Unter dem Yellowstone schlummert der Weltuntergang

Forscher entdeckten beim Kartieren des Yellowstone-Vulkans ein gigantisches Magmareservoir. Dessen Inhalt könnte eine Zerstörung anrichten, wie sie die Menschheit noch nicht gesehen hat.

Trügerische Idylle: Das unterirdische Magma erhitzt das Grundwasser. (23. April 2015)

Trügerische Idylle: Das unterirdische Magma erhitzt das Grundwasser. (23. April 2015) Bild: Reuters

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48 Kilometer unter der Erde des Yellowstone-Nationalparks befindet sich die Quelle eines Vulkans, dessen Eruption die Erde zerstören könnte. Gemäss einem Gutachten der Geological Society of London würde die vom Vulkan ausgespeite Säure und Asche monströse Wolken bilden, die das Klima auf der ganzen Welt drastisch abkühlen und die Ernteerträge auf einen bedrohlichen Stand reduzieren könnten.

Der letzte Ausbruch dieses Supervulkans liegt über eine halbe Million Jahre zurück. Damals stürzte der Boden ein und hinterliess einen Krater von der Grösse Korsikas – den Yellowstone-Nationalpark. Bisher wusste niemand genau, wie viel Magma unter den regenbogenfarbigen Heisswasserquellen des Nationalparks gespeichert wird.

Nun hat ein Forschungsteam um Hsin-Hua Huang aus Utah erstmals eine komplette Kartierung des unterirdischen Schachtsystems des Vulkans erstellt und die Studie im Fachmagazin «Science» veröffentlicht.

Mit Erdbebenwellen gemessen

Mithilfe von Erdbebenwellen – die ähnlich wie Röntgenstrahlen den Untergrund durchdringen – erstellten die Forscher ein akkurates Model des Vulkan-Innenlebens:

Mit Seismografen erstellt: 3-D-Modell des unterirdischen Vulkans. Video: Guardian (24. April 2015)

Fehlendes Teilchen

Die Forscher liefern damit das bisher fehlende Teilchen zum Verständnis der Funktionsweise des Riesenvulkans: Die Forscher entdeckten ein gigantisches Magmareservoir aus heissem Felsen, das unter einer flachen, bereits bekannten Magmakammer liegt.

Unterirdisches Schachtsystem: Die Kartierung zeigt das Innenleben des Vulkans. Bild: University of Utah / Hsin-Hua Huang

Magma aus dem Erdinnern strömt in einem in mehrere Etappen gestaffelten Aufstrom bis nur wenige Hundert Meter unter die Oberfläche hoch:

  • In 48 Kilometern (30 Meilen) Tiefe strömt aus einem bis tief in die Erde reichenden Schacht Magma durch den äusseren Erdmantel ins neu entdeckte Reservoir.
  • Der mehrere Kilometer breite Kopf des Reservoirs erhitzt das Gestein, durch dessen Spalten Magma vom unteren Reservoir in die obere Kammer dringt.
  • Das Magma der oberen Kammer wiederum erhitzt das Grundwasser, das in den Heisswasserquellen verdampft. Durch im Gestein enthaltene Säuren und Mineralien verfärbt sich das Wasser grünlich-gelb.
  • Das Beunruhigende daran: Das neu entdeckte Reservoir ist 4,5-mal so gross wie die darüber liegende Kammer und fasst genug Magma, um den gesamten Grand Canyon elfmal zu füllen.

Stabiles Schachtsystem, instabile tektonische Platten

Dieses unterirdische Schachtsystem existiere seit rund 17 Millionen Jahren und sei sehr stabil, erklärte Robert Smith, Co-Autor der Studie, dem «Guardian». Was allerdings in konstanter Bewegung bleibt, ist die darüber liegende tektonische Platte Nordamerikas, die sich jedes Jahr rund 2,5 Zentimeter bewegt. Und genau diese tektonische Verschiebung könnte den Vulkan eines Tages zu einem erneuten Ausbruch bringen.

«Wenn genügend flüssiges Magma in das Schachtsystem unter der präkambrischen Kruste fliesst, könnte das eine neue Reihe an gigantischen Explosionen und die Bildung eines neuen Kraters auslösen.»Robert Smith, Co-Autor

Die Erkenntnis verändere die Risiko-Einstufung des Nationalparks jedoch nicht fundamental, sagte Co-Autor Jamie Farrell gegenüber der «Washington Post».

Anzeichen an Oberfläche erkennbar

Denn die Auswertung der Erdbebendaten zeigt, dass nur zehn Prozent des Gesteins in flüssigem Zustand sind. Damit es zu einer Eruption kommen und der viskose Gesteinsbrei in Bewegung gesetzt werden kann, müssten jedoch rund 40 Prozent des Gesteins liquide sein. Dafür müsste sich der Untergrund erst grundlegend verändern. Der geologische Dienst der USA beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer grossen Eruption kommt, auch nur bei 1:700'000 pro Jahr.

Alarmierende Anzeichen wären dann auch im Voraus an der Oberfläche erkennbar: Der Boden würde sich wölben, es käme häufiger zu Erdbeben und Gas würde vermehrt aus den Gesteinsporen austreten. Würden die Warnzeichen allerdings eintreten, gäbe es keine Notfallpläne, mahnte die Geological Society of London in einem Gutachten.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.04.2015, 14:16 Uhr

Vom Erdboden verschluckt: Die Entstehung eines Yellowstone-Kraters. Bild: U.S. Geological Survey (29. März 2006)

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