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Eine schöne Schweinerei

Schweine eignen sich nicht nur als Fleischlieferant, sondern auch als Drogenfahnder. Zu Unrecht werden diese intelligenten Tiere als dick und hässlich verspottet.

Barbara Reye
Schweinchen klug: Wer sich im Dreck suhlt, schützt seine Haut vor gefährlicher UV-Strahlung und Sonnenbrand. Foto: Gert van den Bosch
Schweinchen klug: Wer sich im Dreck suhlt, schützt seine Haut vor gefährlicher UV-Strahlung und Sonnenbrand. Foto: Gert van den Bosch

Wenn ein Schwein mit offenem Mund frisst und alles in sich ­hineinstopft, macht es seinem Namen offenbar alle Ehre. Denn es ist jedes Mal eine mehr oder weniger grosse Schweinerei, insbesondere bei feuchtem Futter. Doch das berühmt-berüchtigte Borstenvieh «Sus scrofa domesticus» kann gar keine besseren Tischmanieren an den Tag legen, wie Richard Lutwyche in seinem jetzt erschienenen Buch «Das Schwein» schildert.

Denn beim Schwein machen die Unterkiefer anstatt rollender Kieferbewegungen nur ­vertikale. Dies führt dazu, dass Brocken am Mundwinkel hängen bleiben und sich nicht mehr elegant zurückholen lassen. Hinzu kommt, dass Schweine einen angeborenen Drang haben, mit anderen um das Futter zu wetteifern. Dies liegt daran, dass die meisten Sauen mehr als 14 Ferkel auf einmal werfen können, aber nur 12 bis 14 Zitzen besitzen. Kein Wunder, dass sich bei dieser Ausgangssituation die grösseren Frischlinge also nicht brav hintanstellen und warten, sondern die schwächeren Geschwister einfach wegdrängen.

Schnarchen im Schlaf

Über das Schwein kursieren viele Vorurteile. So heisst es unter anderem, dass ein Schweineleben in erster Linie aus Fressen bestehen würde. Doch Schweine halten sich nicht länger am Futtertrog auf als andere Nutztiere wie etwa Rinder. Um seine Nahrung zu verdauen, muss der Allesfresser aber relativ viel schlafen. Ist er im Tiefschlaf, kann er manchmal dabei auch schnarchen.

Die rosafarbenen Säugetiere sind vor allem durch ihre Marotten bekannt. So suhlen sie sich vergnüglich im Dreck, wodurch sie den Ruf eines Dreckschweins erhielten. Doch das Verhalten macht durchaus Sinn und ist sogar notwendig. Denn auf diese Weise können sie sich bei heissen Temperaturen im Sommer abkühlen. Gleichzeitig schützen sie ihre Haut vor einem starken Sonnenbrand.

Vielseitige Kommunikation: Schweine teilen Gefühle wie Furcht, Schmerz, Freude und Frustration meist recht laut mit, indem sie ent­weder grunzen, bellen, schreien oder quieken. Foto: Gert van den Bosch
Vielseitige Kommunikation: Schweine teilen Gefühle wie Furcht, Schmerz, Freude und Frustration meist recht laut mit, indem sie ent­weder grunzen, bellen, schreien oder quieken. Foto: Gert van den Bosch

Eine weitere Eigenart von ihnen ist, dass sie überall erst einmal ihre Schnauze hineinstecken. Während andere Tiere meist mit den Füssen irgendwo neugierig scharren oder graben, erledigen Schweine praktisch alles mit ihrem Rüssel. Frei ­herumlaufende Schweine wühlen im Boden, um Essbares wie Wurzeln, Insekten oder etwa Würmer zu finden. Sie holen sich aber auch reichlich oberirdische Nahrung wie etwa Nüsse, Beeren, Vogeleier, Schnecken, Frösche, Weichtiere, ­Krebse und Aas sowie Feldfrüchte.

In der Gesellschaft wird das Schwein oft nur als reiner Fleischlieferant betrachtet. Denn ein Mastschwein legt in kurzer Zeit enorm an Masse zu. Wiegt ein ­Ferkel nach der Geburt etwa ein Kilo­gramm, bringt es vier Monate später bereits 75 Kilogramm auf die Waage. Zum Vergleich: Ein Menschenbaby kann in den ersten 16 Wochen seines Lebens gerade mal sein Gewicht verdoppeln oder vielleicht verdreifachen.

Seine hoch spezialisierte Nase ist 2000-mal empfindlicher als die eines Menschen. Foto: Gert van den Bosch
Seine hoch spezialisierte Nase ist 2000-mal empfindlicher als die eines Menschen. Foto: Gert van den Bosch

Viele Leute sehen in einem Schwein meist nur den Speck, wie dieser in der Pfanne brutzelt. Eine solche Sichtweise würde dem ungewöhnlich cleveren Tier aber keineswegs gerecht werden. Denn es macht bei manchen ­Aufgaben sogar dem Hund Kon­kurrenz. Schliesslich kann es ebenfalls Schafe hüten, Trüffel ­suchen, auf der Jagd vorstehen und apportieren, Haus und Hof bewachen oder als Zugtier, Drogenfahnder und anhängliches Haustier des Menschen dienen. Allerdings werde man sicherlich auf der Strasse schräg angeschaut, wenn man mit einer 300 Kilogramm schweren Sau einen Spaziergang machen würde, gibt Richard Lutwyche in seinem Buch zu bedenken.

Auch bei der Kommunikation ist das Schwein vielseitig. Es teilt Emotionen wie Furcht, Schmerz, Vorfreude und Frustration meist recht laut mit, indem es ent­weder grunzt, bellt, schreit oder quiekt. Am eindrücklichsten bleibt aber seine hoch spezialisierte Nase, die 2000-mal empfindlicher ist als die eines Menschen.

Betrunkene Schweine

Mensch und Schwein haben eigentlich viel gemeinsam, obwohl dies auf den ersten Blick gar nicht so aussieht. So hat das Schwein trotz seines Vierfüssergangs einen sehr ähnlichen Skelettaufbau. Auch das Herz sowie das Kreislauf- und das Verdauungssystem gleichen dem des Menschen. Kein Wunder, dass momentan intensiv an transgenen Schweinen geforscht wird, um uns eines Tages deren ­Organe zu transplantieren.

Doch damit nicht genug: Dem ­Alkohol ist das pfiffige Schwein ebenfalls nicht abgeneigt. Verhaltensforscher der University of Missouri machten 1977 einen interessanten Versuch und zeigten, dass in einer Gruppe von sieben Schweinen bei einem Trinkge­lage die durcheinandergebrachte Hierarchie schnell wiederhergestellt wird. Der betrunkene ­Anführer verlor durch den übermässigen Alkoholkonsum zwar zuerst seine Machtposition, realisierte dies aber schnell, wurde trocken und gewann seinen Status zurück – Schwein gehabt, könnte man sagen.

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