Ab 40 lauert der Tod

Extrembergsteigen wird mit zunehmendem Alter schwieriger. Diese fünf Alpinisten ereilte dasselbe Schicksal wie Ueli Steck.

Forderte die Natur auch noch mit 40 Jahren heraus: Ueli Steck auf der Lhotse-Flanke im Himalaja. (Foto: Ueli Steck)

Forderte die Natur auch noch mit 40 Jahren heraus: Ueli Steck auf der Lhotse-Flanke im Himalaja. (Foto: Ueli Steck)

Ueli Steck sagte einmal, er sei erschrocken, als er gemerkt habe, dass viele Alpinisten mit 40 bis 45 starben. Nun hat ihn das gleiche Schicksal ereilt: Der bekannteste Schweizer Bergsteiger stürzte am Sonntagmorgen bei einer vorbereitenden Erkundungstour in der Nähe des Mount Everest ab. Eine sechsköpfige Rettungsmannschaft konnte den 40-Jährigen nur noch tot bergen.

«Natürlich frage ich mich immer wieder, ob ich mich aus diesem Game nehmen muss», räumte Steck in seinem letzten Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet noch ein. Beim Bergsteigen könne man die abnehmende körperliche Fitness durch mehr Risiko lange ausgleichen. Doch die Entwicklung sei absehbar: «Irgendwann riskierst du so viel, dass es knallt.»

Das Risiko seines letzten Everest-Lhotse-Projekts schätzte Steck jedoch als «eher gering» ein. Trotzdem wurde es ihm zum Verhängnis. Wie schon etliche andere erfahrene Alpinisten vor ihm verunglückte er im Alter um den 40. Geburtstag.

Warum viele erfahrene Bergsteiger ab 40 Jahren verunglücken, darüber kann nur spekuliert werden. «Man muss erkennen, dass man ab einem gewissen Alter nicht mehr so geschickt ist und nicht mehr die gleiche Schnellkraft besitzt wie mit 25», sagte Alpinisten-Legende Reinhold Messner der Aargauer Zeitung. Leider sei mehr als die Hälfte der absoluten Spitzenbergsteiger bei der Ausübung ihrer Leidenschaft ums Leben gekommen.

Oswald Oelz, der Ueli Steck mehrfach bei seinen Extremleistungen begleitete, meinte im heutigen Interview mit Tagesanzeiger.ch/Newsnet, die geplante Everest-Lhotse-Überschreitung sei wegen Ueli Stecks Alter fällig gewesen. Dass einer der besten Bergsteiger der Welt ausgerechnet beim Training in einer eher einfachen Passage verunfalle, sei nicht ungewöhnlich. «Wenn es ernst gilt, ist man so angespannt, die Überlebenssysteme sind so scharf, dass man nicht abstürzt», erklärte Oelz. Viele grosse Bergsteiger seien ums Leben gekommen, als sie nicht voll konzentriert gewesen seien. Eine mögliche Ursache für Stecks Absturz sei aber auch Eis- oder Steinschlag.

Stephan Weinbruch, Bergsteiger und Professor an der Technischen Uni Darmstadt, kam 2014 in einer Studie im Fachmagazin Bergundsteigen zum Schluss: «Erfahrung hat im Höhenbergsteigen keinen Einfluss auf die Überlebenswahrscheinlichkeit.»

Erstellt: 02.05.2017, 17:15 Uhr

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