«Ein katastrophales Scheitern der Brut»

In der zweitgrösste Kaiserpinguin-Kolonie der Welt hat seit drei Jahren praktisch kein Küken überlebt.

Können sich derzeit kaum mehr fortpflanzen: Kaiserpinguine in der Halley-Bucht der Antarktis. Peter Fretwell/British Antarctic Survey/AP/Key

Können sich derzeit kaum mehr fortpflanzen: Kaiserpinguine in der Halley-Bucht der Antarktis. Peter Fretwell/British Antarctic Survey/AP/Key

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Angesichts der fortschreitenden Eisschmelze in der Antarktis hat die zweitgrösste Kaiserpinguin-Kolonie der Welt in den vergangenen drei Jahren praktisch keinen Bruterfolg mehr gehabt. Das ist das alarmierende Ergebnis der Studie British Antarctic Survey (BAS), die am Welttag der Pinguine am Donnerstag veröffentlicht wurde. Zu der Kolonie in der Halley-Bucht im Weddell-Meer gehören demnach normalerweise bis zu 25'000 Brutpaare.

Die Wissenschaftler nutzen seit einem Jahrzehnt hochauflösende Satellitenbilder, um die Grösse der Halley-Bucht-Kolonie und anderer Pinguin-Kolonien zu analysieren. Anhand der Dichte der Population lasse sich ihre Zahl schätzen, erläuterte BAS-Experte Peter Fretwell. 2016 habe ungewöhnlich warmes und stürmisches Wetter zu Brüchen des Meereseis geführt, auf dem die Kaiserpinguine üblicherweise brüten. In dieser Brutsaison habe den Satellitenbildern zufolge fast keines der Küken überlebt.

Die Halley-Bucht in der Antarktis:

2017 und 2018 wiederholte sich dieser Misserfolg. Über drei Jahre hinweg habe es also «ein katastrophales Scheitern der Brut» gegeben, erklärte Fretwell. Die Kolonie von der Halley-Bucht sei dadurch «so gut wie verschwunden», schrieben die Studienautoren. Dafür sei eine Pinguin-Kolonie in der Nähe deutlich gewachsen. Viele der Pinguine aus der Halley-Bucht hätten hier nach sichereren Brutbedingungen gesucht.

BAS-Pinguin-Experte Phil Trathan erklärte, es sei ungewiss, ob das Aufbrechen der Eisflächen an der Halley-Bucht durch den Klimawandel verursacht wurde. «Aber solch ein vollständiger Misserfolg beim Brüten ist an diesem Ort noch nie da gewesen.»

Kaiserpinguine sind die grösste Pinguin-Art überhaupt, sie werden bis zu 1,30 Meter gross. Sie leben rund um den Südpol. Angesichts der Erderwärmung droht ihr Bestand bis zum Ende dieses Jahrhunderts um bis zu 70 Prozent zu schrumpfen. In einer Studie aus dem Jahr 2015 wurde empfohlen, Kaiserpinguine auf die Rote List der bedrohten Arten aufzunehmen.

Pinguin-Forscher Klemens Pütz sagte jüngst, von den insgesamt 18 Pinguin-Arten weltweit seien elf «mehr oder weniger bedroht». Die Vögel seien sehr wichtig für ihre jeweiligen Ökosysteme. Ausserdem seien sie eine «Indikatorspezies». «Das heisst, wenn es einem Pinguin gut geht in seiner Umgebung, ist das Ökosystem weitestgehend in Ordnung und jede Veränderung macht sich sofort bei den Pinguinen bemerkbar», erläuterte Pütz. (AFP)

Erstellt: 25.04.2019, 13:20 Uhr

Artikel zum Thema

Schwule Pinguine ziehen Küken auf

Video Im Sea Life Aquarium in Sydney brüteten zwei männliche Pinguine ein Baby aus. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Hier hängt keine Werbung an den Wänden: Eine Frau schaut auf ihr Handy, während sie in einer U-Bahn in Pjöngjang eine Rolltreppe hinauf fährt. (19. Juni 2019)
(Bild: Ed Jones) Mehr...