So können Sie jedes Jahr im Garten ernten

Mehrjährige Gemüsesorten machen weniger Arbeit und sparen Kosten. Unsere Tipps für einen praktischen Garten.

Die Artischocken können erst im zweiten Jahr geerntet werden. Foto: Keystone

Die Artischocken können erst im zweiten Jahr geerntet werden. Foto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Viele Hobbygärtner legen Nutzpflanzenbeete mit einjährigen Gemüsearten und -sorten an. Diese müssen im Frühling stets neu gepflanzt werden, und deren Reste landen dann jeden Herbst auf dem Kompost. Um den danach nackten Boden zu schützen, säen Gärtner jeweils idealerweise eine Gründüngung ein. Mit anderen Worten: Einjährige Sorten bescheren Arbeit und Kosten.

Eine Alternative dazu sind Beete mit mehrjährigem Gemüse. Bei der Pflanzung gilt es, dabei auf genügend Pflanzabstand zu achten, denn perennierende Pflanzen – also ausdauernde, die mehrere Jahre alt werden und dabei auch mehrmals, im Allgemeinen jährlich, blühen und fruchten – nehmen im Lauf der Zeit oft ungeahnte Dimensionen an. Ebenso wichtig ist es, die mehrjährigen Gemüse am richtigen Standort zu pflanzen. Es macht zum Beispiel keinen Sinn, sonnenliebende Gewächse an einem schattigen Ort zu platzieren. Berücksichtigt der Gärtner zudem noch die Ansprüche an den Boden und an die Nährstoffe, ist das Wesentliche für ein erfolgversprechendes Wachstum vorhanden.

Rhabarber und Cardy

Das wohl bekannteste mehrjährige Gemüse ist der Rhabarber, er liebt einen eher halbschattigen, humusreichen Standort. Verzehrt werden nur die gekochten Stängel, die Blätter haben einen höheren Wert an Oxalsäure als die Stängel und sind ungeniessbar. Sie können aber sehr gut als Mulchmaterial für nackte Bodenoberflächen verwendet werden.

Eine alte Bauernregel besagt, dass die Ernte höchstens bis zum Johannistag (24. Juni) dauern soll, weil der Oxalsäuregehalt in den Stängeln zwar nicht gesundheitsschädigend ist, aber trotzdem laufend zunimmt, und damit sich die Pflanze von der Ernte erholen und Kräfte sammeln kann für die nächste Saison. Am besten werden die Stängel sehr nahe beim Wurzelstock von Hand abgedreht. Dies fördert das Wachstum und hinterlässt am wenigsten Schaden an der Pflanze.

Das bekannteste mehrjährige Gemüse ist der Rhabarber, er liebt einen Standort im Halbschatten.

Ein weiteres verbreitetes mehrjähriges Gemüse ist die Artischocke, ein Distelgewächs. Sie bildet im ersten Jahr das Blattwerk, erst im zweiten wachsen die Blütenköpfe, die im geschlossenen Zustand geerntet werden. Die Artischocke mag durchlässige Böden und Vollsonne. Sie ist ein wenig frostempfindlich, deshalb braucht sie in harten Wintern etwas Winterschutz. Ähnliche Bedingungen verlangt die Cardy, eine nahe Verwandte der Artischocke und auch im Geschmack vergleichbar. Essbar sind die Blattstiele, die etwa drei Wochen vor dem Verzehr in Folie gehüllt und gebleicht werden.

Beim Topinambur, einer äusserst wüchsigen Art, ist höchste Vorsicht geboten: Er hat invasiven Charakter und verbreitet sich, wenn man nicht aufpasst beziehungsweise eingreift, durch seine Rhizome ungehemmt unterirdisch – und bedroht die einheimische Flora. Topinambur kann ab Herbst den ganzen Winter hindurch geerntet werden. Er ist anspruchslos und blüht ähnlich wie seine Verwandte, die Sonnenblume.

Geduld gefragt

Ähnlich verbreitungsfreudig ist der Meerrettich, er ist zwar nicht invasiv, sollte aber im Zaum gehalten werden. Ein ziemlich exklusives Gemüse ist der Knollenziest, auch Stachys genannt. Die Rhizome werden ab dem Herbst geerntet. Der Spargel ist ebenfalls mehrjährig. Grünspargel ist wesentlich einfacher in der Kultur als Bleichspargel, es braucht allerdings nach der Pflanzung ziemlich viel Geduld, bis es etwas zu ernten gibt.

Perennierende Blattgemüse sind zum Beispiel der Gute Heinrich, ein spinatartiges Gewächs, und der Blutampfer, nahe verwandt mit dem Sauerampfer, sehr dekorativ, aber nicht so sauer. Beide Gemüse können bis zum Herbstende laufend geerntet werden.

Rosmarin gehört zu den mehrjährigen Kräutern – und kann ziemlich gross werden. Foto: Getty

Unter den Zwiebelgewächsen bleiben der Schnittknoblauch und die kuriose Etagenzwiebel über Jahre im Garten erhalten. Letztere bildet oberirdisch auf verschiedenen Höhen laufend Brutzwiebelchen, die geerntet werden können.

Wenn die Ertragsmenge nicht im Vordergrund steht und die perennierenden Gewächse auch als Zierwert wahrgenommen werden, so dürfen sie zur Blüte kommen. Dies verlangt den Pflanzen viel Kraft ab, weshalb eben mit einer geringeren Erntemenge gerechnet werden muss. Besonders imposant ist die Rhabarberblüte, und die Artischocke betört mit Duft und Farbe nicht nur die Insekten.

Eine Kombination mit mehrjährigen Kräutern im selben Beet ist empfehlenswert, es eignen sich zum Beispiel Minze, Liebstöckel und Schnittlauch, aber auch verholzende wie Rosmarin, Thymian und Salbei.

Gute Lückenfüller

Zu guter Letzt ein Experimentiertipp: Wenn in der ersten Zeit nach der Pflanzung der Mehrjährigen im Beet viel leere Fläche bleibt, so kann diese mit einjährigem Blattgemüse, etwa Schnittsalaten, Spinat oder Asiasalaten, angesät werden. Handelt es sich um samenfeste Sorten und dürfen sie im Garten absamen, verbreiten sie sich so Jahr für Jahr weiter und füllen Lücken von selbst auf.

Erstellt: 27.05.2019, 13:51 Uhr

Artikel zum Thema

Ran an die Sukkulenten!

Reportage Kakteen sind so hip wie nie zuvor und Besucher stürmen den Zürcher Sukkulentenmarkt. Was macht diese sonderbare Pflanze so erfolgreich? Mehr...

So pflanzen Sie Ihre Tomaten richtig – auch ohne grünen Daumen

Video Die Eisheiligen sind vorbei, und die Zürcher Balkons können bepflanzt werden. Wer sich damit schwertut, dem ist mit diesem Video geholfen. Mehr...

Der Mensch verdrängt eine Million Tier- und Pflanzenarten

Erstmals seit 14 Jahren legen Experten eine globale Bestandsaufnahme der Artenvielfalt vor. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...