Astronomen messen Licht der allerersten Sterne im Universum

Beobachtungen deuten darauf hin, dass Sterne schon 180 Millionen Jahre nach dem Urknall auftauchten. Sie könnten Antworten auf die Dunkle Materie liefern.

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Astronomen konnten die Signale der ersten Sterne beobachten. Sie tauchten kurz nach der Geburt des Universums vor 13,6 Milliarden Jahren auf. Dies geht aus einer Studie hervor, die am Mittwoch in wissenschaftlichen Kreisen für Aufregung gesorgt hat.

Ein kleines Radioteleskop in Australien, dessen Antenne die Breite eines Kühlschranks hat, ist der Star dieser Entdeckung. Wissenschaftler, die unter der Leitung des Astronomen Judd Bowman von der Universität von Arizona zwölf Jahre geforscht hatten, verkündeten den Durchbruch am Mittwoch im Wissenschaftsmagazin «Nature». Die Entdeckung müsse noch durch weitere Untersuchungen und stärkere Instrumente bestätigt werden.

Wichtigste Entdeckung seit 2015

Die Astrophysiker waren von der Intensität der beobachteten Signale überrascht, da sie darauf hinweist, dass das Universum schneller abgekühlt ist als bisher angenommen. Dies könnte dazu führen, dass das kosmologische Modell überarbeitet werden muss. Auch könnten die Signale Informationen beinhalten, um die mysteriöse Dunkle Materie zu verstehen. Diese soll mehr als ein Viertel des Universums ausmachen.

«Dies ist die wichtigste astronomische Entdeckung seit der Entdeckung von Gravitationswellen im Jahr 2015», sagt Karl Glazebrook von der australischen Technischen Universität Swinburne.

3 Grad über absolutem Nullpunkt

Andere Astrophysiker sind vorsichtiger. «Wenn sich die Beobachtung bestätigt, ist dies eine grosse Entdeckung, denn sie wird Modelle zur Geburt des Universums verändern», sagt Benoit Semelin vom Pariser Observatorium.

Der Studie zufolge war das Gas im jungen Universum viel kälter als erwartet. 3 Grad Kelvin (–270 Grad Celsius) soll die Temperatur laut den Forschern gewesen sein.

Flügel eines Kolibris

«Es war eine grosse technische Herausforderung, dieses Signal zu erkennen», sagt Peter Kurczynski von der National Science Foundation (NSF), welche die Studie finanzierte. «Es zeigt, dass die ersten Sterne bereits rund 180 Millionen Jahre nach dem Urknall geboren waren.» Insbesondere die Milchstrasse, unsere Galaxie, emittiert Radiowellen. «Diese können 10'000-mal stärker sein als das Signal der ersten Sterne.» Kurczynski vergleicht dies mit einem Hurrikan: «Es ist, als ob man versuchen würde, das Geräusch der Flügel eines Kolibris in einem Hurrikan zu hören.»

Dunkle Materie kann kein Licht absorbieren, reflektieren oder emittieren. Sie ist einfach nur schwer. Das heisst, Astronomen können sie nur durch den Einfluss ihrer Gravitation nachweisen, den sie auf die sichtbare Materie zu haben scheint. (oli/afp)

Erstellt: 01.03.2018, 01:19 Uhr

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