«Ich will die Grenzen verschieben»

Nach dem verheerenden Streit mit den Sherpas am Mount Everest und der nachfolgenden Pause will es Bergsteiger Ueli Steck offenbar nochmals wissen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Macht er bloss eine Pause? Hört er mit dem Bergsteigen ganz auf? Oder kehrt er doch noch einmal an den Mount Everest zurück, um einen Rekord aufzustellen? In den letzten eineinhalb Monaten kursierten viele Gerüchte darüber, was Extrembergsteiger Ueli Steck nach dem Streit mit den Sherpas Ende April am höchsten Berg der Welt wohl tun würde.

Der 36-Jährige war bei der Besteigung der Lhotse-Flanke am 27. April von mehreren Sherpas tätlich angegriffen und verprügelt worden. Steck brach die Expedition daraufhin ab und zog sich einen Monat zurück, um sich neu zu sammeln. «Meine Kräfte neigen sich dem Ende zu», schrieb er Mitte Mai in einem Brief an Freunde. Der Gedanke, dass er beim Streit hätte sterben können, wollte ihm einfach nicht mehr aus dem Kopf.

Angriffslustiger Steck

Doch nun stehen die Zeichen offenbar wieder auf Angriff: Im Interview mit der «SonntagsZeitung» zeigt sich der Sportler voller Tatendrang. Stecks Antwort auf die Frage, warum es eigentlich immer der Everest sein müsse, lässt bereits erahnen, dass er sein letztes Mal am Everest noch nicht hinter sich hat: «Er ist der höchste Berg der Welt. Und für Höhenbergsteiger eine absolute Herausforderung. Der Unterschied zwischen dem Everest mit 8848 Metern und dem Shishapangma, dem niedrigsten 8000er, ist enorm. Eine andere Dimension. Erst ab 8500 Metern wird es hart. Aber nur ohne Sauerstoff. Sonst ist es keine Herausforderung für mich.»

Er will Grenzen verschieben

Dass von ihm ein neuer Rekord am Everest und nicht am Eggishorn erwartet wird, weiss Steck. Doch dies spiele gar keine so grosse Rolle. Er sei es nämlich, der diesen Anspruch an sich selbst habe. «Ich will die Grenzen verschieben», sagt Steck im Interview weiter. Mit 36 Jahren ist er nicht mehr der Jüngste im Bergsteigerbusiness. Auf die Frage, ob er mit 40 auch noch Rekorde brechen könne, versicherte er: «Sobald ich merke, dass ich keine Topleistungen mehr bringe, höre ich auf.» So weit ist es aber noch nicht. Was Steck sagt, lässt Spekulationen über einen neuen Rekordversuch über die Westroute am Everest neu aufleben. Ob er die erwähnte Expedition nochmals in Angriff nehmen wird, «ist noch nicht definitiv entschieden. Es hängt von diversen Faktoren ab, etwa der Situation in Nepal».

Den Horror mit den Sherpas am Berg scheint Steck jedenfalls verdaut zu haben. «Angst vor den Sherpas habe ich keine.» Die geplante Überschreitung fasziniere ihn nach wie vor. «Darauf habe ich mich jahrelang vorbereitet. Und ich weiss, dass diese Everest-Überquerung machbar ist. So leistungsfähig wie ich in diesem Jahr dort oben war, war ich noch nie im Leben. Ich gebe nicht so schnell auf.»

Aufhören ist kein Thema

Ob sich Ueli Steck innerlich bereits dazu entschlossen hat, die Überquerung nochmals zu wagen, verrät er im Interview nicht. Aber aufhören – so viel steht fest – wolle er auf gar keinen Fall. «In einer ersten Schockphase habe ich eine solche Aussage gemacht», sagt Steck auf die entsprechende Frage der «SonntagsZeitung».

Das Einfachste sei im jetzigen Moment «abschliessen und ‹wägseckle›», wie der Extrembergsteiger sagt. Längerfristig würde ihn das kaputtmachen, weil er damit die gesteckten Ziele nicht erreichen würde. «Aber nun weiss ich, ich mache weiter. Das wurde mir im letzten Monat klar.» (ddt/BZ)

Erstellt: 17.06.2013, 10:11 Uhr

Artikel zum Thema

Ist Spitzenalpinismus in der Schweiz nichts wert?

Outdoor Outdoor Nach dem Abbruch seiner letzten Himalaja-Expedition ist in der Schweiz viel Kritik über Ueli Steck niedergeprasselt. Seine Partner hingegen werden in ihrer Heimat wie Helden gefeiert. Woran liegt das? Zum Blog

«Einen Imageschaden trage nur ich davon»

Interview Zehn Tage nachdem er beinahe von einer Gruppe Sherpas umgebracht worden wäre, spricht Ueli Steck im Interview über die Verarbeitung dieses Konflikts. Mehr...

Steck zieht Karriereende in Betracht

Der Streit mit den Sherpas am Mount Everest hat bei Extrembergsteiger Ueli Steck Spuren hinterlassen: Er mache sich nun Gedanken über seine Zukunft, sagt er in einem Interview. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Keine Berührungsängste: In der Dinosaurierfabrik von Zigong in China wird ein voll beweglicher Dinosaurier hergerichtet. China produziert 85% aller Dinosaurier weltweit. (13. November 2019).
(Bild: Lintao Zhang/Getty Images) Mehr...