Dort oben, wo die Bäume wandern

Rund um einen Roten Zwerg wurden gleich drei erdartige Planeten entdeckt. Wer sind ihre Bewohner?

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Diese Woche entdeckte ein Team von Astronomen gleich drei erdähnliche Planeten. Sie kreisen alle um denselben Stern, Trappist-1, einen Roten Zwerg mit nur 8 Prozent der Masse und 12 Prozent des Radius unserer Sonne. Und sie liegen alle drei in der habitablen Zone – wo Wasser weder gefriert noch kocht.

Die interessante Frage dabei ist: Wie sehen die möglichen Bewohner auf diesen Planeten aus? Die Frage ist umso relevanter, da die Zahl von erdähnlichen Planeten allein in der Milchstrasse auf zehn Milliarden geschätzt wird, und 75 Prozent davon kreisen um Rote Zwerge.

Rote Zwerge sind extrem langlebig – bis zu einer Billion Jahre. Tückisch sind sie eigentlich nur in ihrer frühesten Kindheit, der ersten Milliarde Jahre.

Zwar ist in Sachen Ausserirdische vieles offen. Aber einiges lässt sich sagen. Das dank dem Buch «Da draussen» des Zürcher Astronomieprofessors Ben Moore. Dieses ist ein beneidenswert elegantes Werk über Astrobiologie und beschreibt so realistisch wie möglich die Bedingungen für ausserirdische Lebensformen.

Rote Zwerge sind extrem langlebig – bis zu einer Billion Jahre. Tückisch sind sie eigentlich nur in ihrer frühesten Kindheit, der ersten Milliarde Jahre. Mal verdunkeln Flecke für Monate das Licht um 40 Prozent, mal drehen Eruptionen die Helligkeit innert Minuten um das Doppelte auf. Wird die Atmosphäre der Planeten in dieser Phase nicht weggeblasen, ist Leben möglich.

Die Rotation dieser Planeten passt sich dem Stern an, so wie sich der Mond der Erde anpasste. Der Planet wendet seinem Stern immer dieselbe Seite zu.

Es ist ein sehr fremdes Leben. Da die Roten Zwerge vergleichsweise kühl sind, müssen Planeten in der bewohnbaren Zone sehr nah beim Stern liegen – bis zu 100-mal näher als die Erde zur Sonne. Das hat Folgen: Die Rotation dieser Planeten passt sich dem Stern an, so wie sich der Mond der Erde anpasste. Der Planet wendet seinem Stern immer dieselbe Seite zu: Die eine Hälfte liegt im ewigen Licht, die andere in ewiger Dunkelheit und Kälte.

Leben ist an der Grenze zwischen den beiden Hälften möglich. Es ist ein Leben in dem ewigen Wind, der von der Tag- zur Nachtseite weht. Da der Wind alle Wolken mitnimmt, entsteht im Zentrum der Tagseite eine gigantische Wüste.

Entsteht Leben, haben die Kreaturen rund um einen Roten Zwerg mehrere interessante Eigenschaften. Da das Licht ohne Nachtpause leuchtet, werden sie eventuell weder Schlaf noch Traum kennen. Und noch wichtiger: Fotosynthese generiert wesentlich mehr Energie. In einer der ersten Romane über Ausserirdische auf Roter-Zwerg-­Planeten schrieb der Science-Fiction-Autor Olaf Stapledon 1937 von Wesen, die «zugleich Tier und Pflanze» seien. Moore zitiert ihn zustimmend. Auf diesen Planeten hätten Bäume genug Energie, sich das Denken und das Laufen leisten zu können. Selbst grössere Tiere hätten genug Körper­fläche, sich durch Fotosynthese zu ernähren.

Klar ist: Wer interstellare Raumfahrt beherrscht, wird an Technik und Intelligenz weit überlegen sein. Aber nicht unbedingt an Charakter.

Da das Licht der Roten Zwerge fast keinen Anteil an Blau- und Grünwellen enthält, würden uns die Blätter der wandernden Bäume fast völlig schwarz vorkommen. Und wir ihnen absurd.

Das deshalb, weil Augen eigentlich nur die Energie des Lichtes messen, das ein Gegenstand reflektiert. Farben sind dabei nur ein eleganter Trick des Gehirns. Dabei sind die Augen an das jeweilige Spektrum des Herkunftssterns angepasst. Und genau das könnte zur Katastrophe führen, falls die Bewohner eines solchen Planeten eines Tages mit einem Raumschiff an unserem Planeten vorbeikommen. (Trappist-1 ist nur 40 Lichtjahre entfernt.) Klar ist: Wer interstellare Raumfahrt beherrscht, wird an Technik und Intelligenz weit überlegen sein. Aber nicht unbedingt an Charakter: Denn dieser hat sich auch bei der Menschheit bei aller Entwicklung der Technik nur minimal verändert.

Und das Schlimmste, was wir tun können, ist, die Ausserirdischen mit dem Besten, was wir haben, gnädig zu stimmen versuchen: mit Kunst und Musik.

Und das Schlimmste, was wir tun können, ist, die Ausserirdischen mit dem Besten, was wir haben, gnädig zu stimmen versuchen: mit Kunst und Musik. Da die Augen der Ankömmlinge für ein Rotspektrum entwickelt wurden, werden unsere Gemälde für sie fast nur schwarze Flecken enthalten, während umgekehrt wir ihre Bilder nur als Rudolf-Steiner-mässige Sauce aus Rot, Orange und Purpur sehen werden. Und da Ohren an die jeweilige Dichte der Atmosphäre angepasst sind, wird sämtliche irdische Musik, von Beethoven bis Beatles, für sie nur scheusslich klingen. Und weiss der Teufel, was sie denken, wenn ihr erster Eindruck ein Veganerrestaurant ist: wo Pflanzen tatsächlich GEGESSEN werden.

Was heisst das alles für unsere Begegnung mit ihnen? Es heisst das: Im besten Fall werden wir ignoriert, im schlimmsten Fall vernichtet. Das Einzige, was wir bei diesen Ausserirdischen nicht zu fürchten haben, ist Musikpiraterie.

Erstellt: 06.05.2016, 23:53 Uhr

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