Alles Leben auf der Erde – in einer verblüffenden Grafik

Der Mensch macht nur einen Bruchteil der gesamten Biomasse des Planeten aus. Umso unverhältnismässiger ist sein Einfluss.

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Welchen Einfluss hat die Menschheit auf die Entwicklung der Erde? Diese Frage erhitzt im Sog der aktuellen Klimadebatte die Gemüter. Denn wir Menschen dominieren den Planeten, und dies, obwohl wir nur einen Bruchteil seiner gesamten Biomasse stellen. Gemessen am Kohlenstoff – dem Element, aus dem alles lebende Gewebe aufgebaut ist –, wiegt das gesamte tierische, pflanzliche und sonstige Leben auf der Erde gigantische 550 Gigatonnen (550 Milliarden Tonnen). Unsere Körper machen gerade einmal 0,06 Gigatonnen davon aus.

Zu diesem Schluss ist eine bahnbrechende Studie gekommen, die vor knapp einem Jahr im renommierten Journal der amerikanischen Wissenschaftsakademie veröffentlicht wurde und nichts von ihrer Aktualität eingebüsst hat. Die verantwortlichen Biologen schätzten erstmals das Gewicht aller Lebewesen auf der Erde beziehungsweise deren Kohlenstoffanteil, damit variable Bestandteile wie der Wassergehalt der Organismen das Ergebnis nicht verzerren. Das Resultat zeigt, wie unglaublich klein die Menschheit eigentlich ist.

Menschen so schwer wie alle Termiten

Den mit Abstand grössten Teil machen Pflanzen aus, die 82 Prozent des in Lebewesen vorhandenen Kohlenstoffs auf sich vereinigen. Mit 450 Gigatonnen sind sie 7500-mal schwerer als wir. Auch Bakterien übertreffen uns Menschen mit 70 Gigatonnen um ein Vielfaches und kommen auf einen Anteil von 13 Prozent. Sämtliche anderen Lebewesen – Pilze, Archaeen (Urbakterien), Protisten (einzellige Eukaryoten) und Tiere (inklusive Homo sapiens) – machen den winzigen Rest aus.

Der Anteil der mehr als 7,6 Milliarden Menschen auf der Erde ist mit 0,01 Prozent verschwindend klein. Auch innerhalb der Gattung der Tiere spielen wir eine untergeordnete Rolle. Mit 0,06 Gigatonnen sind wir gleich schwer wie alle Termiten an Land oder aller Krill (eine Art der Krebstiere) im Ozean. Weichtiere, Würmer, Fische und Gliederfüssler (Insekten, Spinnen etc.) bringen deutlich mehr auf die Waage. Und sogar Nutztiere wie Kühe und Hühner wiegen insgesamt zehnmal mehr als die Menschen.

Wenig Masse, gewaltige Wirkung

Daran sind wir aber selbst schuld. Durch die Domestizierung, die allmähliche Umwandlung von Wildtieren in Haustiere und von wild wachsenden Pflanzen in Kulturpflanzen, haben die Menschen erheblichen Einfluss auf den Planeten genommen.

Heute machen Menschen und Nutztiere zusammen 96 Prozent der Säugetiere an Land aus. Nur noch 4 Prozent sind wilde Säugetiere wie Elefanten. Bei den Vögeln sieht es ähnlich aus: Fast drei Viertel der Biomasse entfällt heute auf domestiziertes Geflügel, hauptsächlich Hühner, während Wildvögel den Rest ausmachen.

Früher war das noch anders. Laut der brisanten Studie hat der Mensch seit Beginn der menschlichen Zivilisation aber 15 Prozent aller Fische, 80 Prozent der Meeressäuger und 85 Prozent der wilden Säugetiere ausgelöscht. Zudem ist die Hälfte der pflanzlichen Biomasse verschwunden.

Gleichzeitig gehen andere Erhebungen davon aus, dass Insekten in hundert Jahren ausgestorben sein könnten. Pro Jahr geht ihre Biomasse um 2,5 Prozent zurück. Ein Drittel der Insektenarten ist schon jetzt vom Aussterben bedroht.

Trotz ihrer geringen Masse hat die Menschheit auf der Erde also deutliche Spuren hinterlassen und die Biosphäre irreversibel beeinflusst. Wissenschaftler sprechen vom «sechsten grossen Massensterben» und haben dem Zeitalter, in dem der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde geworden ist, gar einen eigenen Namen gegeben: das Anthropozän.

«Ich hoffe, unsere Arbeit zeigt den Menschen auf, wie dominant und unverhältnismässig ihre Rolle auf der Erde ist», sagte Ron Milo, der Leiter der Studie, gegenüber dem «Guardian». Wenn er mit seinen Töchtern ein Tier-Puzzle mache, finde sich da üblicherweise ein Elefant neben einer Giraffe und einem Nashorn. «Wenn ich ihnen aber ein realistisches Bild vermitteln wollte, müsste da eine Kuh neben einer Kuh neben einer Kuh stehen und dann würde noch ein Huhn kommen», so der Professor des Weizmann Institute of Science in Israel.

Erstellt: 25.04.2019, 11:53 Uhr

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