Das sind die ersten Mondbewohner

Eine israelische Raumsonde hat auf dem Mond Tausende Bärtierchen hinterlassen – die erstaunlichsten Überlebenskünstler der Erde.

So sehen Bärtierchen aus. (Foto: Science Picture Co./mauritius images)

So sehen Bärtierchen aus. (Foto: Science Picture Co./mauritius images)

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Sollten in ferner Zukunft, wenn das Leben auf der Erde ausgelöscht ist, Aliens durch unser Sonnensystem kreuzen, könnten sie auf dem Mond eine bizarre Entdeckung machen. Neben Überresten der Apollo-Missionen würden sie dort seltsame Wesen vorfinden. Sie würden womöglich denken: Dieses Sonnensystem wurde einst bewohnt. Von Bärtierchen.

Einige Tausend dieser achtbeinigen, gummibärchenförmigen Kleinstlebewesen liegen seit dem 11. April dieses Jahres auf dem Mond herum. Dorthin kamen sie an Bord eines israelischen Raumfahrzeugs namens Beresheet, das auf dem Erdtrabanten landen sollte. Doch die Mission ging schief, das Raumschiff zerschellte im Mondstaub. Neben wissenschaftlichen Geräten enthielt Beresheet diverse Hinterlassenschaften der Menschheit, mikroskopisch verkleinerte Schriftstücke, menschliche DNA und Bärtierchen.

Die Kleinstlebewesen widerstanden Vakuum, Kälte und Strahlung

Die weniger als einen Millimeter kleinen Organismen hat Nova Spivack ausgewählt. Der Visionär leitet eine Stiftung namens Arch Mission, deren Ziel es ist, Information über die Menschheit als eine Art «Sicherungskopie des Planeten Erde» im Weltraum zu platzieren. Zu Spivacks früheren Aktionen zählen in Quarz gravierte Bücher, die im Handschuhfach eines Tesla-Roadsters durchs Sonnensystem kreisen. Elon Musk hatte das Auto 2018 als Werbegag ins All geschossen. Für die israelische Mission liess Spivack Teile von Wikipedia sowie Tausende Werke der Weltliteratur auf Nickelscheiben gravieren. Dazwischen versteckte er in Epoxidharz gegossene DNA-Proben von 25 Menschen, Spuren exotischer Pflanzen und die gefriergetrockneten Bärtierchen.

Diese Kreaturen wurden für die Mondlandung ausgewählt, weil Bärtierchen die erstaunlichsten Überlebenskünstler unter den bisher bekannten Lebewesen sind. Sie kommen ohne Sauerstoff aus und lassen sich nach vielen Monaten im tiefgekühlten Zustand aufwärmen und wieder zum Leben erwecken. Vor zehn Jahren hatten Forscher der Universität Stuttgart die Lebewesen mit einer russischen Rakete ins All geschickt. Nach zehn Tagen im Orbit trafen die Tierchen wieder in Stuttgart ein, und die Forscher stellten fest: Obwohl sie dem Vakuum, der Kälte und sogar der UV-Strahlung schutzlos ausgesetzt waren, liessen sich einige von ihnen wiederbeleben.

Auf der Erde sind Bärtierchen, fachlich Tardigrada, dort anzutreffen, wo es nass ist: im Meer, im Süsswasser und in Moos. Biologen haben festgestellt, dass sie das Wasser ihrer Zellen durch Proteine ersetzen, wenn der Stoffwechsel pausiert. Wie totes Material können sie jahrelang im ausgetrockneten Zustand überdauern. Auch den Absturz auf dem Mond dürften sie überstanden haben, versicherte Spivack dem US-Magazin Wired. Die Nickelscheiben mit dem Epoxidharz seien gut verpackt gewesen.

Erstellt: 07.08.2019, 14:59 Uhr

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