Das sind die grössten Klimasünder in Europa

Die UNO-Klimakonferenz sucht derzeit nach Lösungen zum CO2-Problem. Wir zeigen, welche Länder die grössten Emissionen verantworten und wo die Schweiz steht.

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Seit Montag tagt in Bonn die UNO-Klimakonferenz, die grösste internationale Konferenz, die je in Deutschland stattgefunden hat. 25’000 Teilnehmer wollen bis 17. November neue Lösungen finden im Kampf gegen die globale Erwärmung, ansteigende Meeresspiegel und zunehmende Wetterextreme. Im Fokus steht dabei einmal mehr die Reduktion des Ausstosses an Treibhausgasen. Denn die Welt produziert jedes Jahr mehr Kohlendioxid.

In den letzten vierzig Jahren hat sich der globale CO2-Ausstoss mehr als verdoppelt. 1975 betrug er noch knapp 16’900 Millionen Tonnen, 2013 schon gut 35’800 Millionen Tonnen. Im vergangenen Jahr warnte die Weltorganisation für Meteorologie, die Konzentration an CO2 in der Erdatmosphäre sei noch nie so hoch gewesen. Gleichzeitig geht der Umbau auf erneuerbare Energieträger nur langsam voran.

In Europa ist die Entwicklung erfreulicher. Zwischen 1990 und 2015 nahmen die Treibhausgasemissionen um 16,4 Prozent ab. Betrachtet man nur die 28 EU-Länder, waren es sogar 22 Prozent. Damit hat die Europäische Union eines ihrer Kernziele für das Jahr 2020 schon erreicht: Verringerung des Ausstosses um 20 Prozent gegenüber dem Stand von 1990. Will sie die 40 Prozent bis 2030 und die 80–95 Prozent bis 2050 erreichen, braucht es aber noch viele Anstrengungen.

5052 Millionen Tonnen CO2 und andere Treibhausgase verursachten die EU-Staaten zusammen mit Island, Liechtenstein, Norwegen, der Schweiz und der Türkei im Jahr 2015. Nicht alle tragen gleich stark zu den hohen Emissionen bei. Zwischen den Ländern gibt es erhebliche Unterschiede, wie die aktuellsten Zahlen von Eurostat, dem Statistischen Amt der EU, zeigen.

Deutschland ist für mehr als 18 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich und damit mit Abstand Europas grösster Klimasünder. Hauptgrund dafür ist die hohe Abhängigkeit des Landes von Kohlestrom. Dahinter folgen Grossbritannien, die Türkei und Frankreich mit jeweils über 9 Prozent. Zusammen mit Polen, Spanien, Holland, Tschechien und Belgien produzieren diese Länder vier Fünftel aller Emissionen.

Die Schweiz gehört zu denen, die vergleichsweise nur einen kleinen Teil dazu beitragen. 53,1 Millionen Tonnen CO2 und andere Treibhausgase hat sie 2015 verursacht, das sind 1,1 Prozent der europäischen Gesamtmenge. Im Vergleich von 33 Ländern landet sie damit auf dem 21. Platz, schneidet also besser ab als zwei Drittel der anderen europäischen Staaten.

Dass die Schweiz so gut dasteht, hat auch mit dem Fortschritt zu tun, den sie zwischen 2010 und 2015 erzielte. In diesen fünf Jahren reduzierte sie ihre Emissionen um 5,7 Millionen Tonnen beziehungsweise fast 9,6 Prozent. Es gibt allerdings einige europäische Länder, die in dieser Hinsicht noch besser unterwegs sind, darunter die Nachbarn Italien und Frankreich.

Am besten haben in diesem Zeitraum die skandinavischen Länder Finnland (–25,6 Prozent) und Dänemark (–22,3) ihre Umweltbilanz aufgebessert. Die Türkei hingegen hat sich als eines von nur zwei Ländern negativ entwickelt und produzierte 2015 über 17 Prozent mehr Treibhausgase als noch fünf Jahre zuvor.

Von den globalen Emissionen macht das Land am Bosporus allerdings nur etwa ein Prozent aus. Der Anteil Europas bewegt sich bei einem Zehntel. Mit Abstand der grösste Klimasünder der Welt ist absolut betrachtet China, das für bis zu 30 Prozent der Treibhausgase verantwortlich ist. Auf dem unrühmlichen zweiten Platz folgt die USA mit etwa 15 Prozent. Werden die CO2-Emissionen allerdings ins Verhältnis zur Bevölkerung gesetzt, sieht das Ganze anders aus. In den Vereinigten Staaten wurden im Jahr 2014 mehr als 16 Tonnen CO2 pro Kopf verursacht. In Deutschland waren es 8,9 und in China 7,5 Tonnen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.11.2017, 14:16 Uhr

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