Die fliegenden Bakterienschleudern

Vom Kot aufs Kotelett: Fliegen übertragen Krankheiten in viel grösserem Ausmass als gedacht.

351 verschiedene Bakterienarten fanden Forscher in und auf dem Körper von Stubenfliegen. Viele der Keime sind Krankheitserreger. Foto: iStock

351 verschiedene Bakterienarten fanden Forscher in und auf dem Körper von Stubenfliegen. Viele der Keime sind Krankheitserreger. Foto: iStock

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Man hat ja schon geahnt, dass Stubenfliegen mit ihren rötlichen Facettenaugen, ihrem haarigen Körper und dem Saugrüssel, der alles abtastet, nicht so harmlos sind, wie sie manchmal wirken. Eine Untersuchung in der Fachzeitschrift «Scientific Reports» zeigt nun, dass die Insekten Krankheitserreger auch in viel grösserem Ausmass übertragen als gedacht. Stuben- wie auch Schmeissfliegen würden als Überträger vollkommen unterschätzt, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Veröffentlichung.

Die Insektenforscher fingen 116 Stuben- und Schmeissfliegen an verschiedenen Orten in den USA, Brasilien und Singapur ein. Anschliessend untersuchten sie mit Erbgutanalysen das Mikrobiom der Tiere, also die Bakterien, die auf und in ihrem Körper leben. Sie fanden mehr als 600 verschiedene Keime: 351 auf den Hausfliegen und 316 auf der Schmeissfliege. Viele davon sind als Krankheitserreger bekannt und verursachen beispielsweise Magen-Darm-Erkrankungen, Blutvergiftung und Lungenentzündung.

Kot und eiternde Wunden ziehen die Insekten an

Während die von den Forschern untersuchte Schmeissfliegenart Chrysomya megacephala in der Schweiz nicht vorkommt, gibt es Stubenfliegen (Musca domestica) wie beinahe überall auf der Welt auch in Mitteleuropa. Die lästigen Insekten setzen sich gerne auf die Haut von Menschen, weil sie dort Nahrung finden, winzige Hautschuppen zum Beispiel.

Ausserdem trinken sie gerne Schweiss, der Proteine enthält. Daher locken schwitzende Menschen wie Jogger oder Touristen am Strand besonders viele Fliegen an. Das allein wäre noch nicht so schlimm, schliesslich saugen Stubenfliegen anders als beispielsweise Malariamücken kein Blut. Allerdings hegen die Tiere nicht nur eine Vorliebe für Schweiss, sondern für alle Arten menschlicher und tierischer Körperausscheidungen: Kot zieht die Insekten ebenso an wie eiternde Wunden.

Man stellt sich also besser nicht so genau vor, was eine Fliege so hinter sich hat, die sich auf der Haut oder auf dem fürs Picknick mitgebrachten Schinken niederlässt.

Den Weg weist ihnen der Geruch von Buttersäure, eine Substanz, die bei den meisten Fäulnisprozessen entsteht und die Fliegen riechen können. Dazu kommt, dass die Weibchen ihre Eier an aus menschlicher Sicht möglichst ekelhaften Orten ablegen. Hauptsache, es handelt sich um organisches Material, das sich gerade zersetzt oder vor sich hin fault: Das können verdorbene Nahrungsmittel sein, Müll, Exkremente oder Kadaver. Die kopf- und beinlosen Fliegenlarven, die aus den Eiern schlüpfen und verschiedene Stadien durchlaufen, fressen alles. Man stellt sich also besser nicht so genau vor, was eine Fliege so hinter sich hat, die sich auf der Haut oder auf dem fürs Picknick mitgebrachten Schinken niederlässt.

Dass die Insekten Bakterien von einem Ort an den anderen transportieren können, also zum Beispiel vom Kadaver eines überfahrenen Igels, in den sie ihre Eier gelegt haben, auf den frisch gebackenen Kuchen, von dem sie Zucker schlecken, haben die Wissenschaftler mit einem einfachen Experiment nachgewiesen.

Bakterien an den Beinen und Flügeln

Sie sperrten Fliegen in Petrischalen mit Deckel ein, in denen das Bakterium Escherichia coli auf einer Nährsubstanz wuchs. Dann liessen sie die Insekten über sterile Platten mit Nährsubstanz laufen, die sie anschliessend für einige Stunden in einen Brutschrank stellten. Dort vermehrten sich die von den Fliegen übertragenen Bakterien so stark, dass die Kolonien schon nach kurzer Zeit mit blossem Auge zu erkennen waren.

Die Escherichia-coli-Kolonien wuchsen genau dort, wo die Fliegen gelaufen waren. An einigen Stellen waren sogar einzelne Fussabdrücke zu erkennen. «Die meisten Bakterien haben wir an den Beinen und den Flügeln der Fliegen gefunden», sagt Donald Bryant von der Pennsylvania State University, einer der Autoren der Studie.

Verursacher von Magenkrankheiten

Andere Untersuchungen haben gezeigt, dass Fliegen Bakterien auch von einem Ort an einen anderen transportieren können, indem sie die Keime verschlucken und dann entweder hochwürgen oder mit dem Kot ausscheiden.

Am meisten überrascht hat die Wissenschaftler, dass sie am Körper der untersuchten Schmeissfliegen - nicht der Stubenfliegen - Bakterien der Art Helicobacter pylori gefunden haben. Dieser Keim gilt als Verursacher verschiedener Magenkrankheiten, speziell von Geschwüren. Wie Menschen sich mit diesem Keim anstecken, ist bis heute nicht ganz klar. Die Fliegen haben sich das Bakterium wahrscheinlich eingefangen, als sie es sich in einer Toilette schmecken liessen.

Erstellt: 05.12.2017, 16:20 Uhr

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