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Der Müll, die Stadt und der Tod

Eine Langzeitstudie an Schwarzbären in den USA zeigt die negativen Folgen des urbanen Lebens: zu viel Nahrung aus Müllcontainern, Übergewicht – und ein früher Tod.

Wühlen im Müll statt Jagd in der Wildbahn: Zwei Amerikanische Schwarzbären bei der Nahrungssuche
Wühlen im Müll statt Jagd in der Wildbahn: Zwei Amerikanische Schwarzbären bei der Nahrungssuche
Jon Beckmann, Wildlife Conservation Society

Kartoffelchips, Schokoriegel, Cheeseburger: Müllcontainer in besiedelten Gebieten ziehen bekanntermassen Füchse, Wildkatzen und andere Tierarten an, die sich sonst von der Jagd ernähren müssten. Welche Folgen die veränderte Lebensweise für die Tiere auf lange Sicht hat, haben nun amerikanische Wildbiologen untersucht – am Beispiel von Ursus americanus, dem Schwarzbären, der im Bundesstaat Nevada relativ stark verbreitet ist.

Jon Beckmann von der Wildlife Conservation Society und sein Kollege Carl Lackey von der Wildtier-Behörde in Nevada wählten für diese Vergleichsstudie insgesamt 22 Bären aus: 10 Tiere, die in der Wildnis lebten, und 12 Exemplare, deren Aufenthaltsorte laut Peilsendern zu mindestens 90 Prozent in städtischen Gebieten lagen. Diese Tiere, allesamt weiblich, definierten sie als «urbane Bären» – und analysierten ihre Lebensweise, Fruchtbarkeit und andere Daten für den Zeitraum von 1997 bis 2006.

Die Stadt als Babylon für Bären

Wie die Langzeitstudie in der Region um den Tahoe-See zeigte, erliegen städtische Bären den Reizen des bequemen Lebens rasch. Weil Nahrungsmittel in Müllsäcken und Containern überreichlich zur Verfügung steht, stieg ihr Body-Mass-Index an – sie wogen um bis zu 30 Prozent mehr, weil der Aufwand für die Ernährung geringer ist als in der freien Wildbahn.

Zudem veränderte sich laut dem Fachartikel für das Magazin «Human-Wildlife Conflicts» das Fortpflanzungsverhalten der untersuchten Tiere: Manche bekamen schon mit drei Jahren erstmals Nachwuchs, und durch die frühe Geschlechtsreife, also im Alter von vier und fünf Jahren, war die Anzahl ihrer weiblichen Nachkommen bereits höher als bei den wild lebenden Bärinnen. Dieses Phänomen verstärkte sich ab dem Alter von sieben Jahren nochmals, während die Artgenossinnen in der freien Wildbahn ab etwa neun Jahren deutlich mehr Geburten verzeichneten.

Tod durch Kollisionen mit Autos

Das bequeme Stadtleben führte bei den untersuchten Tieren gleichwohl nicht zu einer höheren Population: Die urbanen Bären starben allesamt, bevor sie zehn Jahre alt wurden – nicht wegen Bewegungsmangel oder verfaulter Nahrung aus Müllcontainern, sondern durch Kollisionen mit Autos, denen laut den Biologen im untersuchten Zeitraum auch viele Jungtiere zum Opfer fielen.

Unter dem Strich ist die Sterblichkeit unter Stadtbären so hoch, dass sie die gesteigerte Fruchtbarkeit übertraf. Trotz der Vorzüge des urbanen Umfelds, so die Forscher, vergrössert sich die Population solcher Bären deshalb nicht. Und weil die Tiere offenbar nicht in der Lage sind, zu einem späteren Zeitpunkt wieder die Wildnis zu besiedeln, werden Stadtgebiete, wie Jon Beckman formuliert, immer mehr zur «ultimativen Bärenfalle».

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