Leugnen ist zwecklos

Der Mensch ist nicht an jedem Anstieg der Meere schuld. Doch das ändert nichts an den Fakten zum Klimawandel.

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Der Abbruch eines gigantischen Eisbergs vom antarktischen Eisschelf Larsen C steht bevor. 5000 Quadratkilometer Eis, grösser als der Kanton Bern. Klimaforscher warnen vor einem Kollaps von Larsen C, der schwimmend den stossenden Landgletscher auf der antarktischen Halbinsel stützt. Fehlt der Eisschelf, fliesst der Gletscher beschleunigt ins Meer – und leistet einen Beitrag zum Anstieg des Meeresspiegels.

Es wäre die Gelegenheit, den Klimawandel für dieses ungewöhnliche Naturereignis verantwortlich zu machen. Und damit eine Kampagne gegen den neuen US-Präsidenten Donald Trump und Regierungsmitglieder zu lancieren, die einen vom Menschen gemachten Klimawandel leugnen.

Doch Wissenschaftler halten sich an Fakten. Noch gibt es in der Antarktis zu wenig Daten, um einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Eisabbruch und Erderwärmung zu machen. Das kommunizieren die Klimaforscher transparent.

Diese Haltung macht sie umso glaubwürdiger, wenn sie eindeutige Belege für den Klimawandel vorlegen: die starke Erwärmung der Arktis, der enorme Eisverlust alpiner Gletscher, der gefährliche Anstieg des Meeresspiegels. Spätestens seit dem Bericht des Weltklimarates 2013 gibt es keine Zweifel mehr unter Wissenschaftlern: Es ist vor allem das Kohlendioxid (CO2) aus der Verbrennung fossiler Treib- und Brennstoffe, das zur Erwärmung der Erdoberfläche führt. Wer hätte geahnt, dass Klimaforscher ihre eindeutigen Ergebnisse erneut verteidigen müssen, nach fünf Weltklimaberichten, 20 Jahren internationaler Klimapolitik und dem Klimaabkommen von Paris?

Das Phänomen des Klimawandels wird in vielen Schichten der US-Gesellschaft noch nicht ernst genommen. So greifen haltlose «alternative Fakten», wie die Regierung sich ausdrückt, besonders dort tief, wo die Macht der Gewohnheit stärker ist als der Wille zur Veränderung zugunsten der nächsten Generationen.

Aber auch in der Schweiz ist solche Skepsis noch nicht ganz gewichen. Immerhin gab es in der Umweltkommission des Nationalrates immer noch acht Stimmen gegen die Ratifizierung des Pariser Klimavertrags.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.02.2017, 19:31 Uhr

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