Schweizer Astronom schlägt revolutionäre Theorie vor

Seit Jahrzehnten rätseln Forscher, wie Dunkle Materie und Dunkle Energie beschaffen sind. Der Genfer Astronom André Maeder sieht eine radikale Lösung: Sie existieren gar nicht.

«Man kann nichts als selbstverständlich betrachten»: André Maeder im welschen Fernsehen. (undatierte Aufnahme) Bild: Screenshot RTS

«Man kann nichts als selbstverständlich betrachten»: André Maeder im welschen Fernsehen. (undatierte Aufnahme) Bild: Screenshot RTS

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es sind zwei der grossen Rätsel des Universums: Dunkle Materie und Dunkle Energie. Erstere verleiht Galaxien zusätzliche Masse und erklärt, warum sie trotz schneller Rotation nicht auseinanderfliegen. Letztere steckt hinter der sich beschleunigenden Ausdehnung des Universums. So zumindest die jeweiligen Theorien. Neben diesen indirekten Hinweisen fehlen jedoch bisher direkte Beweise für die Existenz dieser beiden physikalischen Grössen.

André Maeder von der Universität Genf hat ein neues theoretisches Modell des Universums entwickelt, laut dem sich die Bewegung der Galaxien und die Ausdehnung des Universums auch ohne die beiden rätselhaften Einheiten erklären liesse. Davon berichtet er im Fachblatt «The Astrophysical Journal».

Die mathematische Beschreibung des Universums beruht auf Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie, Newtons Gesetz der universellen Gravitation und der Quantenmechanik, schrieb die Universität Genf am Mittwoch in einer Mitteilung.

Unveränderliche Eigenschaften

Das bisherige Modell des Universums habe jedoch eine Grund-Hypothese zu wenig in Betracht gezogen, sagte Maeder gemäss der Mitteilung. Und zwar die sogenannte Skalenunabhängigkeit des leeren Raums. Damit gemeint ist, dass sich die Eigenschaften des leeren Raums mit Ausdehnung oder Stauchung nicht verändern. Der leere Raum spielt in Einsteins Gleichung eine wichtige Rolle als «kosmologische Konstante» und beeinflusst daher das Modell des Universums.

Der Genfer Astronom habe nun das Modell unter Berücksichtigung der Skalenunabhängigkeit des leeren Raums abgeändert und zeige, dass sich die beschleunigte Ausdehnung des Universums auch ohne Dunkle Energie damit abbilden lasse, schrieb die Uni Genf. Ausserdem passte er Newtons Gesetz der universellen Gravitation entsprechend an, was eine Erklärung für die Bewegung von Sternen in Galaxien liefert – ganz ohne Dunkle Materie.

«Man kann nichts als selbstverständlich betrachten»

Die neue Hypothese dürfte einiges an Fragen aufwerfen und Kontroversen schüren, räumt die Universität in ihrer Mitteilung ein. Die Präsentation seines neuen Modells, das zwei der grössten astronomischen Rätsel löse, bleibe dem Geist der Wissenschaft treu, so Maeder: «Man kann nichts als selbstverständlich betrachten, weder in Sachen Erfahrung, Beobachtung noch Schlussfolgerung.»

(mch/sda)

Erstellt: 22.11.2017, 17:58 Uhr

Artikel zum Thema

Sensationeller Todestanz am Südhimmel

Erstmals haben Astronomen Gravitationswellen und Lichtsignale einer kosmischen Kollision aufgefangen. Die spektakuläre Messung läutet eine neue Ära der Astronomie ein. Mehr...

Asteroid rast an Erde vorbei – ESA probt Ernstfall

Video Ein Asteroid hat heute Morgen die Erde passiert. Er kam ihr fast so nahe wie manche Satelliten. ESA und Nasa wollten den Ernstfall trainieren. Mehr...

Riesiger Asteroid ist an der Erde vorbeigezogen

Video Der Asteroid «Florence» ist der Erde so nahe gekommen wie kein Brocken dieser Grössenordnung in den vergangenen hundert Jahren. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Haben keine Höhenangst: Zwei Fensterputzer haben sich in Tokyo als Hund und Wildschein verkleidet. Die beiden Tiere sind in Japan die Sternzeichen dieses und des nächsten Jahres. (13. Dezember 2018)
(Bild: Kim Kyung-Hoon) Mehr...