«Im Moment gehen wir von mindestens zwanzig Wölfen aus»

Laut Wolfexperte Ralph Manz ist noch unklar, ob der im Wallis erlegte Wolf jenes Tier war, das jüngst die vielen Schafe gerissen hat.

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Am Montagabend haben Berufswildhüter einen von Staatsrat Jacques Melly zum Abschuss freigegebenen Wolf im Obergoms getötet. War es tatsächlich auch der gesuchte Wolf M35, der so viel Schaden angerichtet hat?
Um welchen Wolf es sich bei dem Abschuss genau handelt, werden erst genetische Untersuchungen im Labor in Lausanne zeigen. Ein Wildhüter kann durch das Zielfernrohr am Gewehr kein bestimmtes Individuum erkennen.

Könnte statt M35 also auch irgendein Wolf, der gerade dort durchzog, erlegt worden sein?
Möglich ist es. Im Obergoms hielten sich vorübergehend auch andere Wölfe wie etwa die beiden einjährigen Wölfe M34 und M38 aus der Calanda-Gegend auf. Damit mit grosser Wahrscheinlichkeit das schadstiftende Tier erlegt werden kann, sieht das Konzept Wolf Schweiz vor, dass der Abschussperimeter im gleichen Gebiet gewählt wird, in dem die Schäden auch passiert sind.

Diese Woche wurde auch bekannt, dass der Calanda-Wolf M36 durch ein Zugunglück umkam. Wie hoch ist die Mortalität bei Jungwölfen?
Relativ hoch. Junge Wölfe leben gefährlich. Krankheiten, Futtermangel oder Verkehrsunfälle führen dazu, dass etwa nur jeder Zweite im ersten Lebensjahr überlebt. Von den Calanda-Wölfen aus dem ersten Wurf ist der einjährige Rüde M36 an den Folgen des Zugunglücks gestorben. Wie die Autopsie an der Universität Bern jetzt ergeben hat, trug er weder Bleischrot noch andere Geschosse im Körper. Es war ein gesundes Tier gewesen.

Und was ist mit den anderen vier Calanda-Wölfen aus dem ersten Wurf?
Der Calanda-Wolf M38 hielt sich, wie gesagt, auch mal kurz im Obergoms auf. Von dort ist er wieder zurück in die Surselva gewandert, wo er Mitte Mai von einem Auto überrollt wurde. Wir wissen nicht, ob er diesen Unfall überlebt hat oder durch die Verletzungen gestorben ist. Bei den anderen drei Calanda-Wölfen aus dem ersten Wurf gehen wir aufgrund der gesammelten DNA-Proben davon aus, dass sie noch am Leben sind. Allerdings haben wir von M37 seit ein paar Monaten keine weiteren Hinweise mehr. Die letzte genetische Analyse von ihm stammt noch vom Januar.

Wie viele Wölfe gibt es derzeit in der Schweiz?
Im Moment gehen wir von mindestens zwanzig Wölfen aus. Doch einzelne Tiere können auf der Suche nach einem eigenen Territorium und einem Partner enorme Strecken zurücklegen. Es ist deshalb durchaus möglich, dass solche Tiere gar nicht nachgewiesen werden.

Sind die Calanda-Wölfe aus dem neuen, zweiten Wurf bereits genetisch identifiziert?
Nein, wir wissen noch nicht, wie viele Männchen und Weibchen es sind, sondern lediglich, dass es fünf sind. Je grösser sie werden, umso mehr erkunden sie ihre Umgebung und gehen bald auch mit auf die Jagd. Derzeit warten sie, wie für das Alter üblich, irgendwo noch an einem sogenannten Rendezvousplatz, bis die Eltern ihnen das Futter bringen. Wo dieser genau ist, wird nicht kommuniziert, um die Tiere in Ruhe zu lassen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.09.2013, 10:34 Uhr

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Wolfexperte Ralph Manz ist Mitarbeiter der Fachstelle Kora (Koordinierte ­Forschungsprojekte für Raubtiere
in der Schweiz).

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