«Kyoto ist kein Modell für die Zukunft»

Am Klimagipfel in Durban ist eine Nervosität spürbar, dass es zu keinem Ergebnis kommen könnte. Diese Angst sei nicht unbegründet, sagt der Schweizer Verhandlungsleiter. Ein überraschend gutes Zeugnis stellt er den USA aus.

Das Gastgeberland des Klimagipfels zählt nicht gerade zu den Vorbildern: Ölraffinierie bei Durban.

Das Gastgeberland des Klimagipfels zählt nicht gerade zu den Vorbildern: Ölraffinierie bei Durban. Bild: Keystone

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Die Schweizer Delegation ist mit dem Ziel an den Weltklimagipfel in Durban gereist, sich für ein wirksames Klimaregime einzusetzen. Gemäss dem Chef der Schweizer Verhandlungsdelegation, Botschafter Franz Perrez, sträuben sich besonders die Schwellenländer gegen diese Idee.

Pointiert gegen ein globales Übereinkommen sprächen sich Indien, Saudiarabien sowie Vertreter der lateinamerikanischen ALBA-Gruppe aus, sagte Perrez. Etwas weniger weit entfernt von der Schweizer Position liege Brasilien.

Kyoto ist keine Alternative

Für Perrez ist es gut denkbar, dass am Ende der zweiwöchigen Konferenz kein Ergebnis vorliege: «Wir neigen dazu zu sagen, dass es besser ist, gar keine aufwändigen Verhandlungsprozesse zu haben als schlechte.» So könnte der Druck auf die widerstrebenden Länder erhöht werden.

Eine Alternative wäre gemäss Perrez die Weiterführung des Ende 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls in Form von «unilateralen Deklarationen» zwischen jenen Länder, die sich zu Emissionsreduktionen verpflichten.

Der bestehende Vertrag sei, was den Deckungsgrad betreffe, «kein Modell für die Zukunft», sagte Perrez. Bei der Aushandlung des Protokolls hätten sich die Industrienationen noch für die Mehrheit der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich gezeichnet - «heute machen die Kyoto-Länder noch einen Viertel aus».

Widerstand gegen Klimafonds

Auf der Traktandenliste in Durban steht ausserdem die Ausarbeitung eines globalen Klimafonds, der 2009 in Kopenhagen beschlossen worden war und vor allem Entwicklungsländer bei deren Massnahmen zum Klimaschutz unterstützen soll. Vorbehalte gegen den Fonds gibt es laut Perrez einerseits vonseiten der USA. Diese «sollten aber geklärt werden können».

«Grössere Sorgen» mache er sich angesichts der grundsätzlichen Vorbehalte der ALBA-Länder, sagte Perrez. So wehre sich Venezuela dagegen, dass die Weltbank die Rolle des Kassenwartes übernehme, obwohl dies bereits entschieden worden sei.

Perrez zeigt sich aber optimistisch, dass die Vorbehalte überwunden werden können. «Es wäre ja absurd, wenn die Entwicklungsländer selber den Fonds blockieren würden.» Der Widerstand sage aber auch einiges aus über die entsprechenden Länder, «die grundsätzlich nicht sehr konstruktiv sind».

Darüber, ob der Klimafonds wie kolportiert in Genf angesiedelt wird, werde in Durban nicht diskutiert, sagte Perrez. Dies sei ein «Nebenpunkt» in einem lange dauernden Prozess.

«Konstruktive» Amerikaner

Die Rolle der für ihre Klimapolitik regelmässig kritisierten USA nimmt Perrez «wie bereits bei der letzten Konferenz als konstruktiv war». Die Amerikaner würden ihre Ansätze halt explizit vertreten. «Wir haben auch pointierte Positionen, bringen diese aber weniger konfrontativ ein.»

Im Vergleich mit den harzigen Verhandlungen beim letztjährigen Klimagipfel in Cancun sei die «Stimmung in Durban nicht besser, aber auch nicht schlechter». Bei den Gastgebern sei eine gewisse Nervosität spürbar, dass es zu keinem Ergebnis kommen könnte. «Diese Angst ist nicht unbegründet», sagte Perrez. Die Nervosität sei aber immerhin kleiner als in Cancun. (miw/sda)

Erstellt: 02.12.2011, 20:01 Uhr

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Hält es für möglich, dass in Durban keine Lösung gefunden wird: Botschafter Franz Perrez. (Bild: Keystone )

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