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Hier läuft ein Gletschersee aus

Naturschauspiel in den Berner Alpen: Der Favergesee auf dem Plaine-Morte-Gletscher ist komplett ausgelaufen. Eineinhalb Millionen Kubikmeter Wasser flossen ab.

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Der Faverge-Gletschersee auf der Plaine Morte ist vergangene Woche ausgelaufen. Das Wasser rauschte auf Berner Seite durch die Simme ab. Nennenswerte Schäden gab es dabei nicht. Die Abflussspitzen blieben unter dem kritischen Wert von 25 Kubikmetern Wasser pro Sekunde, wie aus den vom Kanton Bern regelmässig veröffentlichten Pegelständen der Seen und Flüsse hervorgeht.

Dennoch sind Schnappschüsse der hochgehenden Simme eindrücklich. Im «Berner Oberländer» (siehe Bildstrecke) sind Fotos von Wasserbauingenieur Nils Hählen veröffentlicht, welche die braunen, wilden Wasser etwa im Gebiet der Simmenfälle an der Lenk dokumentieren.

Markierfarbe auf dem Gletscher

Der Favergesee ist einer von drei grösseren Gletscherseen auf dem Plateaugletscher der Plaine Morte. Hydrologen und Glaziologen untersuchten in den letzten Jahren das Abflusssystem des Gletscherwassers.

Die Forscher brachten auf dem Gletscher Markierfarbe aus und massen dann an verschiedenen Stellen, wann wie viel des gefärbten Wassers durchfloss. Diese Messungen zeigten, dass das Gletscherwasser zur Hauptsache Richtung Berner Oberland abfliesst. Ein anderer Teil verschwindet im Karstsystem Richtung Wallis.

Ein erster grösserer Ausbruch eines Gletschersees auf der Plaine Morte ereignete sich 2011. Die Simme führte Hochwasser und trat an verschiedenen Stellen über die Ufer. Die Behörden veranlassten daraufhin die Überwachung der drei grösseren Seen.

Tauende Böden

Der Klimawandel hat sich in den vergangenen Jahren vielerorts in den Alpen bemerkbar gemacht. Die Böden im Hochgebirge tauen stärker auf, und die Gletscher schmelzen. Als Folge der Gletscherschmelze können sich Gletscherseen bilden.

Im Berner Oberland kam es in den letzten Jahren verschiedentlich zur Bildung von Gletscherseen. Im Sommer 2011 etwa musste in Grindelwald ein Campingplatz evakuiert werden, weil aus dem Oberen Grindelwaldgletscher plötzlich viel Wasser abfloss.

Bei dem nur wenige Kilometer entfernten Unteren Grindelwaldgletscher wurde gar für 15 Millionen Franken ein Stollen gebaut, damit der dortige Gletschersee keine Schäden verursachen kann. Schon vor Jahren bildete sich vor dem Triftgletscher oberhalb von Gadmen ein grösserer See.

Fast so gross wie die Häuschen

Die Klimaerwärmung dürfte aber auch Phänomene wie Erdrutsche und Murgänge begünstigen. Im Kanton Bern ist davon etwa die Region von Guttannen betroffen. Dort ist es vor allem der Spreitlauigraben, der der Bevölkerung Sorgen macht.

Innert weniger Jahre ist aus dem kleinen Gräblein ein wahres Geschiebeförderband geworden. Mehrere Hunderttausend Kubikmeter haben sich in den letzten Jahren durch den Graben zu Tal gewälzt, darunter auch Felsbrocken, die fast so gross wie die sonnengebräunten Häuschen des nahen Weilers Boden sind.

Dort könnten in Zukunft etwa zehn Häuser zunehmend durch die Murgänge bedroht werden. Die Betroffenen machen sich Gedanken über eine Umsiedlung. Ein erstes Haus wurde bereits aufgegeben. Der Kanton Bern ist zusammen mit dem Bund daran, bis Ende 2014 eine Studie zu den Folgen des Klimawandels für das gesamte Berner Oberland zu erarbeiten. (bru/sda)

Erstellt: 06.08.2013, 07:33 Uhr

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