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Als der Vogel der Riesenlibelle den Garaus machte

Vor 300 Millionen Jahren bevölkerten Insekten die Erde, deren Flügel Spannweiten von bis zu 70 Zentimeter aufwiesen. Wissenschaftler haben nun eine Erklärung, weshalb die Giganten zu schrumpfen begannen.

Waren einst so gross wie heute Vögel: Eine Libelle im Schwebeflug.
Waren einst so gross wie heute Vögel: Eine Libelle im Schwebeflug.
Keystone

Gigantische Insekten flogen einst durch die Lüfte. Die Körpergrösse machte sie aber langsamer und zum lohnenden Happen für Vögel. Das soll einer der Gründe sein, warum die Insekten schrumpften. Mit der Entwicklung der Vögel vor etwa 150 Millionen Jahren ging es den riesigen Insekten auf der Erde an den Kragen. Hatten sie bis dahin zeitweise gigantische Ausmasse erreicht, waren auf einmal kleinere und wendigere Insekten im Vorteil, wie US-Forscher in der Online-Vorabausgabe der «Proceedings of the National Acacemy of Sciences» berichteten.

Bisher gingen viele Forscher von der Theorie aus, dass vor allem der Sauerstoffgehalt in der Atmosphäre die Körpergrösse der Insekten bestimmt hatte. Gemäss dieser begünstigt ein hoher Sauerstoffgehalt die Entwicklung besonders grosser Insekten. Denn bei hohen Sauerstoffwerten können die Tiere über ihre starren Tracheen, die sie anstelle von Lungen besitzen, noch genügend Sauerstoff aufnehmen, um ihren Körper und - bei fliegenden Insekten - vor allem die Flugmuskeln zu versorgen.

Diese Annahme ist wohl auch richtig, aber nur in den ersten 150 Millionen Jahren der Insekten-Evolution, schrieben Matthew Clapham und Jered Karr von der Universität von Kalifornien in Santa Cruz. Sie hatten mehr als 10'500 fossile Insekten aus den vergangenen 320 Millionen Jahren untersucht und die Länge der Flügel mit dem jeweils zu Lebzeiten vorhanden Sauerstoff in der Atmosphäre verglichen.

Vögel, Fledermäuse oder Massensterben?

Demnach variierte die Grösse der Insekten tatsächlich mit dem Sauerstoffgehalt. Vor 300 Millionen Jahren flatterten die grössten Insekten durch die Luft, zum Beispiel Riesenlibellen mit einer Flügelspannweite von bis zu 70 Zentimetern. Damit waren sie grösser als viele heute lebende Vögel. Sanken die Sauerstoffwerte, wurden auch die Insekten kleiner.

Das Bild änderte sich vor etwa 150 Millionen Jahren. Trotz hoher Sauerstoff-Werte wurden die Insekten plötzlich kleiner - genau zu dem Zeitpunkt, als die Vögel auf der Bildfläche auftauchten. Vor 90 bis 65 Millionen Jahren schrumpften die Insekten vermutlich noch einmal.

Da es aus dieser Zeit nur wenige fossile Überreste gibt, sei die Entwicklung nicht allzu gut nachzuvollziehen, schränkten die Autoren ein. Es gebe mehrere mögliche Gründe dafür, etwa die Entwicklung der Fledermäuse oder das Massensterben am Ende der Kreidezeit.

Zunächst schlechte Flieger

«Ich nehme an, dass es auf die weiteren Spezialisierung der Vögel zurückzuführen ist», sagte Matthew Clapham. «Die ersten Vögel waren nicht besonders gut im Fliegen. Aber zum Ende der Kreidezeit sahen die Vögel ziemlich genauso aus wie die modernen Vögel.»

Clapham betont, dass es zu allen Zeitpunkten der Evolution kleine Insekten gegeben hat, selbst zu Zeiten, als die Giganten durch die Luft flogen. Es sei stets eine Kombination aus ökologischen Faktoren und aus Umweltfaktoren, die die Körpergrösse beeinflussten und es gebe eine Reihe von ökologischen Gründen dafür, dass Insekten klein sind.

SDA/kpn

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