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DNA-Analyse lässt kein gutes Haar an Yeti

Der «indische Yeti», den ein Hobbyforscher gefunden zu haben glaubte, existiert offenbar nicht. Die gefundenen Haare stammen laut britischen Medien von einer Himalaya-Ziege.

Guter Kletterer, aber harmlos: Die Art Naemorhedus goral lebt in den Höhen des Himalaya.
Guter Kletterer, aber harmlos: Die Art Naemorhedus goral lebt in den Höhen des Himalaya.
City Zoo, Kyoto, Japan

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Nachdem der Schneemensch im Himalaya, allgemein Yeti genannt, trotz vieler anders lautender Gerüchte während Jahrzehnten nie nachweislich gesehen wurde, hatten sich die Sichtungen zwischenzeitlich auf andere Weltregionen konzentriert. Grosse Fussabdrücke hatten Yeti-Gläubige auf die Spur eines «Dschungel-Yeti» in Sumatra gebracht – und erst im vergangenen Sommer war der passionierte Sucher Dipu Marak mit erregenden Neuigkeiten an die Öffentlichkeit getreten.

Ein kniffliges Rätsel für Biologen

Laut einem Bericht des britischen Senders BBC hatte Marak in den Garo-Bergen im indischen Staat Meghalaya ein affenartiges Drei-Meter-Geschöpf mit gewaltigen Kräften ausgemacht, das sich von Früchten, Wurzeln und Baumrinde ernähre – ein urtümlicher «Waldmensch» statt weisser Yeti also. Als Beleg überreichte er Reportern der britischen BBC zwar keine Fotos, aber eine Handvoll gefundener Haare. Der rasch beigezogene Primatenkundler Ian Redmond von National History Musueum in Oxford bezeichnete diesen Fund als «potenziell sehr spannend», zumal die Haare eine gewisse Ähnlichkeit mit jenen aufwiesen, die der Mount-Everest-Bezwinger Sir Edmund Hillary einst von seinen Reisen heimgebracht hatte.

Nach ersten mikroskopischen Untersuchungen wurden die Haare zu DNA-Analyse in in die Vereinigten Staaten geschickt. Man verglich das Erbgut in mühevoller Arbeit mit den Genen von Tierarten, die bekanntermassen in den Garo-Bergen leben – und wurde schliesslich fündig. Es handelt sich, wie die britischen Journalisten nun berichten, um Haare des Grauen Gorals, eines Paarhufers aus der Gruppe der Ziegenartigen, die den Himalaya in Wäldern südlichen Tibet, Pakistan, Indien und anderen Länder bewohnen – allerdings in einer Höhe von bis zu 4000 Metern über dem Meeresspiegel.

Immerhin eine kleine Entdeckung

Haarfinder Dipu Marak äusserte sich hinsichtlich dieses Resultates zwar enttäuscht, doch er gibt sich weiterhin von der Existenz des Waldmannes überzeugt: Zu viele Menschen hätten das Wesen gesehen, als dass es sich um einen blossen Mythos handeln könne. Dass Maraks Suche damit abgeschlossen ist, erscheint also unwahrscheinlich – vielleicht sogar zum Vorteil der Wissenschaft, wie Ian Redmond betont.

«Wir haben vielleicht keinen Yeti gefunden, aber eine bescheidenere Entdeckung gemacht», sagte der Biologe gutmütig, «die angegebene Fundstelle der Haare liegt weit südlich der bislang verzeichneten Orte, an denen die Goral-Art leben soll.»

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