Lasst euch nicht stressen!

Wie untersucht man eine Pinguinkolonie, ohne dass die Tiere etwas davon merken?

Schau mich an, Kleines: Der Pinguin-Roboter in der Tierkolonie. (2. November 2014)

Schau mich an, Kleines: Der Pinguin-Roboter in der Tierkolonie. (2. November 2014) Bild: Keystone

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Klein, flauschig und auf vier Rädern unterwegs: Französische Forscher haben einen Roboter als Baby-Pinguin verkleidet. Die kleinen, ferngesteuerten Fahrzeuge können Daten über Tierkolonien weit stressfreier sammeln als Menschen, wie die Forscher im Fachjournal «Nature Methods» schreiben.

Das Team um Studienleiter Yvon Le Maho von der Universität Strassburg hat eine Methode gesucht, um die scheuen Kaiserpinguine zu untersuchen, ohne sie aufzuschrecken. Um einzelne Tiere verfolgen zu können, erhalten die Pinguine Radio-Frequenz-Chips (RFID), wie sie auch Haustiere haben, unter die Flossen geheftet.

Das Ablesen geht aber nur aus 60 Zentimetern Nähe mit einem Handlesegerät. Dies stresst die Tiere, deren Herzfrequenz deutlich ansteigt. Dies sei ethisch problematisch und verfälsche die Forschungsresultate, schreiben Le Maho und seine Kollegen. Sie wollten herausfinden, ob das Ablesen mit einem ferngesteuerten Fahrzeug (Englisch: Rover) stressfreier geht.

Roboterküken begrüsst

Sie rüsteten 34 Königspinguine mit Herzfrequenzmessern aus. Auf einer Testfahrt durch die Kolonie, die die Forscher auf Video aufgenommen haben, hackten die Tiere zwar auf den Roboter ein. Ihre Herzfrequenz stieg aber kaum höher, als wenn ein Artgenosse vorbeikommt – und weitaus weniger, als wenn sich ein Mensch nähert. Stoppte der Rover, beruhigten sie sich sofort wieder.

Die noch empfindlicheren Kaiserpinguine erschraken jedoch vor dem Rover. Also verkleideten die Forscher ihn als flauschiges Pinguinküken. Nun erlaubten es ihm alle erwachsenen und jungen Pinguine, sich auf Ablese-Distanz zu nähern. Sie begrüssten ihn zum Teil sogar mit speziellem Gesang und er durfte sich in den Kreis kuschelnder Küken einreihen.

Video: Youtube/ViaDecouvertesProd

Auch Seeelefanten liessen sich in Tests von dem Rover nicht stören, sogar wenn er zu ihren Köpfen und Schwanzflossen fuhr. Menschen sei dies noch nicht gelungen. Die Forscher plädieren für den breiteren Einsatz der Rover, die nicht nur Daten ablesen, sondern auch Tierstimmen aufnehmen, Vögel im Flug oder Fische im Wasser begleiten könnten. (sda)

(Erstellt: 03.11.2014, 11:36 Uhr)

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