Was ist der mysteriöse Planet Nummer 9?

Astronomen glauben, dass es weit jenseits des Neptuns einen noch unbekannten Planeten gibt. Das Problem: Gesehen hat ihn noch niemand.

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Die Vermutung amerikanischer Astronomen, wonach es in den Aussenbezirken unseres Sonnensystems einen bislang unentdeckten Planeten gibt, stösst in der Fachwelt auf starke Resonanz. Es könne sein, dass man diesen Himmelskörper übersehen habe, «aber die Tatsache, dass er noch nicht mit Teleskopen gesehen wurde, macht mich ein wenig skeptisch», erklärte Ellen Stofan, die Chefwissenschaftlerin der Nasa im britischen Fernsehen. Auch Harald Krüger vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung ist «nur zu 50 Prozent überzeugt».

(Video: Youtube/caltech)

Die Astronomen Konstantin Batygin und Mike Brown vom California Institute of Technology (Caltech) in Pasadena hatten letzten Donnerstag im «Astronomical Journal» Berechnungen veröffentlicht, die zum Schluss kommen, dass es weit jenseits des Neptuns einen weiteren Planeten mit etwa der zehnfachen Masse der Erde geben müsste.

Mysteriöses Himmelsobjekt

Das mysteriöse Himmelsobjekt kreist demnach auf einer elliptischen Bahn um die Sonne und braucht für einen Umlauf zwischen 10'000 und 20'000 Jahre. Die Existenz dieses mit Teleskopen noch nicht gesichteten Planeten könnte nach Ansicht von Brown und Batygin erklären, warum sich eine Handvoll kleinerer Himmelskörper in den Randbereichen des Sonnensystems, im sogenannten Kuipergürtel, auf merkwürdig einseitig ausgerichteten Bahnen bewegt.

Diese erst in jüngerer Zeit entdeckten Himmelskörper, darunter Plutos kleine Schwester Sedna, bewegen sich auf stark exzentrischen Bahnen, die seltsamerweise von der Sonne aus gesehen alle in eine ähnliche Richtung schwingen. Diese statistische Häufung ähnlicher Bahngeometrien könnte durch eine gegenläufige Masse erklärbar sein, stellten die Forscher mit Computersimulationen fest. «Planet 9», wie ihn die Caltech-Astronomen nennen, wäre dann das die Unwucht ausgleichende Moment.

Sollte es diesen Himmelskörper geben, wäre er ohne Zweifel als Planet zu klassifizieren. «Es gab nur zwei echte Planetenentdeckungen seit der Antike, das wäre der dritte. Es wäre ein bedeutender Teil des Sonnensystems, der noch auf seine Entdeckung wartet», sagt Brown. Der Astronom ist kein Unbekannter. Er war bereits an den Entdeckungen von Zwergplaneten wie Eris und Sedna beteiligt, die dazu führten, dass die Fachgremien im Jahr 2006 Pluto ebenfalls zum Zwergplaneten degradierten. Mike Browns Twitter-Name lautet @plutokiller.

Die Fachwelt zweifelt

Doch die Fachwelt ist noch nicht überzeugt. «Die Kollegen haben ihre Berechnungen auf der Basis von sechs Himmelskörpern angestellt, deren Bahnen sich auffallend ähneln. Womöglich gibt es aber noch weitere unentdeckte Zwergplaneten, sodass diese Bahnübereinstimmungen nur Zufall sind und es keinen Planeten als himmelsmechanische Ursache braucht», warnt Max-Planck-Forscher Krüger. Die Bahn von Planet 9 würde weit hinter den Kuipergürtel reichen. Diese Grenzzone hinter Neptun, 30- bis 50-mal so weit von der Sonne entfernt wie die Erde, galt bislang als Limit des sichtbaren Planetensystems. Dahinter ist es so finster, dass Teleskope kaum noch etwas detektieren können.

«Es ist bislang ein völliges Niemandsland», sagt der Planetenforscher Ekkehard Kührt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). «Jetzt zeichnet sich dort eine neue Struktur ab.» Erst wenige Objekte haben Forscher in der Dunkelheit mit Teleskopen erspäht: vor zwölf Jahren den Zwergplaneten Sedna, 2014 das Objekt «2012 VP113». Seine Entdeckung brachte die Forscher des Caltech schliesslich auf die Spur des möglichen neunten Planeten.

Wie ein so grosser Himmelskörper überhaupt in eine derart weite Entfernung von der Sonne gelangen konnte, ist bislang unklar. «Sicher ist der Planet nicht an seiner jetzigen Umlaufbahn entstanden, sondern erst dorthin befördert worden», sagt Kührt. So vermuten Himmelsforscher, dass sich die frühen Planeten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun innerhalb vieler Millionen Jahre nach ihrer Entstehung umsortiert haben. Laut dieser Theorie zogen die Himmelskörper mit ihren Anziehungskräften so lange aneinander, bis alle eine stabile Bahn erreichten. Planet 9 hätte in diesem Planetenbillard Pech gehabt – er wäre von den Kräften der Konkurrenten nach aussen geschleudert worden.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.01.2016, 23:23 Uhr

So könnte er aussehen: Planet Nummer 9; unten rechts die Sonne. Illustration: Nasa

Unser Sonnensystem

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Planeten gehören zu unserem Sonnensystem. Einst galt Pluto als neunter Planet, er wurde jedoch 2006 zum Zwergplaneten degradiert. Die vier nächsten Planeten zur Sonne – inklusive der Erde – sind Himmelskörper mit einer Gesteinsoberfläche, Jupiter und Saturn sind Gasgiganten, Uranus und Neptun bestehen aus Eis. Fünf Himmelskörper werden als Zwergplaneten bezeichnet.

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Kometen und 670'452 Asteroiden gibt es laut Nasa in unserem Sonnensystem. Dessen Masse trägt zu 99,8 Prozent die Sonne, der Rest ist auf die Planeten verteilt.

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