«Wir fühlen uns als Mitpreisträger»

Die Forscher am Cern haben das Higgs-Teilchen nachgewiesen, sind nun aber bei der Nobelpreisvergabe leer ausgegangen. Cern-Direktor Rolf-Dieter Heuer erläutert, wieso er sich trotzdem freut.

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Cern-Forschern ist es 2012 gelungen, die Theorie von Peter Higgs und François Englert aus dem Jahr 1964 nachzuweisen. Nun wurden Higgs und Englert mit dem Nobelpreis ausgezeichnet, das Cern aber nicht. Enttäuscht?
Überhaupt nicht. Wir freuen uns für die Beiden und fühlen uns alle als Mitpreisträger. Natürlich ist es so, dass wir mit unserem experimentellen Nachweis ihrer Theorie die Basis gelegt haben, dass sie den Preis bekommen. Theoretische und experimentelle Physik sind ganz nah beieinander.

Haben Sie mit Higgs und Englert schon gesprochen?
Mit beiden nicht. Mit Higgs wird das sowieso nicht möglich sein. Er hat sich heute zurückgezogen. Aber ich gehe fest davon aus, dass er weiss, dass er den Nobelpreis bekommen hat (lacht). Mit Englert werde ich später reden. Er hat ja auch schon Interviews gegeben.

Was bedeutet der Preis für das Cern?
Ich finde enorm wichtig, dass das Nobelkomitee auch sehr schwer verständliche Grundlagenforschung auszeichnet. Der Nachweis des Higgs-Bosons hat die Leute auf der ganzen Welt fasziniert. Ich hoffe, der Nobelpreis hilft, dass unsere Mitgliedstaaten im Bestreben uns zu unterstützen, nicht nachlassen.

Hätte auch das Cern als Institution ausgezeichnet werden können?
Das weiss ich nicht einmal. Ich habe mir diese Frage gar nie gestellt, also auch das Testament von Alfred Nobel nicht gelesen. Noch einmal: Wir sind vielleicht nicht explizit, aber implizit auch Preisträger.

Warum wurden Higgs und Englert nicht schon 2012 ausgezeichnet?
Der Nachweis gelang uns am 4. Juli 2012. Die Zeit bis zum Entscheid, an wen der Nobelpreis für Physik geht, war zu kurz. Wir waren noch bis im März dieses Jahres mit der Definition der Entdeckung beschäftigt.

Und forschen weiter daran.
Wir wissen erst 5 Prozent von dem, was wir wissen wollen. Wir müssen beispielsweise erfahren, ob es sich beim Higgs-Boson um das im Standardmodell der Teilchenphysik vorhergesagte Teilchen handelt handelt oder ob es Abweichungen gibt. 2015 nehmen wir den Teilchenbeschleuniger mit der doppelten Energie in Betrieb. Wir hoffen, dass wir schon 2016, vielleicht auch 2017 mehr Hinweise auf die dunkle Energie haben, nach der wir suchen.

Erstellt: 08.10.2013, 18:17 Uhr

Rolf-Dieter Heuer ist Experimentalphysiker. Seit 2009 ist der 55jährige Deutsche Generaldirektor der Europäischen Organisation für Kernforschung (Cern). (Bild: Keystone Salvatore Di Nolfi)

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