Wo sich das Klima am stärksten verändert

Eine kürzere Skisaison, 90 Prozent weniger Gletscher und mehr Wein aus dem Mittelland: Ein Bericht zeigt, welchen Einfluss der Klimawandel auf verschiedene Regionen der Schweiz haben könnte.

Neue Traubensorten könnten gedeihen: Rebberge bei Lavaux im Kanton Waadt. (Archivbild)

Neue Traubensorten könnten gedeihen: Rebberge bei Lavaux im Kanton Waadt. (Archivbild) Bild: Keystone

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Es wird heiss in der Schweiz: Mehr Tropennächte, weniger Schnee und eine längere Vegetationsphase sagt ein neuer Bericht zu den Folgen des Klimawandels voraus. Besonders stark wird gemäss den Forschern zufolge die Südschweiz betroffen sein.

Neben den Touristikern freut die Wärme die Borkenkäfer und Apfelwickler: Sie könnten gemäss der Hochrechnungen eine zusätzliche Generation von Nachkommen pro Jahr produzieren. Am Bericht «CH2014-Impacts», der am Freitag vorgestellt wurde, haben unter Leitung des Oeschger-Zentrums für Klimaforschung der Universität Bern 20 Forschungsgruppen zusammengearbeitet.

Die Forscher haben errechnet, wie der Klimawandel verschiedene Themenbereiche betreffen wird: Eis und Schnee, Wasser, Artenvielfalt, Wald, Landwirtschaft, Energie und Gesundheit. Dazu haben sie erstmals einen einheitlichen Satz von Szenarien für künftige Temperaturen und Niederschläge in der Schweiz verwendet, wie das Oeschger-Zentrum mitteilt.

Die Menschen müssen öfters ins Spital

Werden keine radikalen Massnahmen gegen die Klimaveränderung ergriffen, wird das Mittelland Ende des 21. Jahrhunderts nur selten für mehrere Tage schneebedeckt sein, heisst es im Bericht. Die Skisaison wird kürzer. 90 Prozent der Schweizer Gletscher verschwinden. Das Grundwasser erwärmt sich, was der Trinkwasserqualität schaden könnte.

Die Hoffnung, dank der Erwärmung an Heizkosten zu sparen, zerschlägt der Bericht: Die Einsparungen würden durch den verstärkten Kühlbedarf aufgefressen. Dafür werden die Menschen wegen häufigerer Hitze- und Kälteextreme mehr Medikamente nehmen und öfter ins Spital gehen müssen.

Vögel und Pflanzen werden weiter in die Höhe wandern, die Vielfalt in tiefen Lagen abnehmen. In schon heute sehr trockenen Alpentälern wie dem Saastal im Wallis werden die Bäume weniger gut wachsen. Die Borkenkäfer werden sich dafür stärker vermehren. Darunter leidet die Schutzwirkung des Waldes gegen Lawinen und Steinschlag.

Die Kühe und der Wald leiden

Dafür werden an der Baumgrenze mehr Bäume gedeihen, was dort den Schutz und die Holzproduktion verbessert. Fichte und Buche, die heute im Mittelland am verbreitetsten Baumarten, werden hingegen im Tiefland nicht mehr überleben können.

Der Bericht zeigt grosse regionale Unterschiede bei den Klimafolgen auf. Im Tessin könnten Hitzephasen mit so genannten Tropennächten künftig bis zu zwei Monate dauern. Darunter leiden Menschen, Kühe und der Wald. Im Mittelland werden stärkere Schwankungen in den Abflussmengen der Flüsse zu häufigeren Überschwemmungen und Wasserknappheiten im Sommer führen. Die dortigen Winzer dürfen sich dafür über das Gedeihen weiterer Traubensorten freuen.

Massnahmen gegen Treibhausgase sind nötig

Die meisten günstigen Folgen des Klimawandels treten gemäss den Forschern nur bei mittleren Szenarien auf, bei denen etwas gegen den Treibhausgasausstoss getan wird. Solche Massnahmen seien auf jeden Fall nötig, schreiben sie. So oder so müsse sich die Schweiz künftig an den Klimawandel anpassen, etwa durch einen haushälterischen Umgang mit Wasser.

Die Forscher schränken ein, dass in den Bericht vorerst nur eine begrenzte Zahl von Studien einfloss und er somit noch nicht alle Folgen und Klimaszenarien abdeckt. Die Forscher wollen ihn aber ausbauen und der Politik zahlreiche möglichst präzise Klimafolgen-Szenarien als Entscheidungsgrundlage liefern.

Der Report wurde vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) und von MeteoSchweiz finanziell unterstützt. (fko/sda)

Erstellt: 14.03.2014, 17:58 Uhr

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