Schokoladeproduzenten brechen ihre Versprechen

Für den Anbau von Kakao werden in Westafrika geschützte Regenwälder gerodet – weil auch Schweizer Schokoladehersteller zu wenig dagegen unternehmen.

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Vor einem Jahr gab es etwas Hoffnung für die Regenwälder in Westafrika, als die Kakaoproduzenten und die Regierungen von Ghana und der Elfenbeinküste Besserung versprachen. Sie wollten die Abholzung beenden, Nationalparks schützen und auch die Arbeiter fairer behandeln und bezahlen, gelobten sie an der UNO-Klimakonferenz in Bonn.

Die Industrie hatte sich dazu durchgerungen, nachdem die US-Organisation Mighty Earth in einem vielbeachteten Bericht Missstände aufgedeckt und den Beteiligten vor allem aufgezeigt hatte, wie viel Regenwald in Westafrika aufgrund der Kakaoproduktion bereits verloren gegangen ist. Firmen wie Lindt und Hershey's, zwei Riesen im Geschäft, gründeten die Cocoa and Forests Initiative (CFI) und feierten ihre Versprechen medienwirksam.

Abholzung in Ghana: Vergleich der Jahre 2001 und 2017. Rote Punkte kennzeichnen gerodete Gebiete. (Quelle: Mighty Earth)

Im Oktober, knapp ein Jahr nach der Einigung, kontrollierte Mighty Earth die Fortschritte. Dazu verglich die Organisation einerseits Satellitenbilder und machte sich andererseits auch ein Bild vor Ort.

Die Resultate waren ernüchternd. So wurde die Abholzung in einigen Gebieten nicht etwa gestoppt, sondern sogar vorangetrieben, heisst es im nun veröffentlichten Bericht.

Die Satellitenbilder zeigen den fortschreitenden Raubbau in über der Hälfte der untersuchten Gebiete. Alleine in einer Region im Südwesten der Elfenbeinküste gingen 13'748 Hektaren Wald zwischen November 2017 und September 2018 verloren, schreibt Mighty Earth. Das entspricht fast 20'000 Fussballfeldern oder der Fläche der Städte Bern und Zürich zusammen.

Zudem erwischten die Kontrolleure auch vor Ort Arbeiter mit Macheten, die den Regenwald Stück für Stück abholzten und dafür Kakao anpflanzten. Die Bauern glauben, dass frisch gerodetes Land die besseren Kakaobohnen hergebe. Mighty Earth fand denn auch mitten im Regenwald eine Plantage mit Kakaobäumen, von denen einige weniger als einjährig waren, also erst gepflanzt wurden, nachdem die Hersteller ihr Versprechen schon abgegeben hatten.

Lebensraum für Elefanten geht verloren

Die Regierungen hätten versagt, die Industrie habe die Versprechungen nicht gehalten, schreibt Mighty Earth im Bericht. In der Elfenbeinküste würden in den nächsten zehn Jahren mehrere eigentlich geschützte Wälder verschwinden, wenn es so weitergehe. Davon betroffen sind die bereits bedrohten Schimpansen und Elefanten, welche dem Land einst den Namen gaben, aber auch die restliche Flora und Fauna des Gebiets.

Noch ist die Hoffnung nicht ganz verloren, denn Mighty Earth fand auch Verbesserungen vor. In einigen Gebieten wurde die Abholzung gestoppt. Hersteller wie Mars oder Ferrero werden für eine nachhaltige Lieferkette gelobt, auch Lindt und Halba gehören zu denjenigen, die positive Änderungen angestossen haben, etwa indem sie vom Vollsonnenanbau, der die Biodiversität vernichtet, auf den ökologischeren Schattenanbau umgestellt haben.

Die Hauptprobleme bleiben aber: Die Arbeiter erhalten zu wenig Lohn, zudem hat Mighty Earth viele Kinder angetroffen, die in den Plantagen mitarbeiteten. Die Regierungen hätten zwar Gesetze und Richtlinien geändert, in der Praxis würden diese aber nicht umgesetzt, schreibt die Organisation.

Mighty Earth fand während der Recherche in der Elfenbeinküste auch arbeitende Kinder. (Bild: Mighty Earth)

Die in flagranti erwischten Bauern, die Bäume fällten und Kakao anpflanzten, hatten offenbar keine Angst vor Konsequenzen. Sie kannten die neuen Richtlinien nicht und hätten auch von den Herstellern keine Hinweise, dass ihre Kakaobohnen nicht mehr gekauft werden, wenn sie dafür den Regenwald roden.

Hersteller sollen Herkunft genau deklarieren

Die Hersteller würden ihre Kakaobohnen noch immer bei Händlern kaufen, welche den Regenwald aktiv weiterzerstörten, lautet denn auch ein Vorwurf im Bericht.

Für Mighty Earth ist es noch zu früh, um mit dem Finger auf konkrete Hersteller zu zeigen. Da die jüngst gepflanzten Bäume noch keine Früchte tragen, könne nicht nachgewiesen werden, wer diese Bohnen letztlich für seine Schokolade verwenden werde. Die Organisation verlangt deshalb unter anderem, dass die Hersteller künftig genau nachweisen, von welchen Händlern sie ihren Kakao beziehen. Die Händler müssten wiederum deklarieren, wo sie ihre Bohnen kaufen.

Um die Lieferkette ohne Entwaldung, die letztes Jahr versprochen wurde, auch einhalten zu können, sollen dabei Lieferanten ausgeschlossen werden, die seit November 2017 neue Flächen gerodet haben. Zuletzt fordert Mighty Earth dafür auch eine ständige Satellitenüberwachung in Westafrika, von Regierungen und Industrie aufgebaut, damit Sünder schnell enttarnt werden können.


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Erstellt: 07.12.2018, 15:25 Uhr

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