Die Weltbevölkerung wächst weiter – aber die Wende ist in Sicht

Laut der UNO wird es auf einigen Kontinenten sogar zu einem Bevölkerungsrückgang kommen – in Europa schon ab kommendem Jahr.

China wird in 80 Jahren nicht mehr das bevölkerungsreichste Land der Welt sein: Einwohner von Qingdao am Strand. Foto: Getty Images

China wird in 80 Jahren nicht mehr das bevölkerungsreichste Land der Welt sein: Einwohner von Qingdao am Strand. Foto: Getty Images

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Das gibt es äusserst selten: Die UNO hat ihre Bevölkerungsprognose nach unten korrigiert. Bis vor kurzem nahm sie noch an, dass im Jahr 2100 rund 11,2 Milliarden Menschen auf der Erde leben werden. Jetzt geht sie von nur noch knapp 10,9 Milliarden aus.

Das sind 3,2 Milliarden Menschen mehr, als es momentan gibt. Die Weltbevölkerung wird also weiter wachsen – allerdings in einem immer geringeren Tempo.

Zwischen 1950 und heute lag die jährliche Wachstumsrate zwischen 1 und 2 Prozent. Dadurch verdreifachte sich die Weltbevölkerung von 2,5 auf 7,7 Milliarden. Seit mehr als fünfzig Jahren nimmt die Rate aber fast kontinuierlich ab. Trifft die Prognose der UNO ein, wird sie Ende dieses Jahrhunderts bei 0,1 Prozent angelangt sein. Das heisst: Das Wachstum der Weltbevölkerung wird fast zum Stillstand kommen.

Hauptgrund für diese Entwicklung sind sinkende Geburtenraten in immer mehr Ländern. 1960 brachte eine Frau im globalen Durchschnitt fünf Kinder zur Welt. Heute sind es noch halb so viele, und 2100 werden es nur noch 1,9 Babys sein.

Das liegt unter der sogenannten Generationen-Ausgleichsquote von 2,1 Kindern pro Frau. Sie gibt an, wie viele Geburten nötig sind, um die Sterberate auszugleichen. Eine Quote unter 2,1 führt dazu, dass die Bevölkerungszahlen der jüngeren Generationen im Vergleich zu denen ihrer Eltern allmählich abnehmen.

Asien liegt mit durchschnittlich 2,15 Kindern pro Frau momentan gerade noch über dieser Grenze. Die Bevölkerung des Kontinents wird deshalb weiter wachsen – aber nur noch bis etwa 2045. Dann tritt zuerst Stagnation und später sogar ein Bevölkerungsrückgang ein. Im Jahr 2100 wird Asien wieder etwa gleich gross sein wie heute.

Europa hat seinen Peak sogar schon jetzt erreicht. Mit 1,6 Kindern pro Frau hat es die tiefste Geburtenrate aller Kontinente und wird ab dem kommenden Jahr oder spätestens ab 2021 nicht mehr weiter wachsen. Danach kommt es zu einer deutlichen Abnahme. Heute leben in Europa 747 Millionen Menschen, Ende des Jahrhunderts werden es nur noch etwa 629 Millionen sein.

Dass die Weltbevölkerung trotzdem grösser wird, ist vor allem dem afrikanischen Kontinent geschuldet. Er ist für mehr als die Hälfte des globalen Wachstums in den nächsten drei Jahrzehnten verantwortlich. Die Bevölkerung Afrikas wird sich bis dahin fast verdoppeln und bis 2100 sogar mehr als verdreifachen: von 1,3 auf 4,3 Milliarden.

Dadurch verändert sich die Verteilung der Weltbevölkerung grundlegend. Heute stellt Asien 60 Prozent aller Menschen. Dieser Anteil wird bis 2100 auf 43 Prozent zurückgehen. Auch Europa und Lateinamerika verlieren an Bedeutung. Der Anteil Afrikas hingegen wird von derzeit 17 auf über 39 Prozent anwachsen.

Ende des Jahrhunderts befinden sich den Prognosen zufolge fünf der zehn grössten Länder der Welt in Afrika: die Demokratische Republik Kongo, Äthiopien, Tansania, Ägypten sowie Nigeria, das die USA mit über 700 Millionen Einwohnern auf Platz drei ablösen wird. Das mit Abstand bevölkerungsreichste Land wird aber Indien sein, das China schon um 2027 überholt und bald 1,45 Milliarden Menschen zählt.

Ein Grossteil des globalen Wachstums findet in Entwicklungsländern statt, was den Druck auf vielerorts ohnehin schon strapazierte Ressourcen erhöht. Ausserdem dürfte sich gerade auf dem afrikanischen Kontinent das Problem mit extremer Armut verstärken.

Europa wird mit ganz anderen Herausforderungen konfrontiert sein. Der Trend der Verstädterung wird sich akzentuieren. Und vor allem wird die Bevölkerung immer älter und damit auch die Last der Älteren grösser, da sie gegenüber den Jüngeren in der Überzahl sind. Der Rückgang der Geburtenraten und der Bevölkerungszahl könnte für den Kontinent also zum Problem werden.

Erstellt: 19.07.2019, 18:35 Uhr

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