«So hoch war die Lawinengefahr letztmals vor neun Jahren»

SRF-Meteorologin Daniela Schmuki erklärt die besondere Wetterlage im Wallis.

Im Wallis sind bis zu 50 Zentimeter Neuschnee gefallen. (Video: Leserreporter)

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Warum hat es im Wallis in den letzten Tagen so heftig geschneit?
Wir befanden uns in einer ganz speziellen Südströmung, einer Föhnlage. Der Föhn kam aber nicht direkt von Süden, sondern von Südosten. Das heisst, die feuchte Luft ist Richtung Vispertäler und Simplongebiet gedrückt worden. Das ist eine Wetterlage, die wir in der Region Lauberhorn als Guggiföhn kennen. Der hat heute Morgen in der Region Lauberhorn auch mit Geschwindigkeiten von bis zu 150 km/h gewütet. In den Vispertälern und gerade in Zermatt redet man von der Rofel-Lage, weil der Wind von den Rofelhörnern herkommt.

Die Rofel-Lage bringt dem Wallis den Schnee?
Ja. Dieser Südostwind drückt die Schneewolken Richtung Südwallis. Je näher man an der Grenze zu Italien ist, umso mehr Schnee hat es gegeben. Bis heute Morgen gab es in den Tälern Messungen von 30 bis 50 Zentimeter Neuschnee, zum Teil noch viel mehr auf den Bergen.

50 Zentimeter Neuschnee klingt nicht nach aussergewöhnlich viel.
Das ist nur die Messung der letzten 24 Stunden. Es hat vorher schon viel geschneit. Wenn man die Bilder anschaut, liegt meterhoch Schnee. Die Schneemengen sind also sehr hoch.

Sorgt das für die sehr hohe Lawinengefahr?
Der viele Schnee zusammen mit dem Wind ist eine kritische Mischung. Darum ist die Lawinengefahr so gross in den Vispertälern und der Simplonregion. Dort herrscht Stufe 5 von 5, die nicht oft vorkommt.

Gefahrengebiet Südwallis – die Übersicht

Wie selten ist diese hohe Lawinengefahr?
Gemäss dem Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos kam es letztmals vor neun Jahren zur Stufe 5. Am 15. Dezember 2008 gab es eine ähnliche Wetterlage wie heute. Davor wurde die Stufe höchste Stufe alle 3 bis 4 Jahre ausgerufen. Es erstaunt nicht, dass es im Lawinenwinter 1999 sogar mehrere Tage mit sehr grosser Lawinengefahr hintereinander gegeben hat.

Hat die besondere topografische Lage des Wallis einen Einfluss auf das Wetter?
Das kann man eigentlich für den ganzen Alpenraum sagen. Jedes Tal hat sein eigenes Wetter und eine eigene geografische Orientierung. Je nachdem, wie die Strömung darüberzieht, kann kalte oder feuchte Luft gestaut werden oder kann es zu Föhneffekten kommen.

Schneit es noch weiter?
Die grossen Schneefälle gehen heute noch weiter, am Abend klingen sie im Südwallis langsam ab. Auf morgen ändert die Windrichtung und die Wetterlage. Das SLF wird heute um 17 Uhr die Lawinensituation neu beurteilen.

Und wie sieht es aufs Wochenende hin aus?
Es ist noch kein klarer Trend in Sicht. Man sieht keine längere Hochdrucklage, keinen massiven Kälteeinbruch und es sieht aber auch nicht mehr nach einer Südostföhnlage aus, also keine weiteren Starkschneefälle im Südwallis und vor allem kein störender Guggiföhn zur Lauberhornabfahrt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.01.2018, 13:02 Uhr

Daniela Schmuki ist Umweltnaturwissenschaftlerin ETH und arbeitet als Meteorologin beim SRF. (Bild: srf)

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