«Touristenboote jagen die Delfine»

Anbieter von Delfintouren müssten sensibilisiert werden, sagt Delfinexpertin Angela Ziltener.

Touristenattraktion: Touristen auf einem Schnellboot betrachten Delfine. Bild: Reuters/Darrin Zammit Lupi

Touristenattraktion: Touristen auf einem Schnellboot betrachten Delfine. Bild: Reuters/Darrin Zammit Lupi

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie haben 2011 die Organisation «Dolphin Watch Alliance» gegründet. Warum ist Delfinschutz im Roten Meer wichtig?
Die Regionen um Hurghada und El Gouna sind ideal, um Delfine zu beobachten. Allerdings geschieht das nicht nachhaltig. Der Delfintourismus hat dort in den letzten Jahren massiv zugenommen. Es gibt inzwischen mehr als 50 Tourenanbieter, die «Schwimmen mit Delfinen» durchführen. Solche Aktionen setzen die Delfine enorm unter Druck. Wir wissen nicht, wie lange die Tiere dem standhalten können.

«Hunderte von Touristen springen direkt in die Delfingruppen hinein.»

Es heisst doch, dass Delfine manchmal neugierig sind und sich gerne Schwimmern nähern.
Das stimmt zum Teil. Aber bei diesen Angeboten für den Massentourismus ­haben die Delfine keine Chance dazu. Ich habe erlebt, wie an Spitzentagen 30 Boote hinter den Delfinen herfahren, sie geradezu jagen und ihnen den Weg abschneiden. Das geschieht am Tag, wenn die Tiere eigentlich schlafen. Und dann springen Hunderte von Touristen direkt in die Delfingruppen hinein. Das ist ein grosser Stress für die Tiere.

Was unternehmen Sie dagegen?
Unsere Vision sind Schutzzonen, wo Boote nicht zugelassen sind. Es dauert aber, bis diese Zonen umgesetzt werden. Darum haben wir Richtlinien für einen sanften Delfintourismus erstellt, einen sogenannten Code of Conduct. Dazu ­gehört, dass sich nicht mehr als zwei Boote gleichzeitig den Tieren nähern dürfen, oder dass die Touristen informiert werden, die Delfine nicht anzu­fassen. Die Anbieter sollten «Dolphin Watching» und nicht «Dolphin Swimming» bewerben. Das Problem ist, dass sie heute ihren Gästen garantieren, ­Delfine anzutreffen.

Sie haben einen schweren Stand?
Das ist so. Mein Team und ich haben vor Ort versucht, die Bevölkerung und die Tourenanbieter vom Delfinschutz zu überzeugen, und dazu bestimmt 200 Workshops geleitet. Dabei merkte ich, dass oft die Empathie gegenüber Tieren fehlt. Langfristig wird so aber auch der Tourismus leiden, nämlich dann, wenn keine Delfine mehr da sind.

Und wie gehen Sie jetzt vor?
Wir dehnen die Aufklärung auf Europa aus und die Delfinschutzprojekte auch auf andere Regionen weltweit. In Ägypten arbeiten wir mit den Behörden zusammen und versuchen, sie von den Vorteilen des Artenschutzes zu überzeugen. Wie gut das funktionieren kann, zeigt ein Delfinschutzprojekt in Marsa Alam südlich von Hurghada. Dort gibt es bereits ein Schutzgebiet für Spinner­delfine. Schnorchler dürfen bis zu einer Absperrung schwimmen, und die Delfine kommen dann – wenn sie möchten.

www.dolphinwatchalliance.org (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 28.01.2018, 17:55 Uhr

Angela Ziltener

Delfinforscherin und Tierschützerin

Artikel zum Thema

«Delfine können gegenüber Menschen rabiat werden»

Interview Angela Ziltener erforscht die Indopazifischen Grossen Tümmler im Roten Meer mit unzähligen Tauchgängen. Die Meeressäuger drängen Weibchen zur Paarung und heilen sich selbst. Mehr...

Ein Wort ärgert die Tierschützer

«Dank Familienanschluss» sollen Schweizer Kühe glücklich sein, wirbt Swissmilk. Was ist mit Familienanschluss gemeint? In diesem Streit fiel nun ein Entscheid. Mehr...

Wieso Zürich Tiere besser schützt

Tierschützer loben: Zürich habe eine Vorreiterrolle in der Schweiz – aus zwei Gründen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Nacktbaden: TeilnehmerInnen des Dark Mofo Sommersonnenwenden Nackschwimmens stürzen sich in den Fluss Derwent im australischen Hobart. (22.Juni 2018)
(Bild: Rob Blakers/EPA) Mehr...