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«Haustiere sind sehr oft allergisch»

Veterinär Claude Favrot untersucht, weshalb Hunde immer häufiger unter ­Hauterkrankungen leiden.

«Tiere werden auch auf menschliche Hautschuppen getestet»: In der Studie untersucht Claude Favot West Highland White Terrier, weil es von ihnen in der Schweiz relativ viele gibt. Foto: Carlo Allegri / Reuters

«Tiere werden auch auf menschliche Hautschuppen getestet»: In der Studie untersucht Claude Favot West Highland White Terrier, weil es von ihnen in der Schweiz relativ viele gibt. Foto: Carlo Allegri / Reuters

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Sie haben vor kurzem ein grosses Forschungsprojekt zu Allergien bei Hunden gestartet. Aussenstehenden erschliesst sich der Sinn solcher Studien nicht unmittelbar . . .
Haustiere sind sehr oft allergisch, wir nehmen an, dass heute rund 30 Prozent darunter leiden. Das Thema ist für uns Veterinäre deshalb sehr wichtig.

Was löst die Allergien aus?
Das ist genau das, was wir herausfinden wollen. Wir beobachten seit gut 30 Jahren eine Zunahme der Allergiehäufigkeit. Die Entwicklung verläuft dabei gut 20 Jahre verzögert zum Menschen. Die Ursachen dürften in beiden Fällen im Lebensstil und in Umweltfaktoren zu ­suchen sein. Nur an den Genen kann es nicht liegen, da hat sich in der kurzen Zeit kaum etwas verändert.

Beim Menschen denkt man bei Allergien meistens an Heuschnupfen oder Asthma. Wie ist das bei Tieren?
Bei Tieren ist das sehr ähnlich. Auch bei ihnen sind Pollen, Hausstaub und so weiter die Hauptauslöser. Zwar sehen wir beim Menschen häufiger Heuschnupfen und Asthma als allergische Hauterkrankungen. Bei den Tieren unterscheidet sich das nach Art. Hunde ­haben zum Beispiel vor allem Ekzeme, Katzen oft auch Asthma. Wenn wir die beteiligte Immunologie untersuchen, finden wir aber bei allen Veränderungen, die für Allergien typisch sind.

Gibt es auch Haustiere, die ­allergisch auf Menschen sind?
Unsere Tiere werden jeweils auch auf menschliche Hautschuppen getestet. Die Resultate sind jedoch meist negativ.

In der Studie untersuchen Sie West Highland White Terrier. Weshalb?
In der Schweiz gibt es relativ viele davon, dadurch finden wir leichter Studienteilnehmer. Dabei hilft auch, dass ich einen guten Kontakt zu mehreren Züchtern dieser Rasse habe. Wir suchen aber noch Teilnehmer. Insgesamt wollen wir 100 Welpen einschliessen und während dreier Jahre verfolgen.

Was ist die grösste Herausforderung?
Die Züchter und Besitzer müssen überzeugt werden, mit uns zu arbeiten. Das heisst, wir sprechen mit sehr vielen Menschen, um ihnen zu erklären, wieso wir diese Studie machen und dass sie für die Tiere keine zu grosse Belastung ist.

Was genau untersuchen Sie?
Wir untersuchen unter anderem die Lebensbedingungen der Elterntiere sowie der Welpen während der zwei bis drei Monate beim Züchter und danach beim Besitzer. Also zum Beispiel, was sie fressen und ob es Allergene in der Umgebung gibt. Zudem suchen wir im Blut nach immunologischen Veränderungen.

Werden die Erkenntnisse auch dem Menschen helfen?
Allergien bei Mensch und Tier sind im Wesentlichen das Gleiche. Die Erkenntnisse bei Hunden sind deshalb mit grosser Wahrscheinlichkeit auch beim Menschen anwendbar. Ein grosser Vorteil von Hunden ist, dass die Würfe meist fünf bis sechs Welpen umfassen. Das ermöglicht den Vergleich von Tieren, welche eine ähnliche genetische Ausstattung haben und in den ersten zwei, drei Monaten beim Züchter unter gleichen Umständen aufwachsen. Eine solche Situation haben wir beim Menschen nicht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.11.2014, 21:26 Uhr

Claude Favrot

Der Veterinär­mediziner ist Titular­professor am Zürcher Tierspital und ­erforscht allergische Hauterkrankungen
bei Hunden.

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