Als der Wal noch Beine hatte

In Peru haben Forscher ein gut erhaltenes Fossil eines Urzeit-Wals entdeckt. Eine Wissenslücke in der Evolution der Wale von Land- zu Meeresbewohnern ist damit geschlossen.

Vier Beine und den Schwimmstil eines Otters: Illustration eines Urwals.

Vier Beine und den Schwimmstil eines Otters: Illustration eines Urwals. Bild: Alberto Gennari/Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der landlebende Vorfahr der Wale hatte noch vier Beine und lebte vor 42,6 Millionen Jahren in Südamerika, wie aus einer am Donnerstag in der Fachzeitschrift «Current Biology» veröffentlichten Studie hervorgeht.

Das Fossil wurde in Playa Media Luna an der peruanischen Pazifikküste gefunden. Die Paläontologen um den belgischen Forscher Olivier Lambert vom Königlich-Belgischen Institut für Naturwissenschaften entdeckten im Wüstenboden zunächst einen versteinerten Oberkiefer und gruben danach noch den Unterkiefer, Zähne, Wirbel- und Rippenknochen sowie Teile von Vorder- und Hinterbeinen aus.

An seinen langen Zehen hatte der Urzeit-Wal offensichtlich Schwimmhäute. Die Forscher gehen daher davon aus, dass das etwa vier Meter lange Tier laufen und schwimmen konnte. Die Wirbel im Bereich des Schwanzes ähneln denen von Tieren wie Fischottern, die Landtiere, aber gute Schwimmer sind.

Illustration eines Peregocetus'. Bild: Reuters/Alberto Gennari

«Es handelt sich also um ein Tier, das begonnen hat, seinen Schwanz zum Schwimmen zu nutzen, was es von früheren Lebensformen in Indien und Pakistan unterscheidet», sagte Lambert. Die Vorfahren der Wale und Delphine lebten vor 50 Millionen Jahren in der Region des heutigen Indien und Pakistan an Land.

Widerlegte Hypothese

Teile von Fossilien vierbeiniger Urzeit-Wale waren zuvor bereits in Ägypten, der Westsahara, im Senegal, in Togo und Nigeria entdeckt worden. Da die Knochenfunde jedoch nicht vollständig waren, konnten Forscher nicht daraus schliessen, ob die Tiere schwimmen konnten.

Die Paläontologen vermuten, dass der Urzeit-Wal von Westafrika aus den Atlantik überquerte und so nach Südamerika gelangte. Die Kontinente lagen damals näher beieinander als heute. Dies würde die Hypothese widerlegen, wonach die Urzeit-Wale Amerika über Grönland erreichten.

In der Gegend um Pisco an der Südküste Perus liegen vermutlich noch weitere Fossilien. «Das ist Arbeit für mindestens die nächsten 50 Jahre», sagte Lambert.

Paläontologe Olivier Lambert über den Fund in Peru. Video: Youtube/Naturalsciences (nag/sda)

Erstellt: 09.04.2019, 14:35 Uhr

Artikel zum Thema

Live im TV: Archäologen öffnen Sarkophag

Forscher haben in Ägypten eine gut erhaltene Mumie entdeckt – und das Grab vor laufenden Kameras geöffnet. Mehr...

Warum Japan wieder Wale jagt

Video Nach 30 Jahren nimmt Tokio den kommerziellen Walfang wieder auf. Doch die Mehrheit der Japaner isst gar kein Walfleisch. Mehr...

Als das Meer zum Massengrab wurde

Zürcher Forschende haben entdeckt, dass es vor über zwei Millionen Jahren ein bisher unerkanntes Aussterben von Meerestieren gab. Ein Drittel aller Wale und Haie verschwand. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Kommentare

Blogs

Mamablog Steinigung der Instagram-Mütter

Geldblog Negativzinsen: Was soll das?

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Harter Einsatz: Ein Demonstrant wird in Santiago de Chile vom Strahl eines Wasserwerfers getroffen. Die Protestbewegung fordert unter anderem höhere Untergrenzen für Löhne und Renten, günstigere Medikamente und eine neue Verfassung, die das Grundgesetz aus den Zeiten des Diktators Augusto Pinochet ersetzen soll. (9. Dezember 2019)
(Bild: Fernando Llano) Mehr...