«Wetterpropheten mit Ironie»

Kuratorin Pia Schubiger stellt in einer neuen Ausstellung des Nationalmuseums in Schwyz die Muotathaler «Wetterschmöcker» den Meteorologen gegenüber.

Abendrot, Schönwetterbot. Morgenrot, schlecht Wetter droht: Kuratorin Pia Schubiger ist mit Bauernregeln aufgewachsen. Foto: PD

Abendrot, Schönwetterbot. Morgenrot, schlecht Wetter droht: Kuratorin Pia Schubiger ist mit Bauernregeln aufgewachsen. Foto: PD

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Welche Idee steckt hinter der ­Wetterausstellung im ­Schweizerischen Nationalmuseum?
Es geht nicht in erster Linie um Natur­wissenschaften, viel mehr um das Erlebnis Wetter und die Geschichten dazu. Etwa aus wertvollen Wettertagebüchern.

Wie soll der Besucher im Museum Sturm und Blitzschlag erleben?
Das war eine Herausforderung. Richtig regnen lassen konnten wir es im Haus nicht. Wir müssen uns audiovisuell behelfen. Wir zeigen einen eindrücklichen und dramatischen Film über die Wetterphänomene, den die Besucher aber auf einer langen Landibank ansehen können, wo man die Beine baumeln lässt und sich wie draussen fühlen soll . . .

. . . und eine dramatische Stimmung aufkommt?
Wie das oft im Schwyzer Talkessel der Fall ist. Hier findet man ein unberechenbares Wetter, erst ist es grau, und plötzlich wird der Himmel durch den Föhn übertrieben blau.

Wie wichtig ist für Sie die tägliche Wetterprognose?
Ich lass mich gerne überraschen. Wetterprognosen sind vor allem wichtig, wenn ich mit dem Velo unterwegs bin oder wissen will, was ich anziehen soll.

Haben Sie Wutausbrüche, wenn die Prognose nicht stimmt?
Überhaupt nicht. Ich habe grössten Respekt vor den Meteorologen und ihrer täglichen Arbeit. Es ist Knochenarbeit, in der Fülle der Daten die richtige Prognose herauszulesen. Und es ist spannend, stets ein Feedback zu erhalten, ob man richtig gelegen ist.

An der Ausstellung treten ­Meteorologen und Muotathaler «Wetterschmöcker» gemeinsam auf. Suchen Sie die Konfrontation?
Es ist eher eine Gegenüberstellung: Hier die Vorhersage der Wetterpropheten, die auf der urtümlichen Beobachtung der Natur fusst. Und da die Prognose der Meteorologen, die mittels modernster Technologie zustande kommt. Wobei die Wetterpropheten ihre Prophezeiungen mit einer tüchtigen Prise Humor und Ironie zum Besten geben. Und das hat unterhaltenden Wert.

Was halten Sie von Bauernregeln?
Ich bin im Luzerner Seetal aufgewachsen, habe aber Wurzeln im Wallis. Ich war oft in den Ferien bei Tanten von mir, die Bäuerinnen waren. Viele Bauern­regeln wurden innerhalb der Familien weitergereicht. Da habe ich verschiedene mitbekommen, sie jedoch später vergessen. Durch die Arbeit für die Ausstellung sind sie mir wieder begegnet.

Welche Regel kannten sie noch?
Abendrot, Schönwetterbot. Morgenrot, schlecht Wetter droht.

Und erfahre ich an der Ausstellung, ob das stimmt?
Bestimmt. Am Schluss des Rundgangs können Sie mit einem Wetterquiz Ihr ­Wissen prüfen. Wir entlassen Besucher nicht ohne Antworten aus dem Museum.

Das Wetter. Sonne, Blitz und Wolkenbruch. Ausstellung im Schweizerischen National­museum in Schwyz. Vernissage heute Samstag, den 9. Mai. Bis 11. Oktober (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.05.2015, 21:47 Uhr

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