Vier Kantone erlassen Feuerverbote in Waldnähe

Folgen der anhaltenden Hitze: Chur verzichtet auf Feuerwerk am 1. August und in Basel warnen die Behörden wegen absterbender Bäume.

Die Churer Stadtbehörden appellieren an Private, auf offenes Feuer sowie Holzkohle-Grills zu verzichten: Ein Höhenfeuer brennt auf einer Anhöhe im Churer Rheintal. (Symbolbild)

Die Churer Stadtbehörden appellieren an Private, auf offenes Feuer sowie Holzkohle-Grills zu verzichten: Ein Höhenfeuer brennt auf einer Anhöhe im Churer Rheintal. (Symbolbild)

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Die Stadt Chur verzichtet am kommenden 1. August auf das traditionelle Feuerwerk. Der Grund ist die Gefahr von Bränden wegen der anhaltenden Trockenheit. Die Stadtbehörden teilten am Montag weiter mit, dass auf dem gesamten öffentlichen Stadtgebiet ab sofort ein absolutes Feuerverbot besteht. An Private wird appelliert, auf offenes Feuer sowie Holzkohle-Grills zu verzichten. Die angeordneten Massnahmen müssen bis auf Widerruf beachtet werden. In grossen Teilen Graubündens gilt derzeit ein Feuerwerks- und Feuerverbot im Wald und in Waldnähe. Die Gemeinden können dieses Verbot von sich aus erweitern.

Feuerverbote in Waldnähe wurden auch in den Kantonen Wallis und Tessin beschlossen. Im Kanton St. Gallen entscheidet der kantonale Führungsstab am Dienstag. Der Thurgauer Regierungsrat hat am Montag ein solches Feuerverbot erlassen – es gilt allerdings erst ab Freitag. Die aktuelle Übersicht des Bundesamts für Umwelt finden Sie auf waldbrandgefahr.ch.

Die Übersicht der aktuellen Waldbrandgefahr und der Massnahmen. (23. Juli 2018, Stand 16.40 Uhr) Bild: waldbrandgefahr.ch

Auf ein Feuerwerksverbot am 1. August hingegen verzichten die Thurgauer bis anhin. Auf das Kantonsgebiet seien am Wochenende nur einige wenige Regentropfen gefallen, teilte die Thurgauer Staatskanzlei am Montag mit. Die Situation sei damit nicht entschärft worden.

Die Oberböden in den Wäldern, aber auch die Wiesen und Äcker seien sehr trocken. Bäume zeigten Stresssymptome: Früchte würden abgeworfen, Blätter verfärbten sich. Es brauche ein vorübergehendes Verbot für das Entfachen von Feuern und für das Wegwerfen von brennenden Streichhölzern und Rauchwaren im Wald und in Waldnähe. Es gilt im Umkreis von 200 Metern um die Wälder.

Weiterhin in Kraft ist im Thurgau auch ein Wasserentnahmeverbot für Bäche und kleine Flüsse. Wegen der tiefen Wasserstände mussten bislang knapp 30 Kilometer Fliessgewässer abgefischt werden.

Basler Behörden warnen wegen absterbender Bäume

Zuvor hatten bereits die Behörden der Kantone Basel-Stadt und Basel-Land vor der Waldbrandgefahr gewarnt – und vor abbrechenden Ästen abgestorbener Bäume. Am deutlichsten seien die Trockenheitsschäden an Buchen zu erkennen, wie das Amt für Wald beider Basel am Montag mitteilte. Abgestorben sind einzelne Bäume an trockenen Standorten, aber auch ganze Baumgruppen. Betroffen in geringerem Ausmass seien zudem weitere Baumarten wie Bergahorn, Eiche oder Weisstanne.

Die absterbenden Bäume stellen gemäss den Basler Behörden ein zusätzliches Risiko im Zusammenhang mit der aktuellen Waldbrandgefahr dar. Gleichzeitig gehe von dürren, aber auch grünen abbrechenden Ästen eine Gefahr für Waldbesucherinnen und Waldbesucher aus.

Riehen hat aufgrund von Ast- und Kronenabbrüchen bei Bäumen diverse Rastplätze im Wald vorübergehen gesperrt. Im Bild: Die Langen Erlen zwischen Basel und Riehen. (Bild: Nicole Pont)

Das Amt für Wald beider Basel ruft die Bevölkerung daher zu Zurückhaltung und Vorsicht bei Waldbesuchen auf. Von der Trockenheit besonders betroffen sind Waldgebiete mit Kuppenlagen sowie südexponierte oder besonders flachgründige Waldpartien.

Die Gemeinde Riehen BS hat aufgrund von Ast- und Kronenabbrüchen bei Bäumen diverse Rastplätze im Wald sowie die Finnenbahn vorübergehen gesperrt, wie der Website der Gemeinde zu entnehmen ist. Das Begehen des Waldes geschehe auf eigene Gefahr.

In den Buchenbeständen sind im Herbst gemäss Amt für Wald Massnahmen notwendig. Teilweise müssten Ersatzbäume gepflanzt werden. Zurückgegriffen werde dabei auch auf Baumsorten, die wärmeliebender und trockenheitstoleranter sind. Dazu zählen etwa Elsbeere, Speierling, Nussbaum oder der schneeballblättrige Ahorn.

Ein Hinweis auf die Auswirkungen des Klimawandels

Dass Bäume bei Trockenheit in diesem Ausmass direkt absterben, sei aussergewöhnlich. Eine solch hohe Zahl absterbender Buchen wie in diesem Sommer ist gemäss Amtsleiter Ueli Meier in den vergangenen zwei Jahrzehnten nicht festgestellt worden. Bäume würden bei Trockenheit normalerweise mit einem vorzeitigen Blattfall den Wasserbedarf reduzieren. Im Folgejahr würden sie jedoch wieder austreiben.

Abgestorben seien vor allem ältere Bäume. Die genauen Gründe dafür sind noch unklar. Gemäss Meier ist 2018 bislang kein aussergewöhnlich trockenes Jahr. Eventuell sei das Absterben der Bäume eine Spätfolge des Sturms Burglind von Anfang Januar.

Der schlechte Zustand der Buchen ist gemäss Amt für Wald indes auch ein Hinweis auf die Auswirkungen des Klimawandels. Mehr Sommerwärme und weniger Sommerniederschläge würden vor allem der Buche und der Fichte zu schaffen machen.

Pegelstand des Bodensees beeinträchtigt Schiffsverkehr

Die hohen Temperaturen sowie geringen Niederschläge haben auch Auswirkungen auf den Wasserspiegel des Bodensees: Am deutschen Ufer werden einzelne Landestellen von den Bodensee-Schiffsbetrieben nicht mehr angefahren. An anderen muss mit Verzögerungen beim Ein- und Ausstieg gerechnet werden.

Wegen anhaltend hoher Temperaturen sei der Pegel des Bodensees derzeit auf einem niedrigen Stand, teilten die Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) am Montag mit. Dies habe Auswirkungen auf die Personenschifffahrt.

Ab kommenden Mittwoch könne die Landestelle Bad Schachen nicht mehr bedient werden. Der Festspiel-Shuttle verkehre aber weiterhin. An den Haltestellen der Kursschiffe auf der Insel Mainau müsse mit Verzögerungen beim Ein- und Ausstieg gerechnet werden, da die Schiffe nur noch stirnseitig anlegen könnten. Am Untersee werden an den Stationen Iznang, Reichenau und Mannenbach vorläufig keine Rollstühle mehr an Bord genommen. Die Situation werde weiter beobachtet, heisst es in der Meldung.

(amu/sep/sda)

Erstellt: 23.07.2018, 17:28 Uhr

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