Rätselhafter Feuerschweif war ein Raketenteil

An Heiligabend sorgte ein grosser Feuerball am Himmel für Verwirrung. Die Europäische Weltraumbehörde hat das Rätsel nun geklärt: Es handelte sich um verglühenden Weltraumschrott.

Wie ein Komet: Feuerball, aufgenommen an Heiligabend an der Sevogelstrasse in Basel.

Wie ein Komet: Feuerball, aufgenommen an Heiligabend an der Sevogelstrasse in Basel.
Leser-Reporter: Peter Oroszlan

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Der helle Lichtschweif, der zu Heiligabend am europäischen Nachthimmel für Aufsehen gesorgt hat, war ein verglühender Teil einer Sojus-Rakete. «Es handelte sich dabei um eine Oberstufe der Sojus-Rakete, die kürzlich drei Weltraumfahrer zur Internationalen Raumstation ISS gebracht hat», sagte Bernhard von Weyhe, Sprecher der Europäischen Weltraumbehörde ESA in Darmstadt.

Dies hätten Untersuchungen einer ESA-Expertengruppe eindeutig ergeben. «Die Raketenteile sind etwa 80 Kilometer über der Erde verglüht. Die Flugrichtung war von Westen nach Osten», erklärte von Weyhe: «Beim Eintritt in die Atmosphäre hatten sie etwa eine Geschwindigkeit von 25'000 bis 28'000 Stundenkilometern.» Eine Gefahr für die Bevölkerung habe zu keiner Zeit bestanden: «Je weiter Teile in die Erdatmosphäre eintreten, desto mehr zerbrechen und verglühen sie.»

Jährlich 60 bis 70 Tonnen

Am 24. Dezember war das Phänomen abends über Teilen der Schweiz, Deutschlands, Belgiens, Frankreichs und der Niederlande beobachtet worden. Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) erreichen jährlich 60 bis 70 Tonnen Weltraumschrott die Erde.

Am Mittwoch war eine Sojus-Rakete vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartet, um drei Weltraumfahrer zur Internationalen Raumstation ISS zu bringen. Am Freitag waren der Russe Oleg Kononenko, der US-Amerikaner Donald Pettit und der Niederländer André Kuipers plangemäss am Aussenposten der Menschheit in 350 Kilometern Höhe angedockt.

Nicht der Stern von Bethlehem

Das Phänomen war an Heiligabend etwa im ostdeutschen Bundesland Thüringen von Augenzeugen gegen 17.30 Uhr gesehen worden. Sie berichteten von drei glühenden Streifen mit einem breiten Schweif, der sich dann in mehrere Teile zerstreut habe. Worum es sich genau handelte, war zunächst unklar geblieben. Manche spekulierten über den Stern von Bethlehem, andere über ein UFO.

Bei der Polizei gingen laut einem Bericht von 20 Minuten online mehrere Meldungen ein. Auch in Deutschland war das Phänomen zu sehen. Ab 17.30 Uhr gingen bei der Mannheimer UFO-Meldestelle zahlreiche Anrufe und E-Mails ein, wie das Centrale Erforschungsnetz aussergewöhnlicher Himmelsphänomene (CENAP) mitteilte.

Beschrieben und gefilmt wurde ein «flach dahinrasender Feuerball mit gewaltigem Schweif, aus dem sich viele Funken lösten». Die Erscheinung konnte bis zu 30 Sekunden beobachtet werden, und noch einmal 20 bis 30 Sekunden war ein verwehender Rauchschweif zu sehen. Experten vermuteten zuerst, dass es ein «grosser Bruder der Normalosternschnuppen» war, «ein sogenannter Feuerkugel-Bolide». (ami/miw/dapd)

Erstellt: 25.12.2011, 19:32 Uhr

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