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Das Klima schlägt aufs Gemüt

Die globale Erwärmung bringt nicht nur Fluten, Dürren und Stürme mit sich – sie belastet auch die Psyche. Depressionen, Angststörungen oder Suizidgedanken sind mögliche Folgen.

«Die Forschung zu den psychischen Folgen des Klimawandels steht noch am Anfang», sagt Psychologin Susanne Kraft. Bild: Reuters
«Die Forschung zu den psychischen Folgen des Klimawandels steht noch am Anfang», sagt Psychologin Susanne Kraft. Bild: Reuters

Trockenheit, Unwetter und immer wieder Sturmfluten sowie Eiseskälte in Mitteleuropa, während es in den Polargebieten taut. Extreme Wetterereignisse mehren sich. Sie setzen nicht nur Pflanzen und Tieren zu, sondern auch dem Menschen. Der Klimawandel hat Verletzungen, Krankheiten, Tote zur Folge. Dabei werde ein Aspekt unterschätzt, warnen Psychologen und Psychiater: Die Naturgewalten können auch das seelische Wohlbefinden aushebeln.

Was passiert mit Menschen, wenn ihr Zuhause überflutet wird oder Murgänge wie in Bondo ein halbes Dorf zerstören? Wie wirken sich Dürren auf die Lebenslust aus? Macht der Klimawandel gar psychisch krank? «Die Forschung zu den psychischen Folgen des Klimawandels steht noch am Anfang, die komplexen Zusammenhänge sind nur ansatzweise erforscht», sagt Psychologin Susanne Kraft vom Bezirkskrankenhaus Günzburg, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Ulm. Sie ist Mitgründerin der Allianz Klimawandel & Gesundheit, die auf die körperlichen und psychischen Folgen der Veränderungen aufmerksam machen möchte.

«Welcome to New Orleans»: Eine Bewohnerin verlässt im August 2005 nach dem Hurrikan Katrina die Stadt. Foto: Rick Wilking (Reuters)
«Welcome to New Orleans»: Eine Bewohnerin verlässt im August 2005 nach dem Hurrikan Katrina die Stadt. Foto: Rick Wilking (Reuters)

Konkret wird das Thema im Fall extremer Wetterereignisse wie dem Hurrikan Katrina 2005 im Südosten der USA. Jeder Zweite, über den der Sturm hinwegfegte, entwickelte in den folgenden Monaten eine Depression, eine Panik- oder Angststörung. Jeder Sechste wies Anzeichen einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) auf – einer Erkrankung also, wie sie Soldaten nach einem Kriegseinsatz entwickeln oder Menschen, die gefoltert wurden. Nicht wenige versuchten in den Monaten nach dem Desaster ihr Leid mit Alkohol oder Drogen zu betäuben. Anderthalb Jahre nach dem Hurrikan erwogen immer noch mehr als doppelt so viele Personen wie zuvor einen Suizid.

Extreme bedrohen die Identität

Forscher aus Europa bezeugen mittlerweile Ähnliches für Flutopfer in Grossbritannien. Sie befragten ein Jahr nach der Überschwemmung im Winter 2013/2014 mehr als 2000 Flutopfer. Jeder Fünfte von ihnen litt an einer Depression, mehr als jeder Vierte hatte eine Angsterkrankung und mehr als jeder Dritte eine PTBS – manche auch mehrere dieser Störungen.

Es sind jedoch nicht nur diese unvermittelten, brachialen Ereignisse, die den Menschen zusetzen. Der Klimawandel bringt auch eine schleichende Not. So stiegen vor rund zehn Jahren die Suizidraten unter australischen Bauern wegen einer anhaltenden Dürre deutlich. Psychologen führen dies auch auf das sich wandelnde Klima zurück. Nach und nach entzieht die globale Erwärmung den Bauern ihre Lebensgrundlage: keine Ernte, kein Job, keine Einnahmen, kein Leben als Farmer. Die Dürre kommt ei­nem Identitätsverlust gleich.

Ähnliches gilt für die Inuit, die seit Jahrhunderten in der Arktis leben, dort jagen, fischen und ernten. Sie spüren jede Veränderung von Temperatur, Böden und Eis. Sie befürchten mehr denn je den Verlust ihrer Heimat. «Wir sind Menschen des Eismeeres. Wenn es aber kein Eismeer mehr gibt, wie können wir dann noch die Menschen des Eismeeres sein?», zitiert die kanadische Umweltforscherin Ashlee Cunsolo einen Inuit. Ohne das Eis zu leben, sei wie nicht atmen zu können, heisst es. Es gebe ihnen das Gefühl, verloren zu sein, oder mache sie verrückt. Inuit-Gemeinden in Kanada haben eine bis zu elfmal so hohe Suizidrate wie andere Bevölkerungsgruppen im Land, wie eine Erhebung der Organisation Inuit Tapiriit Kanatami ergab, die Kanadas Ureinwohner vertritt. Für diese Zahlen gibt es mehrere Gründe. Die Veränderung in der Natur, meinen kanadische Forscher, ist einer davon.

Steigen die Temperaturen ungewohnt stark, erhitzt das die Gemüter.

Wissenschaftler haben mittlerweile sogar einen Begriff für das Gefühl, das entsteht, wenn einem die Heimat fremd wird oder verloren geht: Solastalgie. Angelehnt an Nostalgie soll der Begriff eine Art Heimweh umschreiben, das durch den Klimawandel ausgelöst wird. Es bedroht das Zugehörigkeitsgefühl, die ei­gene Identität und das Kontrollempfinden.

Die Berichte von australischen Farmern, die Erzählungen der Inuit, aber auch eine Erhebung aus Grossbritannien scheinen das zu untermauern. Ebenso die Erfahrungen jener Briten, die bei den Fluten 2013/2014 ihr Haus verloren hatten. Sie glitten eher in eine Depression und erkrankten eher an einer Angst- oder Traumastörung als andere Flutopfer, deren Heim noch bewohnbar war.

Mehr Schläge, mehr Morde

Auf Dauer kann nicht nur das seelische Wohlbefinden leiden – auch das Miteinander wird rauer, was wiederum zusätzlichen Ballast für die Seele erzeugt. Das von der US-Regierung initiierte US Global Change Research Program berichtet von mehr Gewalt in Kommunen, die eine Naturkatastrophe heimgesucht hat. Vor allem die Fälle häuslicher Übergriffe gegen Frauen und Kinder stiegen an. Über die Gründe gibt es viele Theorien. Sie reichen von Überforderung bis zum Versuch der Täter, wieder ein Gefühl von Kontrolle über etwas oder über andere zu erlangen.

Dabei fördern nicht nur zerstörerisch einschlagende Desaster Aggressionen. Allein Hitzewellen können schon streitsüchtiger machen. Steigen die Temperaturen in unerträgliche Höhen, erhitzt das wortwörtlich die Gemüter, wie Experimente aus mehreren Jahrzehnten zeigen: Hitze blockiert logisches Denken, lässt Menschen ungehalten und teilweise gewalttätig werden.

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Video: Die teuersten Versicherungsfälle

Alleine durch die Hurrikane Maria, Irma und Harvey entstanden Schäden in Höhe von 217 Milliarden Dollar. Video: Reuters/Marco Pietrocola

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Politikwissenschaftler Matthew Ranson rechnet daher schon jetzt in den USA mit 340 zusätzlichen Morden und 18'000 Fällen schwerer Körperverletzung mehr pro Jahr, die durch vermehrte Hitzewellen ausgelöst werden. Seine Hochrechnung basiert auf Kriminalitäts- und Klima­daten der Jahre 1960 bis 2009 aus den gut 3000 Landkreisen der USA.

Die existenzielle Frage

Klimaflüchtlinge und knappe Ressourcen wie Wasser könnten künftig ebenfalls zu Reibungen führen, allenfalls sogar zu Kriegen. Der Bürgerkrieg in Syrien zählt womöglich schon dazu. «Die Dürre in Syrien zwischen 2007 und 2010 basierte auf menschlicher Zerstörung von natürlichen Systemen, die zu Ernteausfällen und grossen Konflikten, Hunger und Verzweiflung führte», schreibt die American Psychological Association (APA) 2017 in ihrem Bericht «Mental Health and Our Changing Climate». Auch wenn die Unruhen nicht auf eine einzige Ursache zurückzuführen seien, so legten Untersuchungen nahe, dass die Dürre ein wichtiger Faktor für den Ausbruch des Krieges gewesen sei.

In gemässigten Breiten führt der Klimawandel ebenfalls zu feindseligem Denken, wie eine Studienreihe von Psychologen aus Jena, Berlin und Belfast 2012 nahelegt. Werden Menschen an die möglichen Konsequenzen des Klimawandels erinnert, so der Befund, werten sie andere Bevölkerungsgruppen ab und neigen verstärkt autoritären Haltungen zu. Sie denken eher in den Kategorien «Wir» und «Die». Ein Schubladen-Denken, wie es Konflikte begünstigt.

Das Wasser meterhoch, das Quartier völlig zerstört: Nach Hurrikan Katrina waren 80 Prozent der Stadt New Orleans überflutet.  Doch das Leben ist nach «Big Easy» zurückgekehrt.
Das Wasser meterhoch, das Quartier völlig zerstört: Nach Hurrikan Katrina waren 80 Prozent der Stadt New Orleans überflutet. Doch das Leben ist nach «Big Easy» zurückgekehrt.
AP Photo/David J. Phillip
Der Künstler lebt heute wieder in seinem Haus an der North Board Street, das er mit seiner Familie auf einem Boot verlassen musste.
Der Künstler lebt heute wieder in seinem Haus an der North Board Street, das er mit seiner Familie auf einem Boot verlassen musste.
Thomas Spang
Thomas mit einem Schüler.
Thomas mit einem Schüler.
Thomas Spang
«Die Töchter von New Orleans» heisst dieses Bild.
«Die Töchter von New Orleans» heisst dieses Bild.
Thomas Spang
Kunstwerke von Richard Thomas.
Kunstwerke von Richard Thomas.
Thomas Spang
Kunstwerke von Richard Thomas.
Kunstwerke von Richard Thomas.
Thomas Spang
Efrem Garza vor seinem neuen Haus in Long Beach bei New Orleans. An gleicher Stelle hatte er gewohnt, als der Hurrikan «Katrina» am 29. August 2005 auf die US-Golfküste traf.
Efrem Garza vor seinem neuen Haus in Long Beach bei New Orleans. An gleicher Stelle hatte er gewohnt, als der Hurrikan «Katrina» am 29. August 2005 auf die US-Golfküste traf.
Keystone
Ein Bauunternehmer hat in Long Beach ein Haus erstellt, das auf massiven Holzpfosten steht. Dies soll das Gebäude bei nächsten Überschwemmungen vor Zerstörungen schützen.
Ein Bauunternehmer hat in Long Beach ein Haus erstellt, das auf massiven Holzpfosten steht. Dies soll das Gebäude bei nächsten Überschwemmungen vor Zerstörungen schützen.
Keystone
Viele Häuser in New Orleans und Umgebung sind bis heute verlassen. Rund 80 Prozent der einst pittoresken Stadt waren überflutet und etwa 1300 Menschen getötet worden.
Viele Häuser in New Orleans und Umgebung sind bis heute verlassen. Rund 80 Prozent der einst pittoresken Stadt waren überflutet und etwa 1300 Menschen getötet worden.
Keystone
Nach der «Katrina»-Katastrophe litt John Lee unter Alpträumen und Schlaflosigkeit. Im Jahr 2006 schrieb er ein Buch über die schrecklichen Erfahrungen. Der Titel lautete «Unsere schlaflosen Nächte: Wie ich «Katrina» überlebte».
Nach der «Katrina»-Katastrophe litt John Lee unter Alpträumen und Schlaflosigkeit. Im Jahr 2006 schrieb er ein Buch über die schrecklichen Erfahrungen. Der Titel lautete «Unsere schlaflosen Nächte: Wie ich «Katrina» überlebte».
Keystone
Im historischen Quartier Fauborg Marigny in New Orleans verursachte der verheerende Hurrikan vergleichsweise geringe Schäden. Das Leben hier scheint wie immer zu sein.
Im historischen Quartier Fauborg Marigny in New Orleans verursachte der verheerende Hurrikan vergleichsweise geringe Schäden. Das Leben hier scheint wie immer zu sein.
Keystone
In den Feuchtgebieten von New Orleans erinnern heute noch angeschwemmte Schiffswracks und -container an «Katrina».
In den Feuchtgebieten von New Orleans erinnern heute noch angeschwemmte Schiffswracks und -container an «Katrina».
AFP
Nach «Katrina» haben die US-Behörden sehr viel Geld in den Hochwasserschutz für New Orleans investiert. So sind zum Beispiel Staudammanlagen an der Golfküste gebaut worden.
Nach «Katrina» haben die US-Behörden sehr viel Geld in den Hochwasserschutz für New Orleans investiert. So sind zum Beispiel Staudammanlagen an der Golfküste gebaut worden.
Reuters
Zehn Jahre nach «Katrina» gibt es viele Anzeichen einer Renaissance von New Orleans. Der Stadt geht es auch wirtschaftlich besser, als viele dachten. Und im bekannten Französischen Quartier blüht wieder das Kulturleben.
Zehn Jahre nach «Katrina» gibt es viele Anzeichen einer Renaissance von New Orleans. Der Stadt geht es auch wirtschaftlich besser, als viele dachten. Und im bekannten Französischen Quartier blüht wieder das Kulturleben.
AFP
«Katrina» war eine der schlimmsten Naturkatastrophen in der US-Geschichte. Es schien wie ein Todesstoss für die Stadt in Louisiana mit ihrer einmaligen Mixtur afroamerikanischer, spanischer, französischer und karibischer Traditionen.
«Katrina» war eine der schlimmsten Naturkatastrophen in der US-Geschichte. Es schien wie ein Todesstoss für die Stadt in Louisiana mit ihrer einmaligen Mixtur afroamerikanischer, spanischer, französischer und karibischer Traditionen.
Keystone
Satellitenbild des Hurrikans «Katrina» über New Orleans.
Satellitenbild des Hurrikans «Katrina» über New Orleans.
Keystone
Die Canal Street in New Orleans in den Jahren 2005 und 2015.
Die Canal Street in New Orleans in den Jahren 2005 und 2015.
AFP
Die Innenstadt von New Orleans in den Jahren 2005 und 2015.
Die Innenstadt von New Orleans in den Jahren 2005 und 2015.
AFP
Die St.-Claude-Brücke in New Orleans in den Jahren 2005 und 2015.
Die St.-Claude-Brücke in New Orleans in den Jahren 2005 und 2015.
AFP
Rettungsarbeiten nach der Tragödie vom 29. August 2005.
Rettungsarbeiten nach der Tragödie vom 29. August 2005.
AFP
Nach «Katrina» besuchte der damalige US-Präsident George W. Bush das Katastrophengebiet in New Orleans. Der Hurrikan offenbarte die Inkompetenz des amerikanischen Staates.
Nach «Katrina» besuchte der damalige US-Präsident George W. Bush das Katastrophengebiet in New Orleans. Der Hurrikan offenbarte die Inkompetenz des amerikanischen Staates.
Keystone
Nach der Hurrikan-Katastrophe diente der «New Orleans Superdome» als Notunterkunft für Menschen, die ihr Heim verloren hatten. Bis zu 30'000 Leute fanden dort Zuflucht.
Nach der Hurrikan-Katastrophe diente der «New Orleans Superdome» als Notunterkunft für Menschen, die ihr Heim verloren hatten. Bis zu 30'000 Leute fanden dort Zuflucht.
Keystone
Beim Wiederaufbau von New Orleans wurden nicht alle Wohnhäuser und Geschäftsgebäude neu erstellt. Aus der Vogelperspektive zeigen sich Lücken im Stadtbild.
Beim Wiederaufbau von New Orleans wurden nicht alle Wohnhäuser und Geschäftsgebäude neu erstellt. Aus der Vogelperspektive zeigen sich Lücken im Stadtbild.
Reuters
Vor «Katrina» hatte New Orleans über 480'000 Einwohner. Ein paar Monate später waren es noch die Hälfte. Inzwischen leben etwa 380'000 Menschen in New Orleans.
Vor «Katrina» hatte New Orleans über 480'000 Einwohner. Ein paar Monate später waren es noch die Hälfte. Inzwischen leben etwa 380'000 Menschen in New Orleans.
Reuters
Die meisten Einwohner New Orleans' sind weiterhin Schwarze, aber ihr Anteil ist von 67 Prozent vor dem Sturm auf heute 60 Prozent gefallen. Das Einkommen der Afroamerikaner liegt um die Hälfte niedriger als das der weissen Bevölkerung.
Die meisten Einwohner New Orleans' sind weiterhin Schwarze, aber ihr Anteil ist von 67 Prozent vor dem Sturm auf heute 60 Prozent gefallen. Das Einkommen der Afroamerikaner liegt um die Hälfte niedriger als das der weissen Bevölkerung.
Keystone
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Nimmt man sich die Aussichten zu Herzen, kann einem durchaus bange werden. Tatsächlich kursiert unter Psychologen bereits der Begriff der Öko-Angst: die Angst vor all dem, was durch den Klimawandel passieren könnte; Angst vor möglichen Katastrophen etwa, die Sorge um die eigenen Kinder und Enkel, die existenzielle Frage, ob der Klimawandel gar das Ende der Menschheit einläutet.

Der US-amerikanische Psychotherapeut Thomas Doherty listet in dem APA-Bericht entsprechende Erlebnisse seiner Klienten auf: ein Umweltingenieur, den es tief belastet, dass er seinen CO2 nicht ausreichend reduzieren kann; ein Ranger im Nationalpark, der versucht, guter Dinge zu bleiben, während er tagein, tagaus seinen Gästen vom Schwinden der Sehenswürdigkeiten berichtet. Regelmässig berät er Menschen, die von solchen Erkenntnissen und Erlebnissen tief erschüttert sind.

Grösste Sorge der Schweizer

In der Schweiz ist die Sorge ums Klima weit verbreitet. 58 Prozent sehen im Klimawandel eine «sehr hohe» oder «eher hohe» Bedrohung für die Schweiz, wie im Oktober 2017 eine repräsentative Umfrage des Instituts Link im Auftrag der SRG ergab. Insgesamt ist der Klimawandel für die Schweizer Bevölkerung gar die grösste Bedrohung, grösser als ein potenzieller Zusammenbruch der Altersvorsorge, grösser als Terrorismus, Arbeitslosigkeit oder Wirtschafts- und Finanzkrisen.

Pessimistisch stimmen die Schweizern vor allem naheliegende Probleme wie der gut sichtbare Gletscherschwund, vermehrte Hitzewellen und extreme Wetterphänomene sowie Bergstürze und andere Naturkatastrophen. Bondo und seine verunsicherten Bewohner lassen grüssen.

Anderswo in Europa nimmt man die Klimaveränderungen viel gelassener hin. So sehen nur 3 Prozent der Teilnehmer einer Befragung in Deutschland den Klimawandel als eine der wichtigsten Herausforderungen in den kommenden zwanzig Jahren. Unter den Norwegern sind es immerhin dreimal, in Frankreich doppelt so viele.

Wer hat nun recht? Fakt ist, dass die Schweiz vom Klimawandel überproportional stark betroffen ist. Während es hierzulande seit der vorindustriellen Zeit rund 2 Grad wärmer geworden ist, erwärmte sich Deutschland in der gleichen Zeitspanne im Schnitt um «nur» 1,4 Grad.

Mitarbeit: Nik Walter

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