Zum Hauptinhalt springen

Als Ameisen begannen, Pflanzen zu lieben

Viele Arten profitieren voneinander – das Tauschgeschäft ist Millionen Jahre alt. Aber wer fing damit an?

Analysen bis in die Kreidezeit: Die Symbiose von Ameisen und Pflanzen stellte Biologen vor ein Henne-Ei-Problem. Blattschneiderameisen transportieren Brombeerblätter. (Archivbild) Bild: Frank Rumpenhorst/EPA
Analysen bis in die Kreidezeit: Die Symbiose von Ameisen und Pflanzen stellte Biologen vor ein Henne-Ei-Problem. Blattschneiderameisen transportieren Brombeerblätter. (Archivbild) Bild: Frank Rumpenhorst/EPA

Einige heutige Ameisenarten leben eng mit bestimmten Pflanzen zusammen: Sie nutzen zum Beispiel Dornen als Verstecke oder trinken Nektar und andere Pflanzensäfte. Von der Beziehung profitieren beide Seiten: Die Pflanzen wehren mithilfe der Ameisen Schädlinge ab oder lassen ihre Samen von den kleinen Insekten verteilen.

Wann aber entstand diese symbiotische Beziehung?, fragte sich ein Forschungsteam um Matthew Nelsen vom Field Museum of Natural History in Chicago. «Das war eine Huhn-oder-Ei-Frage», erklärt Studienautor Richard Ree. «Begann alles mit Ameisen, die Verhaltensweisen entwickelten, um von den Pflanzen zu profitieren, oder entwickelten die Pflanzen Strukturen, um sich die Ameisen zunutze zu machen?»

Entwicklungsgeschichte nachgezeichnet

Um diese Frage zu beantworten, schauten sich die Forscher die Entwicklungsgeschichte von mehr als 1730 Ameisenarten und mehr als 10’000 Pflanzengattungen genau an. Sie untersuchten, wann bestimmte Merkmale in Ameisen und Pflanzen auftauchten. Von den Ergebnissen berichten die Wissenschaftler im Fachblatt PNAS.

Die Analyse zeigte, dass zunächst räuberische, am Boden lebende Ameisen begannen, in die Höhe zu klettern und Pflanzen als Lebensraum zu erobern. Dann fingen einige Arten an, Pflanzen auch als Nahrungsquelle zu nutzen. Das geschah in der Unterkreide, dem Abschnitt der Erdgeschichte, der vor 145 Millionen Jahren begann und vor gut 100 Millionen Jahren endete.

Verstecke entstanden zuletzt

Später, gegen Ende der Oberkreide, verlegten einige Arten ihren Lebensmittelpunkt ganz auf Pflanzen und legten dort auch ihre Nester an. Die meisten dieser Anpassungen seien jedoch später entstanden, in der Erdneuzeit, schreiben die Wissenschaftler. Die begann vor 66 Millionen Jahren, als die Dinosaurier ausstarben, und dauert bis heute an.

Die Nebenblattdornen mancher Akazienarten bieten Ameisen ein Zuhause und eine Futterquelle zugleich. Dafür verteidigen die Insekten die Pflanzen vor Fressfeinden. Bild: kafka4prez/Flickr
Die Nebenblattdornen mancher Akazienarten bieten Ameisen ein Zuhause und eine Futterquelle zugleich. Dafür verteidigen die Insekten die Pflanzen vor Fressfeinden. Bild: kafka4prez/Flickr

Die Untersuchung ergab weiter, dass die Pflanzen die speziellen Merkmale, von denen Ameisen profitieren, erst später entwickelten. Nektardrüsen tauchten demnach in der späteren Kreidezeit auf, vor allem aber in der darauffolgenden Erdneuzeit. Spezielle Verstecke für Ameisen – Domatia – entstanden etwas verzögert zuletzt.

Zu einer verstärkten Artbildung unter den Ameisen habe die Nutzung von Pflanzen nicht oder nur vorübergehend geführt, schreiben die Wissenschaftler. «Wir sehen keinen Teil des Ameisenstammbaums mit Arten, die auf Pflanzen für Nahrung oder Lebensraum angewiesen sind, der schneller wächst oder sich schneller auffächert als Teile des Stammbaums ohne solche Arten», sagte Matthew Nelsen.

SDA/oli

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch