Schnelle Beinarbeit rettet die Fliege vor der Klatsche

Amerikanische Biologen konnten zeigen, wie Fliegen ihren Feinden häufig entkommen – dank raffinierter Vorbereitungen mit den Beinen.

Vorbereitung, Beine ausrichten, Absprung, Start: Bildsequenz der Fluchtvorbereitung von Anfang bis zum Flug nach 288 Millisekunden.

Vorbereitung, Beine ausrichten, Absprung, Start: Bildsequenz der Fluchtvorbereitung von Anfang bis zum Flug nach 288 Millisekunden. Bild: Current Biology/Gwyneth Card, Michael Dickinson

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Die Welt ist voller Feinde, wenn man klein ist und Drosophila melanogaster heisst. Vögel wollen sie fressen, Menschen schlagen mit Fliegenklatschen nach ihr. Dass die «Schwarzbäuchige Taufliege» ihren Jägern oft genug entkommt, faszinierte die Biologen Gwyneth Card und Michael Dickinson vom California Institute of Technology in Pasadena genug, um dem Phänomen mit einer Hochgeschwindigkeitskamera nachzuspüren.

Mit rund 5400 Bilder pro Sekunde fotografierten die Biologen die Fluchtvorbereitungen der Fliegen, wenn eine Plexiglasscheibe, gezogen von einer Kette, sich ihnen näherte. Die Analyse dieser Aufnahmen förderte laut der Online-Ausgabe des Fachmagazins «Science» Erstaunliches zutage: Rund 100 Millisekunden, bevor die Insekten zum ersten Mal mit ihren Flügeln schlagen, bewegen sie ihre Beine – und ordnen sie neu an, so dass der Schwerpunkt über den beiden mittleren Beinen liegt, mit denen sie sich vom Boden abstossen.

Überraschend komplexe Fluchtreaktion

Diesen «Ausfallschritt» vollzogen die Fliegen jeweils entgegengesetzt zu der Richtung, aus der die Bedrohung kam, wie die Wissenschaftler im Journal «Current Biology» weiter berichten. Experten finden die Resultate faszinierend: «Die Idee, dass Fliegen antizipieren und die Richtung ihrer Flucht planen, ist cool», sagte der Neurogenetiker Ralph Greenspan aus San Diego, «sie zeigt eine Menge Raffinesse für ein Gehirn, das nur rund 100'000 Neuronen hat.»

In diese Richtung wollen die Biologen Card und Dickinson, der sich zuvor bereits mit den Flugmanövern von Drosophila melanogaster befasst hatte, in naher Zukunft tatsächlich weiterforschen. Vor allem wollen sie herausfinden, wie ihr vergleichsweise einfaches Nervensystem es schafft, auf ein simples Gefahrensignal mit einem ausgefeilten Fluchtplan zu reagieren.

Erstellt: 02.09.2008, 08:43 Uhr

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