Schweizer haben Pestizide im Urin

Pro Natura testete Urin-Proben in 18 Ländern Europas – und fand in fast der Hälfte Spuren von Pflanzengiften. In einem Land waren gar 90 Prozent der Proben verschmutzt.

Die langfristigen Folgen sind unklar: Ein Helikopter verteilt Pflanzengift über einem Feld nahe Genf. (Archivbild)

Die langfristigen Folgen sind unklar: Ein Helikopter verteilt Pflanzengift über einem Feld nahe Genf. (Archivbild) Bild: Keystone

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Eine breit angelegte Untersuchung hat bei Stichproben in 18 europäischen Ländern, darunter in der Schweiz, Spuren des Pestizid-Wirkstoffs Glyphosat im Urin nachgewiesen. Nun soll abgeklärt werden, wie etwa in der Schweiz der schädliche Stoff in den menschlichen Körper gelangt.

Es sei nicht bekannt, ob der bei der Pflanzenvernichtung am weitesten verbreitete Wirkstoff in der Schweiz über das Essen oder das Trinkwasser in den menschlichen Körper gelange. Dies werde nun bei den zuständigen Behörden und auch den Grossverteilern abgeklärt, sagte Marcel Liner von Pro Natura.

90 Prozent positive Proben in Malta

Die europäische Untersuchung im Auftrag von Pro Natura und ihrem internationalen Netzwerk Friends of the earth wies in 44 Prozent aller getesteten Urin-Proben Rückstände von Glyphosat nach. Bei den Schweizer Stichproben waren es zwei auf zwölf Proben (16 Prozent), die Spuren des Stoffes aufwiesen, wie die Naturschutzorganisationen mitteilten.

Am meisten Rückstände wurden in Malta gefunden. Dort waren 90 Prozent der Proben positiv. In Deutschland, Grossbritannien und Polen hatten 70 Prozent der Stichproben Rückstände des Pflanzenschutzmittels. Auch in den Niederlanden, Tschechien, Belgien, Lettland und Zypern waren über 50 Prozent der Proben positiv.

Folgen für das Hormonsystem

Pro Land seien zwischen acht und zwölf Proben genommen worden, erläuterte Liner von Pro Natura. Es sei aus früheren Untersuchungen bekannt, dass sich kleine Dosen von Glyphosat negativ auf das menschliche Hormonsystem auswirkten. Und die Urinproben seien nur auf Glyphosat untersucht worden. Es gebe noch andere Beistoffe, die in Kombination gefährlich sein könnten.

Derzeit gebe es keine Glyphosat-Kontrollen bei Lebensmitteln. Die Zulassung des Mittels werde praktisch ausschliesslich auf Daten der Hersteller abgestützt. Nun müsse in Erfahrung gebracht werden, was die langfristigen Folgen des Gifteinsatzes für Menschen, Tiere, Pflanzen und Grundwasser seien, hiess es bei Pro Natura.

In der Schweiz werden den Angaben zufolge jährlich schätzungsweise 300 Tonnen des Pflanzengifts verkauft. Damit sei Glyphosat mit Abstand das weitest verbreitete Mittel zur Unkrautbekämpfung. Marktführer in der Schweiz ist der Agrochemie-Konzern Syngenta. (fko/sda)

Erstellt: 13.06.2013, 14:31 Uhr

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