Cern-Forscher weisen Schlüsselteil nach

Ihre Art macht fast die ganze Materie aus, doch die schweren Vertreter kommen erst jetzt ans Licht: Baryonen.

Auch Protonen und Neutronen gehören zu diesen Teilchen: Visualisierung eines Baryons, das immer aus drei Quarks besteht.

Auch Protonen und Neutronen gehören zu diesen Teilchen: Visualisierung eines Baryons, das immer aus drei Quarks besteht. Bild: Cern/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Forschenden am Cern ist der Nachweis eines neuen Teilchens geglückt. Seine Existenz wurde theoretisch vorhergesagt, aber jahrelang hatten Wissenschaftler ein solches Teilchen aus zwei schweren Quarks und einem leichten vergeblich gesucht.

Bei dem neu beobachteten Teilchen mit der Bezeichnung «Xi cc ++» handelt es sich um ein besonders schweres Baryon, wie das Cern am Donnerstag mitteilte. Baryonen machen fast die gesamte Materie um uns herum aus. Die bekanntesten Vertreter dieser Teilchenfamilie sind Protonen und Neutronen, Bestandteile des Atomkerns.

Alle Baryonen bestehen aus drei Elementarteilchen, Quarks genannt. Von den Quarks gibt es sechs Typen, die in unterschiedlichen Kombinationen zu Baryonen zusammengesetzt sein können. Allerdings wurde bisher kein Baryon nachgewiesen, das mehr als ein schweres Quark enthielt.

Erstes doppelt schweres Baryon

Nun ist das jedoch geglückt: An der «EPS Conference on High Energy Physics» in Venedig stellten die Cern-Forschenden des LHCb-Experiments am Donnerstag ihren Nachweis des «Xi cc++»-Teilchens vor, das aus zwei schweren «Charm-Quarks» und einem «Up-Quark» besteht. Die «Charm-Quarks» machen seine Masse fast vier Mal grösser als die eines Protons, schrieb das Cern.

«Anders als bei anderen Baryonen, in denen die drei Quarks einen raffinierten Tanz umeinander ausführen, erwarten wir von einem doppelt schweren Baryon eher das Verhalten eines Planetensystems», erklärte Guy Wilkinson, früherer Sprecher des LHCb-Konsortiums. In diesem Fall spielten die beiden schweren Quarks die Rolle eines Doppelsterns und drehten sich umeinander, während das leichtere Quark um dieses Doppelsystem kreise.

Zerfallsprodukte identifiziert

Der Nachweis von «Xi cc++» gelang, indem die Forschenden seine charakteristischen Zerfallsprodukte im LHCb-Detektor des Large Hadron Collider (LHC), dem Teilchenbeschleuniger des Cern, identifizierten. Ihren Fachartikel haben die Wissenschaftler beim Magazin «Physical Review Letters» eingereicht. Weitere Messungen an «Xi cc++» sollen das Verhalten dieser zuvor nie beobachteten Quark-Kombination klären helfen.

Ein Forscher nimmt Einstellungen an einem Element des Large Hadron Collider in Genf vor. (Bild: Cern)

Dadurch hoffen die Forschenden, die Vorhersagekraft ihrer Theorien zu verbessern, insbesondere die über starke Wechselwirkungen, eine der vier Fundamentalkräfte der Physik, wie der neue LHCb-Sprecher Giovanni Passaleva erklärte. Zudem hoffen die Cern-Physikerinnen und -Physiker, nun auch weitere Baryonen mit zwei schweren Quarks aufspüren zu können.

Fünf Jahre Higgs-Boson

Die Bekanntgabe des neuen Teilchens kommt fast genau fünf Jahre, nachdem das Cern den Nachweis des Higgs-Boson verkündet hatte: Am 4. Juli 2012 präsentierten die Forschenden den experimentellen Beleg für das auch als «Gottesteilchen» bezeichnete Higgs-Boson. 2013 erhielten Peter Higgs und François Englert den Nobelpreis für die Vorhersage des Teilchens. Weil die naturwissenschaftlichen Nobelpreise nur an Personen und nicht an Organisationen vergeben werden, ging das Cern leer aus.

Mit dem sogenannten Higgs-Mechanismus wird im Standardmodell der Elementarteilchen-Physik erklärt, wie die Teilchen – also die Grundbausteine der Materie – ihre Masse erhalten. (rub/sda)

Erstellt: 06.07.2017, 14:49 Uhr

Artikel zum Thema

Cern misst erstmals Lichtspektrum von Antimaterie

Die Forscher haben erfolgreich das optische Spektrum eines Antimaterie-Teilchen untersucht. Die Ergebnisse bestätigen das Standardmodell der Teilchenphysik. Mehr...

Wiesel schaltet Cern-Maschine aus

Ein Wiesel hat im Europäischen Kernforschungszentrum Cern nahe Genf mit dem Teilchenbeschleuniger eine der komplexesten Maschinen der Welt ausser Gefecht gesetzt. Mehr...

Cern findet mögliche Tür zu neuer Dimension

Zwei unabhängige Forscherteams haben Hinweise auf ein Teilchen gefunden, das die Physik revolutionieren könnte. Oder sie haben etwas anderes gefunden. Oder gar nichts. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Ganz in weiss: Josephine Skriver posiert vor der Vorführung des Films «Roubaix, une lumière» in Vannes auf dem roten Teppich. (22. Mai 2019)
(Bild: Stephane Mahe) Mehr...