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Afrikas Löwen bald vom Aussterben bedroht

Die Zahl der Löwen in Afrika ist rapide zurückgegangen. Sie werden gezüchtet, um Touristen anzulocken – danach werden sie zum Abschuss freigegeben. Die Könige der Tiere könnten bald als gefährdete Art gelten.

Um die Fütterung zu begutachten müssen Touristen 6.80 Euro zahlen: Ein afrikanischer Löwe in einem Gehege in Afrika.
Um die Fütterung zu begutachten müssen Touristen 6.80 Euro zahlen: Ein afrikanischer Löwe in einem Gehege in Afrika.
Keystone

Afrikanische Löwen symbolisieren Kraft und Stolz, nicht umsonst gelten sie als Könige der Tierwelt. Doch in Südafrika lebt mehr als die Hälfte der grossen Raubtiere inzwischen in Gefangenschaft. Statt durch die endlosen Savannen des Landes zu streifen, werden sie auf riesigen Koppeln mit Elektrozaun gehalten, gezüchtet für zahlungskräftige Trophäenjäger.

«Das Prinzip, Wildtiere für wirtschaftliche Nutzung zu züchten, entspricht internationaler Norm», sagt Pieter Potgieter, Vorsitzender des Verbandes Südafrikanischer Raubtierzüchter. «Es findet überall auf der Welt statt.» Das Problem sei nur, «dass die Menschen das Bild vom Löwen als König der Tiere im Kopf haben. Im Prinzip ist ein Löwe aber nicht mehr oder weniger als jede andere Tierart.»

Für 25 Euro spielen und Fläschchen geben

Züchter ziehen die Wildkatzen in Gehegen auf und vermieten sie dann an Zoos oder Wildfarmen. Dort fristen die Tiere ihr Dasein oft in Käfigen, um Touristen anzulocken. Haben sie ein bestimmtes Alter erreicht, werden sie für Trophäenjäger ausgesetzt. Mehr als 5000 Löwen sollen derzeit in Koppelhaltung leben - in freier Wildbahn sind es nur rund 3000.

In den sanften Hügeln der Savanne im Zentrum des Landes liegt die Bona Bona Game Lodge nahe Wolmaransstad. Neun behäbige Löwen und drei Bengalische Tiger sind in grossen Käfigen untergebracht. Für die Fütterung der Löwen am Sonntagmorgen zahlen Besucher umgerechnet 6,80 Euro Eintritt. In den meisten Zoos kostet es um die 25 Euro, mit einem Löwenjungen zu spielen oder ein Fläschchen zu geben.

An Öko-Parks vermietet

«Die Jungtiere werden von kommerziellen Löwenzüchtern an Öko-Tourismus-Parks vermietet, damit Touristen sie streicheln können. Ihnen wird versichert, dass solche Löwenjungen später freigelassen werden», sagt Tierschützer Chris Mercer von der Kampagne gegen die Jagd in Gehegen. «Die Touristen sollten wissen, dass diese Jungtiere nicht in die freie Wildbahn ausgesiedelt werden. Stattdessen kehren sie zum Züchter zurück als halbzahme Ziele für die lukrative Industrie der Gehegejagd.»

Paul Hart vom Drakenstein Lion Park in der Kapregion im Süden erzählt: «Jungtiere werden nach der Geburt von ihren Müttern getrennt, damit sie als Spielzeug herhalten können und um das grausame Zuchttempo zu steigern. Ganz zu schweigen von den Methoden, die angewandt werden, um sie für Touristen gefügig zu machen.»

Rund zehn Prozent der in Südafrika gezüchteten Löwen werden jedes Jahr von Amateurjägern erlegt. Umgerechnet knapp 15.600 Euro kostet es, ein männliches Tier zu jagen. Eine Löwin ist für 3000 Euro zu haben.

Liste der gefährdeten Tiere

In der Nordwest-Provinz mit den meisten Löwen-Züchtern werden die Tiere oft hungrig ausgesetzt, gerade vier Tage vor der Jagd. Da sie mit dem Gelände nicht vertraut sind, ist es unwahrscheinlich, dass sie ihren Verfolgern entkommen. Doch Farmer rechtfertigen die Praxis. «Ob man eine Kuh, ein Schaf oder Schwein tötet oder einen Löwen, das ist alles das Gleiche - es ist ein Tier!», sagt Potgieter.

Nach einer aktuellen Studie der Duke University im US-Bundesstaat North Carolina sank die afrikanische Löwenpopulation in den vergangenen 50 Jahren von fast 100.000 auf 35.000. Die zuständige US-Behörde überlegt nun, afrikanische Löwen als gefährdete Art zu listen. Dann könnten US-Jäger keine Löwen-Trophäen mehr nach Hause bringen.

AFP/wid

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