«Jetzt ist optimales Erdbeerwetter»

Forscher André Ançay sagt, dass bei Agroscope jährlich rund hundert Konsumenten die hierzulande erhältlichen Erdbeerensorten testen.

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Nicht nur im Supermarkt, sondern auch auf den Feldern in der Schweiz gibt es jetzt endlich Erdbeeren. Warum schmecken einige nicht?

Am Anfang der Ernte, Mitte bis Ende Mai, war das Wetter bei uns schlecht, sodass die Erdbeeren nicht ihr volles Aroma entfalten konnten. Jetzt sind die Bedingungen dagegen optimal, weil es genug Sonne hat. Sie sind fruchtig und süss. Der Geschmack hängt aber auch von der jeweiligen Sorte ab. Deshalb machen wir jedes Jahr Tests, um sie neu zu bewerten. Ganz oben auf der Liste stehen zum Beispiel Clery und Darselect.

Wie läuft so ein Erdbeer-Ranking ab?
Rund hundert Konsumenten probieren verschiedene Erdbeersorten und bewerten deren Geschmack mit Noten von eins bis neun. Unabhängig davon stufen Experten die Qualität der Früchte ein. Solche Degustationen müssen dann nach wissenschaftlichen Kriterien unter einem rotem Licht durchgeführt werden, damit Farbe, Form und Grösse der Beeren das Resultat nicht beeinflusst. Zudem führen wir Laboranalysen durch, um etwa den Säure- und Zuckergehalt der Erdbeeren festzustellen.

Wie viele Sorten werden in der Schweiz angebaut? Die Produzenten verwenden 17 Sorten. Clery und Darselect sind dabei die wichtigsten und machen fast ein Drittel der Fläche aus. Wir testen dann auch einige aus Frankreich, Italien und Holland und vergleichen sie mit unseren. Von den 15 ausländischen Sorten hatte dieses Jahr keine von ihnen eine bessere Qualität als Clery.

Wie kam die Erdbeere nach Europa?
Die Walderdbeere gibt es in Europa schon seit der Steinzeit. Doch die grossfruchtige Gartenerdbeere Fragaria chiloensis wurde von dem französischen Militäringenieur, Mathematiker, Spion und Entdecker Amédée-François Frézier Anfang des 18. Jahrhunderts von Chile mitgebracht. Von seinem Namen leitet sich auch das französische Wort «fraise» ab. Die Sorte wurde zuerst in der Bretagne im grossen Stil angebaut.

Wachsen Schweizer Erdbeeren noch im Boden?
80 Prozent der Erdbeeren haben bei uns noch Boden gesehen — entweder im Freiland oder unter einem Plastiktunnel. Die anderen wachsen in einem Topf auf einem bewässerten Substrat, zum Beispiel aus einem Gemisch von Kokosnussfasern und Kompost. Geschmacklich macht dies bei der gleichen Ernteperiode keinen Unterschied.

Werden Erdbeeren mit Pestiziden behandelt?
Nur selten. Man muss sie deshalb vor dem Essen auch nicht unbedingt waschen. Um Schädlinge zu bekämpfen, versprühen die Schweizer Erdbeerproduzenten fast keine Chemie. Gegen die Kirschessigfliege stellt man zum Beispiel Fallen aus Wein und Essig auf, die den Schädling dorthin locken und letztlich töten. Und gegen Spinnmilben oder Blattläuse setzt man meist Nützlinge wie etwa Raubmilben oder Marienkäfer ein.

Wo sind Erdbeeren noch richtige Geschmacksbomben?
Natürlich in meinem Garten, weil ich sie dort zum richtigen Zeitpunkt ernten und auch noch gleich essen kann.

Erstellt: 05.06.2015, 18:42 Uhr

André Ançay
Der Agrarwissenschaftler arbeitet an der Forschungsanstalt Agroscope am Standort Conthey und untersucht Erdbeeren.

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