In 90 Jahren ist der Rhonegletscher fort

Vom Walliser Gletscher wird 2100 wohl nur noch ein kümmerlicher Rest bleiben. Dies zeigt eine neue Computersimulation.

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Wissenschaftler der ETH Lausanne und der ETH Zürich errechneten den Zustand des Rhonegletschers über 226 Jahre von 1874 bis 2100, wie die ETH Lausanne heute mitteilte. Dazu erfassten sie im Computer zahlreiche Daten und Modelle, zum Beispiel zur Temperatur, zum Niederschlag oder zum Rückgang des Gletschers seit dem 19. Jahrhundert.

Der beteiligte Forscher Matthias Huss von der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie der ETH Zürich sagte auf Anfrage, es sei das erste Mal, dass die Veränderungen eines Schweizer Gletschers mit solchen quantitativen, mathematischen Methoden untersucht würden. Bisher seien eher qualitative, ungenauere Schätzungen gemacht worden.

Einen raschen Schwund erwartet

Die Forscher entwickelten drei verschiedene Zukunftsszenarien, die auf Klimamodellen beruhen. Die mittlere Prognose geht davon aus, dass die Temperatur in der Region im Jahr 2100 um 3,8 Grad höher sein wird als 1990. Gleichzeitig würde die Regenmenge um 6 Prozent abnehmen.

Für dieses Szenario ergibt die Simulation, dass der Rhonegletscher bis zum Jahr 2060 die Hälfte seines Volumens verlieren wird. Im Jahr 2100 wären schliesslich noch etwa 5 Prozent des Gletschers vorhanden. Ein ähnliches Schicksal würde vielen Gletschern im Alpenraum blühen.

Informationen für Stromerzeuger

Die Forscher wollen deshalb auch für andere Schweizer Gletscher solche Simulationen erstellen, wie Huss sagte. Ein Ziel sei es, auch die Abflussveränderungen genau zu berechnen. Das sei wichtig für die Wirtschaft: Im Wallis beispielsweise wird das meiste Gletscherwasser für die Energieproduktion benutzt.

Mathematiker der ETH Lausanne möchten zudem einen längst verschwundenen Gletscher im Kanton Graubünden nachbilden. 10'000 Jahre alte Moränenreste könnten es dort ermöglichen zu bestimmen, wie und wann der Gletscher sein Gewicht verlor. (raa/sda)

Erstellt: 29.10.2008, 16:28 Uhr

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