Klimawandel: US-Regierungsstudie schlägt Alarm

«Anzeichen für eine Erderwärmung gibt es im Überfluss»: Gemäss Einschätzung eines Expertenausschusses besteht kein Zweifel, dass die Temperaturen bis Ende Jahrhundert drastisch steigen werden.

Eisschmelze durch Erderwärmung: Glaciar Grey im Nationalpark Parque Nacional Torres del Paine nahe von Puerto Natales. (TA Archivbild)

Eisschmelze durch Erderwärmung: Glaciar Grey im Nationalpark Parque Nacional Torres del Paine nahe von Puerto Natales. (TA Archivbild)

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Die Erderwärmung könnte einem US-Regierungsbericht zufolge in diesem Jahrhundert noch deutlich höher ausfallen als bisher befürchtet. Ohne bewusstes Gegensteuern könnten die Temperaturen bis 2100 um mehr als fünf Grad Celsius steigen, heisst es in einem gestern in Washington vorgelegten Expertenbericht.

Die Folge wären unter anderem zunehmende Wetterextreme wie Hitzewellen und Hurrikane. Der vorläufige Bericht wurde von dem von der Regierung beauftragten National Climate Assessment and Development Advisory Committee vorgelegt. Darin heisst es unmissverständlich: «Anzeichen für einen Klimawandel gibt es im Überfluss, sie sprechen eine eindeutige Sprache: Der Planet erwärmt sich.» Zudem lässt der Bericht keinen Zweifel daran, dass der Ausstoss von Treibhausgasen dafür verantwortlich ist. Dies wird bisher von vielen US-Abgeordneten bezweifelt, die sich deshalb gegen jede Festlegung von Emissions-Obergrenzen sperren.

Massive Ernteausfälle und bedrohter Fischbestand

Nach Ansicht der Experten wird der Klimawandel in den kommenden 25 Jahren keine dramatischen Auswirkungen beispielsweise auf die US-Landwirtschaft haben. Sollte nichts unternommen werden, drohten danach aber wegen anhaltender Dürren massive Ernteausfälle, sich erwärmende Ozeane würden den Fischbestand und damit die Fischindustrie bedrohen. Ausserdem müssten sich die US-Bürger auf zunehmende Wirbelstürme wie erst unlängst «Sandy» einstellen, warnten die Experten.

Teilweise sei der von Menschen verantwortete Klimawandel schon jetzt nicht mehr zu ändern, schreiben die Wissenschaftler in dem Entwurf weiter. Doch hätten die US-Bürger die Möglichkeit, das Ausmass zu begrenzen, wenn sie wollten. «Jenseits der nächsten paar Jahrzehnte wird das Ausmass des Klimawandels davon abhängen, welche Entscheidungen die Gesellschaft in puncto Emissionen trifft.»

400-seitiges Gutachten

Ohne nennenswertes Gegensteuern könnten die Temperaturen zum Ende des Jahrhunderts um 2,7 bis 5,5 Grad steigen, warnen die Experten in ihrem 400-seitigen Gutachten. Und selbst wenn ab sofort weltweit beispielsweise durch Gesetze zu Emissions-Obergrenzen gezielt gegengesteuert würde, müsse noch immer mit einem Anstieg der Temperaturen bis 2100 um 1,6 bis 2,7 Grad gerechnet werden. Internationales Ziel ist es eigentlich, die Klimaerwärmung bis Ende des Jahrhunderts auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Dies gilt als Wert, bei dem sich die Folgen noch kontrollieren lassen. (mrs/AFP)

Erstellt: 12.01.2013, 13:09 Uhr

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