Schweiss stinkt nicht – eigentlich

10 Fakten zum Schwitzen: Wo die Schweissdrüsen sind, auch die speziellen; warum Asiaten beim Schwitzen nicht stinken; was es mit der Krebs-Debatte auf sich hat.

Völlig natürlich: Jeder Mensch schwitzt. Auch Formel-1-Pilot Lewis Hamilton, der sich hier nach einem Rennen Fragen von Journalisten stellt. Bild: Reuters/Laszlo Balogh

Völlig natürlich: Jeder Mensch schwitzt. Auch Formel-1-Pilot Lewis Hamilton, der sich hier nach einem Rennen Fragen von Journalisten stellt. Bild: Reuters/Laszlo Balogh

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1. Schwitzen ist lebensnotwendig, damit wir nicht überhitzen. Der Schweiss, der hauptsächlich aus Wasser besteht, kühlt durch die Verdunstung unseren Körper.


2. Wir haben über den gesamten Körper verteilt Schweissdrüsen. Sie werden ekkrine Drüsen genannt und scheiden hauptsächlich Wasser aus. Eine Besonderheit sind unsere Achselhöhlen: Dort haben wir zusätzlich sogenannte apokrine Drüsen, die sich am Haaransatz befinden. Sie scheiden auch Talg aus, bestehend aus Fetten und Proteinen. (Apokrine Drüsen befinden sich zudem in der Genitalregion und um die Brustwarzen.)


3. Eigentlich stinkt Schweiss nicht, jedenfalls nicht sofort, wenn wir ihn ausscheiden. Erst unsere Hautbakterien machen aus den geruchlosen Stoffen übelriechende Substanzen. Ein Eldorado sind für sie die Achselhöhlen. Dort finden die Mikroorganismen alles, was sie benötigen: Wasser, Salze, Fette und Proteine. Die Unterarmbewohner haben sich perfekt an den feuchtwarmen Lebensraum angepasst.


4. Was tun gegen Schweissgeruch? Neben Waschen helfen Kosmetika – seit Jahrzehnten mit hauptsächlich drei Wirkmechanismen: Duftstoffe in Deodorants überdecken die schlechten Gerüche durch angenehme. Inhaltstoffe wie Alkohole, Aluminium- oder Zinkverbindungen wirken desinfizierend. Sie hemmen das Wachstum der Hautbakterien. Antitranspirantien drosseln die Schweissproduktion, indem sie die Schweisskanäle verstopfen. Die unliebsamen Flecken unter den Hemdsärmeln bleiben aus. Die Inhaltstoffe, die das bewirken, sind Aluminiumsalze.


5. In den letzten Jahren kursieren immer wieder Mutmassungen, dass Aluminiumverbindungen in Antitranspirantien Brustkrebs auslösen könnten. Dafür gebe es keine wissenschaftlichen Belege, zu diesem Schluss kommen das Bundesamt für Gesundheit und das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung. Aluminium ist eines der häufigsten Elemente der Erdkruste, das wir mit dem Trinkwasser und mit der Nahrung aufnehmen. Über die Haut scheinen weitaus weniger dieser Verbindungen in den Körper zu gelangen. Die Aufnahme und Wirkung von Aluminium aus Kosmetika über die Haut ist jedoch kaum erforscht – obwohl sie seit Jahrzehnten in Antitranspirantien, Zahnpasta oder Lippenstiften eingesetzt werden. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, dem empfehlen Experten Antitranspirantien mit Aluminiumsalzen nicht auf verletzte Hautstellen aufzutragen, also nicht nach der Rasur.


6. Ein Sportler, der nach dem Joggen verschwitzt nach Hause kommt, riecht nicht so unangenehm wie ein Mitarbeiter, der seinem Chef schlechte Quartalszahlen erläutern muss. Angst- oder Stressschweiss stinkt anders. Forscher vermuten, dass unsere Achselhöhlen auch «olfaktorische Kommunikationsorgane» sind. Unsere Vorfahren könnten die mithilfe ihrer Unterarmbakterien produzierten Duftstoffe als Signale eingesetzt haben, um ihre Mitmenschen zu warnen. Kosmetikfirmen haben bereits spezielle Antitranspirantien entwickelt, um den Stressschweiss zu unterdrücken. Der Chef muss ja nicht wissen, wenn man Angst hat.


7. Wenn Achselschweissforscher herausfinden wollen, ob eine Hemmsubstanz an Testpersonen wirkt, so beschäftigen sie professionelle «Schnüffler». Das sind Personen, die darauf geschult sind, die typischen Schweisskomponenten zu erkennen. Sie müssen ihre Nasen zwar nicht in die Achselhöhlen stecken, sondern schnuppern an Wattepads. Dafür ist die Duftbreite recht gross von wohlriechenden Sandelholznoten eines Steroids oder einem Grapefruitduft einer Schwefelverbindung bis hin zu stechend nach Urin stinkenden Steroiden oder bestialisch muffelnden Schwefelverbindungen.


8. Viele Asiaten stinken nicht nach Schweiss. Der Grund dafür ist eine Genveränderung. Sie bewirkt, dass in den apokrinen Drüsen unter den Achseln die Ausgangssubstanzen für die Stinkestoffe nicht freigesetzt werden können. Das Gen mit dem etwas einfallslosen Namen ABCC11 war den Wissenschaftlern bereits bekannt. Es bewirkt nämlich auch, dass die Asiaten trockenen, weissen Ohrenschmalz haben und nicht wie wir feuchten, gelblichen. Das veränderte Gen hat sich in Asien rasant ausgebreitet. Es muss den Trägern einen Vorteil verschafft haben. Die Farbe ihres Ohrenschmalzes war es wohl kaum.


9. Je nach Bakterientyp werden verschiedene Gerüche freigesetzt. Unter den Achseln dominieren Corynebakterien und Staphylokokken, die sich dort in unzähligen Arten, die längst noch nicht alle bekannt sind, tummeln. Sie lassen uns flüchtige kurz- und mittellange Fettsäuren verströmen sowie bestialisch stinkende Schwefelverbindungen. An den Füssen hingegen herrschen etwas andere Bakterienkolonien vor. Manche von ihnen haben Verwandte, die auch bei der Produktion von Käse ihren Dienst tun.


10. Nicht viele Tiere können mit dem ganzen Körper schwitzen so wie wir. Kaninchen haben beispielsweise keine Schweissdrüsen. Sie geben die überschüssige Wärme über ihre Ohren ab. Hunde schwitzen hauptsächlich an den Pfoten, reicht das nicht, hecheln sie. So verschaffen sie sich über den Rachenraum Kühlung. Raubkatzen müssen sich nach einem Sprint in den Schatten zurückziehen, um ihre Körpertemperatur zu drosseln. Pferde können hingegen so wie Affen oder wir Menschen komplett nass werden vor Schweiss. Der Pferdeschweiss ist allerdings anders als unserer zusammengesetzt. Er enthält mehr Proteine, zum Beispiel ein Tensid ähnlich den Seifenbestandteilen. Deshalb schäumt ihr Schweiss.

Falls Sie noch mehr zur Hitze wissen wollen. Dieser Professor hilft beim Abkühlen:

(Video: Lea Koch)

Erstellt: 06.07.2015, 10:41 Uhr

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