Weshalb die Menschheit bald aussterben dürfte

Unsere Spezies hat gemäss einer Prognose bereits 99 Prozent ihrer Zeit hinter sich. Was Nazi-Panzer damit zu tun haben.

Gemäss dem Doomsday-Argument gibt es die Menschheit nicht mehr allzu lange: Ein Menschenskelett, gefunden in Lambayeque, Peru. Foto: Reuters

Gemäss dem Doomsday-Argument gibt es die Menschheit nicht mehr allzu lange: Ein Menschenskelett, gefunden in Lambayeque, Peru. Foto: Reuters

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Halten wir uns an die Wahrscheinlichkeitsrechnung, wird unsere Spezies höchstwahrscheinlich schon bald aussterben. Diese auch als Doomsday-Argument (Weltuntergangsargument) bekannte Prognose nahm ihren Anfang, als die Alliierten im Zweiten Weltkrieg herausfinden wollten, wie viele Panzer die Deutschen monatlich herstellten – basierend nur auf den Seriennummern, die sich auf den Rädern einiger erbeuteter Panzer fanden. Ihre statistischen Berechnungen erwiesen sich als ziemlich zutreffend. Die Logik dahinter erkläre ich am besten mit einer Analogie:

Stellen Sie sich vor, Sie haben ein nummeriertes Kunstwerk einer limitierten Auflage, wissen jedoch nicht, wie viele Abzüge insgesamt gemacht wurden. Sagen wir, Ihr Kunstwerk hat die Seriennummer 42. Wie viele Abzüge würden Sie vermuten? Alles, was Sie wissen, ist die Nummer auf Ihrem Kunstwerk und die Tatsache, dass Sie irgendeinen Abzug aus der gesamten Serie erhalten haben könnten.

Sie würden wahrscheinlich vermuten, dass die Gesamtzahl der Abzüge im zwei- oder höchstens dreistelligen Bereich liegt. Wenn es eine Million Abzüge gäbe, würden Sie es für unwahrscheinlich halten, dass Sie eine derart niedrige Nummer haben, und Sie lägen richtig. Gemäss der Wahrscheinlichkeitstheorie liegt Ihr Abzug höchstwahrscheinlich irgendwo in der Mitte der Serie.

Betrachten Sie nun Ihren Platz in der Reihenfolge aller Menschen, die jemals geboren wurden, und stellen Sie sich die Frage, wie viele Menschen jemals existieren werden. Alles, was Sie kennen, ist Ihre Seriennummer – die Anzahl der Menschen, die vor Ihnen geboren wurden, und das sind etwa 100 Milliarden. Das würde bedeuten, dass es mehr als zehnmal so viele Geister gibt wie lebende Menschen – oder dass es im Himmel schon ziemlich voll ist.

Mir scheint die Prognose, dass es uns noch ein paar Jahrhunderte geben wird, sogar ziemlich optimistisch.

Das Doomsday-Argument besagt, dass Sie am wahrscheinlichsten irgendwo im Mittelfeld aller Menschen liegen, die jemals leben werden. Sollte unsere Spezies noch eine Million Jahre existieren und die Gesamtzahl der je geborenen Menschen Hunderte von Billionen erreichen, würden wir zu den seltenen Pionieren der Menschheitsgeschichte gehören.

Ihre blosse Existenz besagt also, dass die Gesamtzahl der Menschen, die jemals leben werden, wahrscheinlich nicht allzu viel grösser sein wird als Ihre Seriennummer. Und da die Weltbevölkerung immer noch langsam zunimmt, würde die Menschheit gemäss dieser Prognose innert weniger Jahrhunderte aussterben. Das heisst, unsere Spezies hat bereits über 99 Prozent ihrer Zeit auf diesem Planeten hinter sich.

Warum rede ich darüber? Das ist eine gute Frage, und ich habe mich die ganze Nacht im Bett gewälzt, um einen Fehler in dieser Logik zu finden. Angesichts der jüngsten, sehr ernsten Warnungen der Klimawissenschaftler scheint mir die Prognose, dass es uns noch ein paar Jahrhunderte geben wird, sogar ziemlich optimistisch. Aber ich bin eigentlich auf diese Theorie gestossen, weil ich mir die Frage stellte, welche Spezies am ehesten unseren Platz als selbsterklärte Herrscher unseres Planeten einnehmen könnten, wenn es uns Menschen einmal nicht mehr geben wird.

Diese Frage muss nun aber bis zu meiner nächsten Kolumne warten.

Ben Moore ist Professor für Astrophysik an der Universität Zürich. (Das Magazin)

Erstellt: 19.11.2018, 16:25 Uhr

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