Hoffnung für den Regenwald – ausgerechnet dank Grosskonzernen

Ein prominenter Umweltschützer verbreitet Optimismus: Nach Jahrzehnten voller Horrornachrichten zur Abholzung der Regenwälder stehe jetzt die grosse Wende an. Der Druck der Konsumenten wirke.

Rauch über dem Amazonas-Regenwald: Bauern haben ein Feuer gelegt, um Platz für ihre Herden zu schaffen. (14. August 2002)

Rauch über dem Amazonas-Regenwald: Bauern haben ein Feuer gelegt, um Platz für ihre Herden zu schaffen. (14. August 2002) Bild: Keystone

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Rhett Butler hat sein Leben dem Schutz der Regenwälder verschrieben. Der Gründer von Mongabay.com, der meist beachteten Website zum Thema, hat nach eigenen Angaben seit den 90er-Jahren Zehntausende Stunden in die «Sache» investiert. Und jetzt – angeblich zum ersten Mal – verbreitet er eine optimistische Botschaft.

Im Umweltschutzmagazin der Universität Yale wurde ein Aufsatz von Butler veröffentlicht. Darin schreibt er, die Zukunftsaussichten für die Regenwälder hätten sich zuletzt dramatisch verbessert. Die jüngste Entwicklung mache Hoffnung, dass «die Wälder erhalten werden können.»

Abholzung ging um 80 Prozent zurück

Noch verschwinden jedes Jahr gewaltige Waldflächen. Aber das Ausmass der Abholzung geht zurück: Gemäss dem aktuellsten Bericht der UNO gingen zwischen den Jahren 2000 und 2010 jährlich rund 5,2 Millionen Hektar verloren, zwischen 1990 und 2000 waren es noch 8,3 Millionen Hektar. Ende September haben zudem zwei Dutzend Länder eine UNO-Erklärung unterschrieben mit dem Ziel, die Abholzung bis 2020 zu halbieren und bis 2030 ganz zu stoppen.

Verlust an Waldfläche zwischen 2005 und 2010 in Hektaren. (Quelle: UNO)

Butler beobachtet nicht nur leere Versprechen, sondern konkrete Verbesserungen in den meisten Ländern, die über die grössten Regenwaldflächen verfügen. Spitzenreiter Brasilien habe die Abholzung seit 2004 um 80 Prozent reduziert, schreibt der Umweltschützer. Eine Zahl, die eine diese Woche veröffentlichte Studie bestätigt, welche das brasilianische Institut für Raumfahrtforschung präsentiert hatte. Gemäss der UNO zeigen sich bei den Abholzungsraten seit dem Jahr 2010 weltweit «Anzeichen eines Rückgangs». Gross angelegte Aufforstungsprojekte würden die Nettoverluste an Wald zudem «signifikant verringern».

Das Versprechen des Rohstoffriesen

Hauptgrund für Butlers Optimismus ist aber nicht die Politik, sondern die Wirtschaft. Abholzung passiere heute mehrheitlich zur Produktion von Gütern für die städtischen Märkte und den internationalen Handel und nicht mehr durch arme Bauern, die für ihr eigenes Überleben roden. Eine Einschätzung die der WWF auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch/Newsnet bestätigt. Die Abholzung werde nicht mehr durch Armut, sondern durch Profit angetrieben, schreibt Butler.

Aus der Sicht von Butler ist dies positiv, denn für die Abholzung sei heute vor allem eine kleine Zahl von Grosskonzernen verantwortlich. Und die spürten den Druck der Konsumenten. Abholzung werde nicht mehr akzeptiert, weshalb Dutzende der grössten Produzenten und Käufer von Soja, Palmöl oder Fleisch ihr Verhalten angepasst hätten. Dies bestätigt gegenüber der britischen Zeitung «Independent» auch Sally Uren, Chefin der Organisation Forum of the Future.

Aktuell ist der Fall von Cargill, einem der grössten Agrarhändler der Welt. Das Unternehmen kündete im September an, über seine gesamte Wertschöpfungskette auf Abholzung zu verzichten.

Aufforstung in Millionen Hektar zwischen 1990 und 2010. (Quelle: UNO)

Als positives Beispiel wird in diesem Zusammenhang wieder die Entwicklung in Brasilien erwähnt. Während dort die Abholzung stark zurückging, wurde die Produktion der Landwirtschaft massiv gesteigert. Gemäss Butler der Beweis dafür, dass wirtschaftlicher Fortschritt auch ohne die Zerstörung der Regenwälder möglich ist.

Satellitenüberwachung gegen Holzfäller

Der verstärkte Druck auf die Unternehmen hat gemäss Butler auch mit der technologischen Entwicklung zu tun. Dank Satellitenüberwachung sei es heute kaum mehr möglich, unbemerkt grössere Gebiete zu roden. Auf der Website Global Forest Watch werden beispielsweise laufend Daten, die von der Nasa zur Verfügung gestellt werden, auf eine interaktive Karte übertragen. Brasilien nutzt laut Butler ein ähnliches Überwachungssystem. Mit seinem Start vor etwa einem Jahrzehnt habe auch der Rückgang der Abholzung begonnen.

Aus Sicht des WWF reicht die verstärkte Überwachung allerdings nicht aus, solange die Behörden illegalen Holzschlag nicht sanktionierten. Die Strafverfolgung sei in vielen Ländern wegen der Korruption ein Problem. Insgesamt sieht die Organisation beim Schutz der Tropenwälder aber wie Butler Fortschritte. Für eine Entwarnung ist es aus ihrer Sicht aber noch zu früh.

Erstellt: 07.11.2014, 21:40 Uhr

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