Tigermücke sticht auch in der Schweiz zu

Die aggressive Mücke kann das Dengue-Fieber übertragen. Nun taucht sie auch nördlich der Alpen häufiger auf.

Aggressiv und als potenzieller Krankheitsüberträger auch gefährlich: Die Asiatische Tigermücke. Foto: Alamy Stock Photo

Aggressiv und als potenzieller Krankheitsüberträger auch gefährlich: Die Asiatische Tigermücke. Foto: Alamy Stock Photo

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Am Hinterkopf hat sie eine ­feine, weisse Linie, die sich über den Rücken bis zum Flügelansatz fortsetzt. Auffällig sind auch ihre schwarz-weiss gestreiften Hinterbeine und die weissen Streifen am langgestreckten Hinterleib. Ihre gräulichen Flügel sehen transparent aus und sind lediglich von hauchdünnen Adern durch­zogen.

Das grazile Aussehen der bis zu einen Zentimeter grossen Tigermücke, die ursprünglich in Südostasien heimisch ist, lässt sie zart und empfindlich wirken. Doch die Stechmücke Aedes albopictus ist äusserst aggressiv und als potenzieller Krankheitsüberträger riskant. In der Schweiz breitet sie sich immer mehr aus. Neue Funde auch nördlich der Alpen in Graubünden und Basel bestätigen dies.

Zu Recht fürchten sich viele Menschen vor ihrem blutrünstigen Mundwerkzeug. Denn die Weibchen stechen auch am helllichten Tag zu. Gefährlich wird es, wenn die Mücken bereits infiziert sind und beim Saugen Krankheitserreger wie etwa die Viren des Dengue- und Chikungunya-Fieber übertragen. In den vergangenen Jahren kamen solche Fälle mehrmals auch in Europa vor.

«Wir müssen ihre Ausbreitung möglichst schnell stoppen und das invasive Insekt bekämpfen», sagt Marco Lanfranchi vom Amt für Natur und Umwelt des Kantons Graubünden. Denn im vergangenen Jahr fand man erstmals auch in Chur bei einer kantonalen Erhebung Eier der Tigermücke. Und im südlichen Misox kam es zu einer weiteren Zunahme ihres Vorkommens. Zudem konnten in Graubünden im ­vergangenen Jahr ähnlich wie ­bereits 2016 erneut auch an den Autobahnraststätten Heidiland und Viamala Eier nachgewiesen werden.

Tessin als Einfallspforte

Durch den globalen Handel und internationalen Reiseverkehr kommt die Tigermücke inzwischen weltweit vor. «2003 ­wurde sie erstmals im Kanton Tessin nachgewiesen und hat sich dort seither vielerorts angesiedelt», sagt Pie Müller von Swiss TPH in Basel. Seit 2013 hätten sie deshalb schweizweit im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt Fallen entlang der Hauptverkehrsachsen – vor allem der Nationalstrassen – aufgestellt.

2017 führten sie an insgesamt 36 Standorten, darunter Autobahnraststätten, Flughäfen, den Rheinhäfen sowie am Bahnhof Chiasso, Untersuchungen durch und kontrollierten diese von Juni bis September alle zwei Wochen systematisch. Zudem wurden die Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Aargau mit weiteren Fallen unterstützt. Besonders prekär ist die Situation etwa in der Nähe beim Zoll in Basel nahe der französischen Grenze.

In Basel wurde erstmals 2015 eine Tigermücke entdeckt. «Nachdem sie bereits zugestochen hatte, schickte uns der Betroffene das Exemplar per Post zu», erklärt Müller. Vermutlich hat sich in dieser Gegend bereits eine Population etabliert, oder die invasive Stechmückenart wird immer wieder von neuem mit Fahrzeugen eingeschleppt. Zum Beispiel, wenn ein Lastwagenfahrer beim Zoll aussteige, um seine Papiere zu regeln, oder in einer Autobahnraststätte anhalte, um einen Kaffee zu trinken oder etwas zu essen.

Entweder entweicht bei einer solchen Gelegenheit ein adultes Tier, oder die Eier werden in einem Gefäss mit Wasser transportiert. Im Gegensatz zur Asiatischen Buschmücke ist die Tigermücke kälteempfindlicher. Bisher konnte noch nicht bewiesen werden, dass sie in der Schweiz auch überwintert. «Wir müssten dazu eine genetische Untersuchung von Tigermücken aus verschiedenen Jahren durchführen, um die Verwandtschaftsbeziehung zu klären», erklärt Müller.

In der Deutschschweiz sind neben Basel die Autobahnraststätten A2 Neuenkirch und A2 Pratteln neuralgische Punkte, weil dort ebenfalls wiederholt Tigermücken in Folge entdeckt wurden. Sie wurden via Gotthard als blinde Passagiere mitgebracht. In den vergangenen Jahren traten auch beim Carparkplatz beim Hauptbahnhof Zürich immer wieder Tigermücken auf, die mit Reisebussen aus dem Süden ankamen. In Graubünden scheint sich die invasive Art mittlerweile gut zu entwickeln. «Wir haben deshalb unser Monitoring verschärft und auf andere Standorte wie Zizers, Domat/Ems oder an verschiedenen Orten mitten in Thusis ausgeweitet», sagt Lanfranchi.

Bereits mit einfachen Massnahmen lässt sich die Ausbreitung der Tigermücke besser in Schach halten, indem die Brutstätten trockengelegt oder entfernt werden. So darf sich etwa kein Wasser in Blumentöpfen auf dem Balkon, in Abfallbehältern, Ritzen oder in draussen herumliegendem Spielzeug ansammeln. Des Weiteren werden die Strasseneinlaufschächte sowie andere schwer zugängliche Wasseransammlungen mit spezifischen, biologisch abbaubaren Larvidziden behandelt.

Mehr Einschleppungen

An den installierten Fallen legt ein Weibchen auf einem kleinen Holzbrettchen knapp über der Wasseroberfläche circa 50 Eier ab. Danach werden diese unter dem Binokular gezählt und die Art mit einem speziellen Hightech-Massenspektrografen bestimmt. «Denn es kann sich auch um eine Asiatische Buschmücke handeln, die noch viel häufiger als die ­Tigermücke in der Schweiz vorkommt», sagt Müller.

Derzeit seien die Ergebnisse von 2018 noch nicht veröffentlicht. Doch bereits die Jahre ­davor haben gezeigt, dass die Tigermücke hierzulande immer häufiger eingeschleppt wird. 2017 waren von 786 untersuchten Holzbrettchen insgesamt 50 positiv. «Hochsaison ist ­meistens erst im August und September», sagt Müller. Deshalb sei es für dieses Jahr noch zu früh, eine Prognose zu stellen.

Erstellt: 18.06.2019, 20:23 Uhr

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