 1200 Lichtjahre von der Erde entfernt. Um mehr über 62e und 62f sagen zu können, müssten die Forscher die Masse der Planeten bestimmen können. Und sie müssten auch mehr über ihre Atmosphären erfahren. Denn nebst Wasser ist auch die chemisch richtige Zusammensetzung der Luft eine Voraussetzung für Leben.

Technisch ist das heute noch nicht machbar. Lisa Kaltenegger geht davon aus, dass auch die nächste Generation grosser Teleskope dafür nicht ausreichen werden.

Das Weltraumteleskop Kepler, benannt nach dem deutschen Astronomen Johannes Kepler, misst mit einem Fotometer die Helligkeit von Sternen. Dabei benutzt es Helligkeitsschwankungen, um einem neuen Sternensystem auf die Spur zu kommen. Auf ihrer Laufbahn verdecken die Exoplaneten für kurze Zeit den Stern, um den sie kreisen. Das registriert das Teleskop und schickt die Daten zurück zur Erde. 62e und 62f brauchen 122 beziehungsweise 267 Tage, um Kepler-62 einmal zu umrunden.

Mäuse im All

Während die Amerikaner mögliche Schwestern der Erde entdecken, wollen die Russen mehr erfahren über die Folgen von kosmischer Strahlung auf Tiere. Gestern ist eine russische Trägerrakete mit drei Forschungssatelliten und mehr als 100 Kleintieren ins All gestartet. Die Sojus 2.1a hob vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan ab. An Bord sind unter anderem 45 Mäuse, 20 Schnecken und 15 Geckos.

«Unser Minizoo wird 575 Kilometer über der Erde kreisen», sagte der Chef der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos, Wladimir Popowkin. Auch 40 Buntbarsch-Fischlarven, mit denen die deutschen Universitäten Erlangen-Nürnberg die Auswirkungen der Schwerelosigkeit untersuchen wollen, sind mitgeflogen. Sie sollen am Fallschirm zur Erde zurückkehren. «Am spannendsten wird das Verhalten der mongolischen Rennmäuse sein, die wir in Echtzeit per Kamera beobachten», sagte einer der beteiligten Wissenschaftler. Er schliesst nicht aus, dass keines der Tiere den Flug überlebt. Die 70 Experimente an Bord dienen unter anderem der Vorbereitung einer möglichen bemannten Reise zum Mars. (ber/SDA)

(ber/sda)

Erstellt: 20.04.2013, 07:58 Uhr

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