Ozonloch dehnte sich fast bis über die Schweiz aus

Zum ersten Mal überhaupt bildete sich in diesem Jahr ein grosses Ozonloch über dem Nordpol. Noch ist nicht restlos geklärt, weshalb.

Nach ungewöhnlicher Kälteperiode: Das Ozonloch auf einer Höhe von rund 20 Kilometern nahe seiner grössten Ausdehnung Mitte März (links). Die Abbildung rechts zeigt die Konzentration von Chlormonoxid (gleicher Tag, gleiche Höhe), das am meisten zur Zerstörung der Ozonschicht beiträgt.

Nach ungewöhnlicher Kälteperiode: Das Ozonloch auf einer Höhe von rund 20 Kilometern nahe seiner grössten Ausdehnung Mitte März (links). Die Abbildung rechts zeigt die Konzentration von Chlormonoxid (gleicher Tag, gleiche Höhe), das am meisten zur Zerstörung der Ozonschicht beiträgt. Bild: Keystone

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Eine längere Kälteperiode hat nach dem letzten Winter über der Arktis zu einer massiven Abnahme der Ozonkonzentration in der Stratosphäre geführt. Das erste Mal seit Messbeginn konnten Forscher eine «Ozonvernichtung» nachweisen, die vergleichbar mit dem seit Jahren beobachtbaren Ozonloch in der Antarktis ist, schreiben rund 30 Autoren im Fachmagazin «Nature» (Artikel kostenpflichtig). Der Schutzschild vor UV-Strahlung war zeitweise auf einer Fläche, die fünfmal so gross wie Deutschland ist, stark reduziert. Die Ausbreitung war meist nicht kreisrund, sondern eierte nach Russland, in die Mongolei und auch nach Westeuropa.

Laut Mitautor Markus Rex gelangten Ausläufer des Lochs für ein paar Tage sogar in die Nähe der Schweiz. Ende März wurde Ozonmangel über Norddeutschland, Anfang April sogar in Süddeutschland nachgewiesen, sagt der Potsdamer Atmosphären-Forscher der «Welt online». Die erhöhte UV-Strahlung an diesen Tagen habe vermutlich zu einigen zusätzlichen krebsgefährdenden Sonnenbränden geführt.

Extreme Kälteperiode

Der Nordpol erlebte in diesem Jahr Rekordtemperaturen. Die Temperaturen stiegen im Sommer an, und die Eiskappe schmolz mehr als in den meisten Jahren. Noch im Winter war es hingegen wochenlang ungewöhnlich kalt. Unter diesen Voraussetzungen bilden sich Wolken aus Eis und manchmal Schwefel- oder Salpetersäure. Die Wolken binden auch Chemikalien, die Ozon zersetzen können. Im Frühling, wenn die Sonnenstrahlen über den Nordpol zurückkehren, werden diese Ozon-Killer freigesetzt.

«Je kälter es ist, desto mehr Wolken bilden sich, desto mehr Chlor wird später freigesetzt und desto mehr Ozon wird zerstört», erklärt der kanadische Physiker und Studienmitverfasser Kaley Walker dem Sender CBC. Der Abbau der schützenden Ozonschicht hält an, solange die Wetterlage stabil bleibt. Und in diesem Jahr hielten sich gemäss CBC die extrem kalten Temperaturen 30 Tage länger als in jedem zuvor untersuchten arktischen Winter.

Zusammenhang mit Klimawandel?

Ob die extreme Kälte in der oberen Atmosphäre und die Erderwärmung in Bodennähe zusammenhängen, wird kontrovers debattiert. Michelle L. Santee und Nathaniel J. Livesey vom Nasa Jet Propulsion Laboratory, die auch an der Studie mitgewirkt hatten, äussern sich gegenüber der «New York Times» zurückhaltend. Die These sei interessant, aber noch nicht erwiesen.

Die Forscher haben auch noch nicht herausgefunden, weshalb es so lange so kalt war am Nordpol. Infrage kommen für Kaley Walker alle Phänomene, die mit der Energiemenge in der Atmosphäre zusammenhängen, beispielsweise Wellenlängen. Für ihn steht damit fest, dass die Kälteperiode, die zum Ozonloch in der Arktis geführt hat, mit dem Klimawandel zusammenhängt. (rub)

Erstellt: 04.10.2011, 11:57 Uhr

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