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«Nun kommen die spannenden Projekte»

Ingenieur Hermann Blumer hat sich mit fantastischen Holzkonstruktionen einen Weltruf erworben.

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Ihr Grossvater hatte eine Zimmerei, Ihr Vater führte den Betrieb weiter. Sie lernten erst Zimmermann und machten dann die Ausbildung zum ETH-Ingenieur. Die Leidenschaft für Holz wurde Ihnen in die Wiege gelegt.
So emotional ist meine Beziehung zu Holz nicht, ich gehe analytisch mit dem Werkstoff um. Ich bin bei Bauprojekten nicht allein auf Holz ausgerichtet.

Aber der Titel zu einem neuen Buch über Ihre Karriere heisst: «Holz kann die Welt verändern».
Das bezieht sich vor allem auf die Ressource Holz, die ein klimaneutraler Bauwerkstoff ist und die bautechnisch viele Möglichkeiten offen lässt. Manche sagen, in einem Holzhaus lebt es sich gesünder. Das wird wohl so sein, steht aber nicht im Vordergrund bei den meisten meiner Bauentscheidungen.

Die TA-Redaktion arbeitet im neuen Tamedia-Bürogebäude des japanischen Stararchitekten Shigeru Ban. Das Konzept des raffinierten Fichtenholzskeletts stammt von Ihnen. Wie kamen Sie zu diesem Auftrag?
Ich traf Ban in Zürich. Er fragte mich im Zusammenhang mit dem Tamedia-Gebäude, was Holz besser könne als Beton oder Stahl. Ich wusste keine Antwort, zeichnete ihm aber eine Skizze einer Skelettkonstruktion mit einer an die Natur angelehnten Formensprache. Ban war davon überzeugt, und das Thema Baustoff wurde nie mehr diskutiert.

Sie haben intuitiv gewusst, dass Ihre Idee statisch funktioniert?
Gefühlt, ja. Das Konzept war damals nicht konkretisiert. Die Statik war eine neue Herausforderung, aber mir war klar, wir würden eine Lösung finden.

Die Konstruktion ist ungewöhnlich. Was hat sie inspiriert?
Ich habe mich schon immer mit der Bionik befasst, also mit der Natur als Inspiration. Beim Tamedia-Gebäude war es der Ast und seine Verbindung mit dem Stamm sowie die frühere Technik der hölzernen Maschinenlager.

Sie sind 70 Jahre alt, könnten schon lange aufhören zu arbeiten.
Das wäre schade, nun kommen die spannenden Projekte, auf die ich lange gewartet habe. Der neue Swatch-Hauptsitz in Biel, das Aspen Art Museum in Colorado. Dazu kommt ein gewaltiges erdbelastetes Holzdach, das zwei Hochhäuser in Istanbul umgibt.

Sie sind ein Verfechter von Laubholz als Baustoff. Das leuchtet ein, zumal in der Schweiz der Laubwald stärker wächst als der Nadelwald. Ist denn die Industrie dazu bereit?
Wir sind an einem Wendepunkt. Wir müssen die Holzwerkstoffindustrie in der Schweiz wieder beleben. Dafür müssen moderne Technologien eingerichtet werden. Laubholzstämme sind grundsätzlich keine Langhölzer, weil sie selten gerade wachsen. Die Prozesse dafür sind noch zu teuer bei uns, es braucht Entwicklung, ein gutes Marketing und Referenzgebäude. Laubholz hat viele Vorteile, unter anderem ist es je nach Holzart beständiger, und statisch bringt es in der Regel mehr Leistung.


Ralph Brühwiler: «Holz kann die Welt verändern», Appenzeller Verlag, 2013 (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.01.2014, 10:42 Uhr

Der 70-jährige Holzbauingenieur aus dem ausserrhodischen Waldstatt macht Holz zu einem Baustoff, der auch für urbane Architektur attraktiv ist.

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