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Was Wissenschafter von der Sonnenfinsternis lernen

Die USA fiebern heute einer totalen Sonnenfinsternis entgegen. Sie ist auch im Zeitalter von Weltraumsonden noch interessant.

Am Montag also wird sich der Mond, von den USA aus gesehen, vor die Sonne schieben, und man kann sagen: Es wurde auch Zeit. Seit einem Jahr laufen sich US-Medien und Wissenschaftler warm für das Ereignis, in immer grösserer Erregung. Mittlerweile sind die Nerven offenbar am Ende. Eine Reporterin der Washington Post berichtet in einem Newsletter schon von einem Albtraum, den sie gehabt habe: eine Wolke vor der Sonne, grauenvoll.

Aber nach allem, was man weiss, wird auch diese Sonnenfinsternis kommen und wieder vorbeigehen. Abgesehen von den Blessuren der Unbelehrbaren, die ohne Schutz in die Sonne schauen, wird es hoffentlich keine bleibenden Schäden geben. Die Wissenschaft aber erhofft sich Erkenntnisse: Auch im Zeitalter von Weltraumsonden und modernen Teleskopen bleibt eine Sonnenfinsternis interessant.

Einige Astronomen werden vor allem die Korona inspizieren, jenen Bereich, der bei einer Sonnenfinsternis als weiss lodernder Kranz zu sehen ist. Nach wie vor umgibt sie ein Rätsel: Wie kann die Sonne die Korona auf eine Million Grad Celsius aufheizen, wenn doch die Oberfläche der Sonne – die Photosphäre – nur rund 6000 Grad heiss ist? Vermutlich transportieren die Wellen des Sonnen-Magnetfelds Wärme nach aussen. Teleskop-Aufnahmen bei Sonnenfinsternissen, wenn das Licht der Sonne mal nicht das der Korona überstrahlt, können Strukturen sichtbar machen, aus denen sich diese Magnetwellen ablesen lassen.

Besonders günstige Konstellation

Allerdings geht das auch aus dem All, ganz ohne Sonnenfinsternis – mit Koronografen, eine Art Teleskop mit Verdunkelungsscheibe, die die Sonne abdeckt. «Wir haben seit mehr als 20 Jahren das Instrument Lasco an Bord der Sonde Soho im Weltall, das 24 Stunden am Tag die Sonne und ihre Korona beobachtet», sagt Hardi Peter vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen. «So gesehen ist der wissenschaftliche Wert von kurzen Sonnenfinsternis-Beobachtungen begrenzt.» Trotzdem haben diese noch immer einen Vorteil: Die optische Auflösung ist aus technischen Gründen viel besser.

Verlauf der Sonnenfinsternis. Quelle: Nasa
Verlauf der Sonnenfinsternis. Quelle: Nasa

Vor allem aber kommt dieses Mal hinzu, dass der Korridor der totalen Finsternis einfach perfekt liegt – quer über eine bewohnte Landfläche. «Das ist schon eine besonders günstige Konstellation», sagt Peter. Anders als bei Sonnenfinsternissen über Ozeanen, Wüsten oder Krisengebieten können Hobby-Astronomen und Wissenschaftler entlang des gesamten Korridors Messungen machen, die am Ende zu einem etwa eineinhalb Stunden langen, wissenschaftlich verwertbaren Film kombiniert werden sollen. Das Projekt namens «Eclipse Megamovie» wird von der University of California und Google koordiniert.

Noch am Montag sollen erste Bildserien veröffentlicht werden, danach können sich die US-Amerikaner von der Aufregung erholen. Die nächste totale Sonnenfinsternis im Juli 2019 wird vor allem in Südamerika zu sehen sein.

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An sich ist eine totale Sonnenfinsternis nichts Ungewöhnliches, im Schnitt gibt es ein bis zwei pro Jahr. Dabei muss einiges zusammenkommen: Der Punkt, an dem die Mondbahn die Ebene kreuzt, in der die Erde um die Sonne kreist, muss zwischen Erde und Sonne liegen, das kommt etwa zweimal im Jahr vor. Der Neumond, der in dieses Zeitfenster von rund vier Wochen fällt, verdunkelt dann die Sonne. Zwei Wochen früher oder später fällt bei Vollmond der Erdschatten auf den Mond – Mondfinsternis. Aber totale Sonnenfinsternisse sind nur von einem schmalen Erdstreifen aus sichtbar. Wenn dieser im Meer oder auf unbewohntem Gebiet liegt, hat man nicht viel davon.

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